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Erlangen: Landesbischof befürwortet Synagogenbau

Hans von Draminski
Hans von Draminski

Redaktion Erlanger Nachrichten

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3.9.2021, 10:25 Uhr
Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm befürwortet die Pläne zum Bau einer neuen Synagoge in Erlangen

Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm befürwortet die Pläne zum Bau einer neuen Synagoge in Erlangen © Thomas Lohnes, epd

"Höchste Zeit, dass die JKG Erlangen ein dauerhaftes Zentrum für ihr Leben bekommt", betont Heinrich Bedford-Strohm und erinnert daran, dass nach fast 30 Jahren Forschungsarbeit im Fest- und Gedenkjahr 2021 der Synagogen-Gedenkband Bayern "Mehr als Steine" mit über 4000 Seiten fertig gestellt werden konnte.

Schwarzweißfoto von 1937/38

"Auf allen insgesamt fünf Teilbänden ist ein schwarz-weißes Bild mit den Männern aus der Kultusgemeinde Erlangen zu sehen, wie sie sich etwa 1937/38 in ihrem gerade neu hergestellten Betraum in der Einhornstraße stolz für das Foto versammelt haben", erläutert Bedford-Strohm.

Jüdische Bürger ausgegrenzt

Wohl keiner der Männer auf dem Foto habe geahnt, dass schon am 10. November 1938 ihr neuer Betraum komplett zerstört werden würde. "Die nichtjüdische Stadtgesellschaft Erlangens hat damals ihre jüdischen Bürgerinnen und Bürger ausgegrenzt, und die Behörden und Parteigrößen haben alles daran gesetzt, sie zu demütigen, ja sogar loszuwerden", rekapituliert Bedford-Strohm und ergänzt: "Voller Scham erinnern wir uns heute daran."

Der Erlanger Stadtgesellschaft redet Bedford-Strohm ins Gewissen, das Synagogen-Projekt zu unterstützen.

Der Erlanger Stadtgesellschaft redet Bedford-Strohm ins Gewissen, das Synagogen-Projekt zu unterstützen. © Georg Wendt, dpa

Kirche wirkte an Gedenkband mit

Bedford-Strohm gibt auch Hintergründe zur Entstehung des Buches: "Als Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern haben wir diesen Synagogen-Gedenkband mit gefördert, weil wir glauben, dass es auch für uns als Christen wichtig ist, die jüdische Geschichte im Freistaat Bayern ins Gedächtnis zu rufen", betont der Geistliche. "Wir glauben, dass wir auch nach unserer eigenen Geschichte fragen und selbstkritisch über die Rolle nachdenken müssen, die unsere christlichen Vorfahren in dieser jüdischen Geschichte eingenommen haben", führt Bedford-Strohm aus und ergänzt: "Wir müssen das tun, so dass wir heute daraus lernen und uns für eine offene und vielfältige Gesellschaft einsetzen und sie gegen Angriffe verteidigen."

Neue Generation

Auch an diese Aufgabe würden die 15 jüdischen Erlanger auf dem Cover der Synagogen-Gedenkbände erinnern. "Heute versammeln sich andere jüdische Menschen in der Erlanger Synagoge. Eine neue Generation mit ganz verschiedenen Herkunftsbiografien ist gewachsen und macht sich für die jüdische Gemeinschaft in der Stadtgesellschaft und an der Universität stark", weiß Heinrich Bedford-Strohm.

"Höchste Zeit" für ein dauerhaftes Zentrum

Die jüdische Kultusgemeinde habe sich seit ihren Anfängen in den späten 1990er Jahren immer mehr etabliert, und so werde es "höchste Zeit, dass sie ein dauerhaftes Zentrum für ihr Leben bekommt", unterstreicht der Landesbischof.

Wünsche für Gesellschafts-Wandel

Abschließend formuliert Heinrich Bedford-Strohm Wünsche für einen gesellschaftlichen Wandel: "Ich wünsche mir, dass wir in unseren Tagen und von der neuen Generation der Erlanger jüdischen Gemeinde ein Bild von den Mitgliedern bekommen, die stolz ihre eigene Synagoge zeigen können. Ich wünsche mir, dass dieses Mal auch die nichtjüdische Stadtgesellschaft mit den christlichen Kirchen und Gemeinschaften stolz auf dieses jüdische Gemeindezentrum ist. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die ihre jüdischen Nachbarn, Mit-Studierenden, Arbeitskolleginnen und Freunde feiert - und klar Einspruch erhebt, wenn sie heute irgend jemand ausgrenzt oder sie gar loswerden will. Ich wünsche mir, dass das Haus des jüdischen Lebens ein Ort wird, an dem die jüdische Gemeinschaft sich vergewissern kann und an dem die Stadtöffentlichkeit darüber nachdenken kann, wo sie hin will. Ich wünsche mir, dass in Erlangen ein Raum für die Begegnung von Juden, Christen und allen Menschen guten Willens entsteht – und zwar dauerhaft", sagt Bedford-Strohm.

Flammender Appell

Er schließt mit einem flammenden Appell: "Vor allem ermutige ich alle, mitzumachen, damit der Traum der Mitglieder der JKG Erlangen wahr wird und der Reichtum, den sie für die Stadt Erlangen bedeutet, einen deutlich sichtbaren öffentlichen Ort bekommt. BeHazlachah – viel Erfolg!"

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