Erlangen: Gelungener Auftakt für "Forum Erinnerungs- und Zukunftsort HuPfla"

26.3.2021, 14:30 Uhr
Der Mittelteil des HuPfla-Gebäudes an der Schwabachanlage wird Teil des „Erinnerungs- und Zukunftsortes Heil- und Pflegeanstalt Erlangen“ sein.

Der Mittelteil des HuPfla-Gebäudes an der Schwabachanlage wird Teil des „Erinnerungs- und Zukunftsortes Heil- und Pflegeanstalt Erlangen“ sein. © Harald Sippel

"Und ich bin mir sicher: Alles wird zum Schluss irgendwie gut." Mit diesen Worten verabschiedete die Moderatorin Kiki Schmidt am Mittwochabend die Teilnehmer des Forums "Erinnerungs- und Zukunftsort Heil- und Pflegeanstalt Erlangen" sowie die 230 Zuschauer, die im Live-Stream bei der öffentlichen Online-Veranstaltung dabei waren.

Mit der ersten Zusammenkunft des Forums werde eine neue Phase auf dem Weg zu einem Gedenkort eingeläutet, freute sich Oberbürgermeister Florian Janik. Er sei überzeugt, "dass wir was richtig Gutes machen". Die Mitglieder des Forums werden diesen Weg beratend begleiten. Vorausgegangen waren lange und mühevolle Jahre der Auseinandersetzung um das richtige Gedenken, um den adäquaten Umgang mit dem letzten erhaltenen Patienten-Gebäude der ehemaligen HuPfla und die Frage, ob es abgerissen oder erhalten werden soll.

Umgang mit psychischen Erkrankungen

Inzwischen ist viel klarer geworden, wie und in welcher Form an die in Erlangen begangenen und von hier ausgehenden Medizinverbrechen und ihre Opfer erinnert werden soll. Klar ist vor allem auch:

Es soll auch medizinethischen Fragestellungen Raum gegeben werden. Und: Der Erinnerungsort wird auch Bildungsort werden. Wie mit psychischen Erkrankungen heute umgegangen wird, soll ebenfalls eine Rolle spielen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden aus der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen über 900 Patienten in den Tötungsanstalten Hartheim/Linz und Pirna-Sonnenstein ermordet. Darüber hinaus starben zwischen 1940 und 1945 etwa 1850 Patienten, davon wohl der größte Teil an den direkten und indirekten Folgen mangelhafter Ernährung.

Neubauten für medizinische Spitzenforschung

Die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt befand sich mitten in der Stadt in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Universitätsklinikum. Die Universitätspsychiatrie war mit der Heil- und Pflegeanstalt direkt verbunden und Teil des Areals. Das Gebäude, in dem sie untergebracht war, ist heute das einzig verbliebene Gebäude der Anstalt, welches im Zusammenhang mit den Opfern noch existiert. Auch hier, in diesem Gebäude, gab es sogenannte Hungerstationen. Es wird beziehungsweise wurde in den letzten Monaten bereits teilabgerissen, damit Universitätsklinikum und Max-Planck-Gesellschaft mehrere Gebäude für die patientenorientierte medizinische Spitzenforschung errichten können.

Die Grundlage für das Projekt "Erinnerungs- und Zukunftsort" bildet ein Rahmenkonzept, das der Gedenkstättenexperte Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, zusammen mit seinem Mitarbeiter Julius Scharnetzky erstellt hat. Es sieht vor, im verbleibenden Mittelteil des Gebäudes sowie im Direktionsgebäude den Erinnerungs- und Zukunftsort einzurichten. Auch das weitere Klinikumsareal sowie Orte in der Innenstadt, die mit den Verbrechen in Zusammenhang stehen, sollen einbezogen werden.

Engagement der Erlanger Bürger

Das ist der grobe Rahmen, doch viele Aspekte müssen noch ausgearbeitet werden. "Wir legen heute die Basis, um gemeinsam in den nächsten Monaten, wahrscheinlich auch Jahren zusammenarbeiten zu können", sagte OB Florian Janik im Vorfeld des Forum-Treffens in einer (digitalen) Pressekonferenz, die er gemeinsam mit Dorothea Rettig, Mitarbeiterin des Stadtarchivs und der Geschäftsstelle Projekt Erinnerungs- und Zukunftsort Heil- und Pflegeanstalt Erlangen, abhielt.

"Das Forum soll immer vor wichtigen Meilensteinen eingebunden werden", so Janik. Man habe mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht, beispielsweise beim Verkehrsentwicklungsplan. Auch das HuPfla-Forum setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Organisationen und Verbände sowie aus Einzelpersonen zusammen, darunter das Aktionsbündnis "HuPfla erhalten – Gedenken gestalten", das sich seit Jahren für den Gedenkort einsetzt. "Ohne das Engagement und Interesse der Erlanger Bürger wären wir heute nicht so weit, wie wir jetzt sind", sagte Bündnis-Sprecher Werner Lutz im Forum. Wichtig sei die Authentizität des Gebäudes.

Angehörige von Opfern der NS-"Euthanasie"

Angehörige von Opfern der NS-"Euthanasie" sind in dem Forum ebenfalls vertreten. Auch die sich soeben bildende Angehörigengruppe Nordbayern werde man, so OB Janik im Pressegespräch, gern aufnehmen. Sie sei prädestiniert dafür, fest mitzuarbeiten. Das Forum solle zwar schlank gehalten werden, sei aber kein starrer Kreis, ergänzte Janik.

Es ist Teil des Projekts und soll es kontinuierlich und kritisch bis zum Abschluss begleiten. Die Stadt Erlangen wird immer im Forum vertreten sein, aber in wechselnder Besetzung. Diesmal waren neben dem Oberbürgermeister auch Anke Steinert-Neuwirth, Referentin für Kultur Bildung und Jugend, und Josef Weber, Referent für Planen und Bauen, dabei.

Noch nicht endgültig fest steht die Trägerschaft. Es wird voraussichtlich ein gemeinsamer Zweckverband von Stadt, Freistaat und den Bezirken Mittelfranken und Oberfranken werden. Die Stadt sei in sehr guten Gesprächen mit dem Freistaat Bayern, der als Eigentümer das Gelände zwar behalten, aber zur Verfügung stellen wolle, so Janik.

Universitätsklinikum begleitet das Vorhaben

Außerdem sei der Freistaat bereit, sich beim Aufbau und beim Betrieb dauerhaft zu engagieren. Die Friedrich-Alexander-Universität will sich mit einer Professur beteiligen. Das Universitätsklinikum wird nicht Teil des Trägers sein, aber das Vorhaben intensiv begleiten. "Wir planen an vielen Stellen auf dem Gelände des Uniklinikums", sagte Janik. "Das geht nur, wenn die Uniklinik sich weiterhin so engagiert."

Das Direktionsgebäude, das gemäß Konzept Teil des "Erinnerungs- und Zukunftsorts" werden soll, wird aktuell vom Uniklinikum noch zu hundert Prozent genutzt, wie Professor Jürgen Winkler, Prodekan für Bauangelegenheiten sagte. Die Uniklinik verzichte zugunsten des Vorhabens auf 3000 Quadratmeter Forschungsfläche, so Winkler. Ob es zu einer Komplett- oder Teilnutzung des Direktionsgebäudes komme, werde sich in dem nun anstehenden Prozess entscheiden.

Das nächste Treffen des Forums wird am 7. Juli sein. Dann wird es um einen Wettbewerb zur Gestaltung des Umfelds gehen.

 

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