Erlangen bleibt zweitsicherste Großstadt Bayerns

13.5.2021, 06:00 Uhr
Durch Corona hatte die Polizei in Erlangen 2000 Einsätze, um zu kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden.

Durch Corona hatte die Polizei in Erlangen 2000 Einsätze, um zu kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden. © Klaus-Dieter Schreiter

Auch bundesweit stehen die beiden fränkischen Städte an der Spitze, verzeichnet Erlangens Polizeichef Peter Kreisel nicht ohne Stolz und streicht heraus: "Wir haben uns den Ruf, die zweitsicherste Großstadt zu sein, verdient". Dabei kann er auf eine Aufklärungsquote von 66,2 Prozent in 2020 verweisen, den zweithöchsten Aufklärungswert, der in Erlangen je erzielt wurde.

Überhaupt, so stellte der Leiter der Polizeiinspektion Erlangen-Stadt bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2020 für das Stadtgebiet Erlangen (dazu gehören auch die Autobahnen und Tankrastanlagen Aurach Nord und Süd) fest, sei es eben ein besonderes Jahr gewesen: "Corona hat viel verändert". Nicht nur der "Berg" wurde abgesagt, auch andere Veranstaltungen konnten nicht stattfinden, viele Läden waren zeitweise geschlossen, die Menschen verbrachten im ersten Lockdown viel Zeit zuhause.

2000 coronabedingte Einsätze

Wer glaubt, dass die Polizei damit weniger zu tun gehabt habe, täusche sich, so Kreisel. Die Einsatzzahlen stiegen um rund 750 auf 18.565, darunter waren 2000 coronabedingte Einsätze, bei denen kontrolliert wurde, ob die Einschränkungen eingehalten werden. "Unsere Maxime war, mit Fingerspitzengefühl zu agieren", so Kreisel. Im Gros seien die Leute sehr einsichtig gewesen.

Man sei auch mit einem Versammlungsgeschehen konfrontiert gewesen, "das wir bisher nicht kannten", darunter eine "Querdenken"-Demonstration, wo es galt, gegen Verstöße gegen die Maskenpflicht vorzugehen. 88 Versammlungen mit einem Bezug zu Corona gab es im vergangenen Jahr, 985 Verstöße gegen die Vorschriften wurden festgestellt, 624 zur Anzeige gebracht. Im Vergleich zu manch anderen Großstädten habe es in Erlangen aber keine gravierenden Störungen gegeben.

So wie anderswo gingen aufgrund des Zurückfahrens des öffentlichen Lebens in der Pandemie auch in Erlangen die Straftaten zurück. 5398 Straftaten wurden erfasst, das sind 751 Straftaten weniger als 2019. Seit dem Höchststand im Jahr 1999, als knapp 10.000 Straftaten registriert wurden, hat sich damit in Erlangen ein kontinuierlicher Rückgang fortgesetzt. 4704 Delikte je 100.000 Einwohner wurden letztes Jahr in Erlangen gezählt (Fürth: 4136, Nürnberg 7133). Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen ging in Erlangen zurück, die Jugendkriminalität hat den niedrigsten Stand seit 1989. Etwas über dem bayernweiten Durchschnitt liegt der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen. Hier schlagen auch Aktivitäten von Banden zu Buche, die sich zum Beispiel bei der Zahl der Fahrraddiebstähle und Wohnungseinbrüche bemerkbar machen.

Aufklärungsquote erhöht

574 Fahrraddiebstähle wurden 2020 registriert, 50 weniger als im Vorjahr und deutlich weniger als im Langzeitvergleich. Etliche Fahrraddiebe gingen der Polizei auch ins Netz, "wir konnten die Aufklärungsquote auf fast 20 Prozent erhöhen", so Kreisel. Bayernweit liege sie bei 11,5 Prozent. Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg wieder an, nachdem sie seit 2015 gesunken war, ist aber im Städtevergleich niedrig. 63 Einbrüche wurden gezählt, 26 davon blieben im Versuch stecken.

Anders als vielfach befürchtet worden war, nahm im Corona-Jahr 2020 die häusliche Gewalt nicht zu. Wie im Vorjahr gab es 19 Fälle gefährlicher Körperverletzung, außerdem 117 Fälle einfacher Körperverletzung. Insgesamt ging die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte zurück, ebenso wie die Zahl der Diebstähle und anderer Straftaten wie etwa Sachbeschädigung.

85 Sexualdelikte

Mit 85 Sexualdelikten bekam es die Kriminalpolizei zu tun (Vorjahr 106), darunter war ein versuchtes Tötungsdelikt. Ein Mann ging mit einem Messer auf eine Frau los, der Fall ist noch nicht abgeschlossen, der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. In Untersuchungshaft ist auch ein 38-Jähriger, dem Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung an drei Frauen beziehungsweise Mädchen vorgeworfen wird. Zwölf Fälle von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen fanden außerdem Eingang in die Statistik.

Ein "nie endendes Thema" sei der Enkeltrick, so der Polizeichef. "Im Kommen" sei die Cyber-Kriminalität. Unter den Fällen von Betrug oder Urkundenfälschung sind auch Cybercrime-Delikte.

Bisher keine gefälschten Impfpässe

Etwas Positives ist aus dem Bereich Urkundenfälschung auch zu berichten: "Wir hatten noch keine gefälschten Impfpässe", sagt der Erlanger Polizeichef.

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