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Eingedrungenes Regenwasser beschädigt 20000 Bände

Wettlauf gegen die Zeit im Magazin der Universitätsbibliothek: Werke sollen mittels Spezialverfahren gerettet werden - 29.04.2011

Durch das nur provisorisch geschlossene Dach der Unibibliothek drang Wasser ein und beschädigte 20000 Bände. Am Tag danach verschafft sich Gisela Glaeser einen Überblick. © Böhner


Bis zum Jahresende soll die Fassade des zu Beginn der 1970er Jahre errichteten Gebäudes an der Ecke Universitäts-/Schuhstraße neu gestaltet und das Haus energetisch saniert werden (wir berichteten). Hierzu musste das Dach abgedeckt, die Außenhaut des Baus geöffnet werden. Provisorien, darunter ein zeltartiges Behelfsdach, sollten während der Sanierung verhindern, dass Niederschlag eindringt. Dieser Versuch scheiterte in der Nacht auf Mittwoch, als es stark regnete.

„Aus unserer Sicht ist das Regenwasser nicht — wie vorgesehen — über die Schürzen abgelaufen, sondern hat sich seinen Weg nach innen gebahnt“, beschreibt Norbert Naturski, stellvertretender Bereichsleiter für Hochschulbau beim für die Sanierung zuständigen Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg. Auf diese Weise habe das Wasser durch alle Ebenen laufen können. Nun stelle sich die Haftungsfrage, so Naturski. „Das haben wir den beteiligten Firmen bereits angekündigt.“ Ein Gutachter wird sich der Sache annehmen.

„Es sind ungefähr 20000 Bände beschädigt worden“, bilanziert Gisela Glaeser vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Uni-Bibliothek. Betroffen seien alle Regale im fraglichen Fassadenbereich und damit alle Bücher, die nur rund zwei Meter von der Außenwand entfernt hinter den Staubschutzwänden standen. Schäden gibt es auch im Lesesaal. Glaeser: „Man sieht einen großen Wasserfleck; der Teppich ist völlig durchgeweicht.“

Zwar handelt es sich bei den beschädigten Werken dem ersten Eindruck nach — Glaeser: „Wir haben noch keinen genauen Überblick.“ — nicht um Unikate, sondern „um wissenschaftliche Gebrauchs- und Grundlagenliteratur“ etwa aus den Bereichen Geschichte und Pädagogik. Dennoch könnte manches nur unter Schwierigkeiten wieder beschafft werden. Auch Antiquarisches soll unter den beschädigten Büchern sein.

Nicht zuletzt daher mühen sich Mitarbeiter einer Spezialfirma, alle betroffenen Werke zu retten. Dazu verpacken sie die Bände in Folie und transportieren sie nach Leipzig. Dort sollen sie gefriergetrocknet werden, um sie vor Schimmel zu schützen und auf diese Weise zu erhalten. Dauern wird das Prozedere mehrere Monate. Die Kosten lassen sich noch nicht abschätzen. 

KIRSTEN WALTERT

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