Erlangen: Stadthalle wird neun Monate geschlossen

14.3.2016, 12:00 Uhr

© Harald Sippel

„Ich fühle mich immer noch, als ob ich einen Schlag mit dem Hammer auf dem Kopf bekommen hätte.“ Dass in der Ladeshalle vor allem auf Grund von Brandschutzvorschriften dringend Sanierungsarbeiten durchgeführt werden müssen, war Hubert Nägel, Geschäftsführer der Erlanger Kongress- und Marketing GmbH (EKM), natürlich klar und ist für ihn nachvollziehbar.

Unlängst hatte der Stadtrat dafür insgesamt 15,9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bereits im Juni starten die knapp viermonatigen Arbeiten im Kleinen Saal und dem dazugehörigen Foyer. 2018 folgt der Große Saal. Bislang wurde aber davon ausgegangen, dass die Arbeiten zweigeteilt werden können, damit die Sanierung in Zeiten mit geringer Nutzungsfrequenz durchgeführt wird.

Nun ist die Verwaltung bei der Detailplanung zu einem anderen Schluss gekommen: Es muss am Stück saniert werden. Voraussichtlich neun Monate lang wird also 2018 der Betrieb der Ladeshalle komplett ruhen. Betroffen sind davon Messen, Konzerte, Kongresse und Kulturveranstaltungen wie die GVE-Konzerte, aber auch der Internationale Comic-Salon.

Auf die Bedeutung der Halle für die gesamte Stadt weist EKM-Chef Nägel hin. 2011 hat er die Verantwortung für den Betrieb übernommen. Zuvor wurde der Komplex aus dem Jahr 1971 unter städtischer Kontrolle betrieben. Seit dem Wechsel haben die zwei Säle, zwei Foyers und acht Tagungsräume mit insgesamt rund 4000 Quadratmetern Fläche einen Aufschwung erlebt. Gerade im hart umkämpften Markt für Messen und Kongresse, kann aber jede Absage an Kunden zur Abwanderung führen.

Nägel: „Die Aktivitäten in der Ladeshalle sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Stadt“. Allein bei der Fach-Messe „Profoto“ würden beispielsweise 1000 Übernachtungen in der Stadt gebucht. „Neben den Hotels profitieren auch Gaststätten und Geschäfte“, ergänzt Nägel — der sich auch vor den Auswirkungen auf seinen Betrieb sorgt. „Ich habe eine Verantwortung für meine Mitarbeiter und für mein Unternehmen.“ Aber auch bei den vielen Nutzern aus der Stadt — von Schulen über Orchester bis hin zu Firmen und der Universität — sorgt die neue Situation für Kopfzerbrechen.

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„Es ist wie es ist — und die Maßnahme kann nicht auseinander gerissen werden“, stellt Oberbürgermeister Florian Janik klar. Aus Sicherheitstechnischen Gründen muss die Sanierung in einem überschaubaren Zeitrahmen erfolgen. „Die Alternative wäre die Schließung.“

GVE aufgeregt

Wenn bei der Sanierung 2018 in der großen Halle Lüftungen und Leitungen erneuert werden, muss die komplette Haustechnik außer Betrieb gesetzt werden. Diese nach einigen Wochen provisorisch wieder in Gang zu setzen, mache keinen Sinn. Dennoch, betont Janik, werde alles getan, so schnell wie möglich fertig zu werden. Janik: „Es wird im Zwei-Schicht-System gearbeitet“. Zudem sollen der Betreiber und die Nutzer aus Erlangen Unterstützung erhalten.

Die neunmonatige Schließung sorgt beispielsweise beim Gemeinnützigen Konzert- und Theaterverein (GVE) — die „älteste Bürgerinitiative Erlangens“ wurde 1876 gegründet — für große Aufregung. Derzeit läuft die heiße Phase, in der die Konzerte für 2018 gebucht werden müssen. „Namhafte Künstler und Orchester planen bereits jetzt für diesen Zeitraum“, stellt GVE-Geschäftsführer Volker Sellmann klar. Da für die großen Konzerte (hier müssen allein pro Konzert rund 650 Abonnenten Platz finden) keinerlei adäquate Ausweichmöglichten in der Stadt vorhanden sind, ist beim GVE die Verunsicherung groß.

Zudem ist da noch — was bei großen Bauprojekten nicht verwundert — die Angst, dass die neun Monate der Schließung nicht ausreichen. „Eine Saison lang können wir schon mal improvisieren“, erklärt GVE-Vorstandsvorsitzender Jörg Krämer. Normalerweise endet eine GVE–Saison kurz vor Pfingsten und startet nach den Sommerferien. „Was aber, wenn zwei Spielzeiten direkt betroffen sind? Was, wenn Konzerte abgesagt werden müssen?“ Dem GVE geht es nun darum, endlich „einen Zeitplan mit Unterschrift“ zu erhalten. Zudem hoffen die Verantwortlichen auf eine Ausfallbürgschaft durch die Stadt, um das Risiko für den GVE in Grenzen zu halten.

Comic-Salon im Zelt?

Im Kulturprojektbüro der Stadt hat man ebenfalls begonnen, sich Gedanken über ein Notkonzept für den Comic-Salon mit seinen rund 25 000 Besuchern zu machen. In diesem Jahr wird vom 26. bis zum 29. Mai alles in gewohnter Weise in und rund um die Ladeshalle über die Bühne gehen. 2018, die Veranstaltung findet im Wechsel mit dem Figurentheater-Festival statt, geht es dann vermutlich „back to the roots“.

Der Ursprung des Salons war vor über 30 Jahren der Redoutensaal und Zelte auf dem Schlossplatz. Wie das größte und wichtigste Festival für grafische Literatur und Comic-Kunst im deutschsprachigen Raum im Jahr 2018 konkret aussehen wird, weiß Festival-Leiter Bodo Birk zwar noch nicht, doch läuft wohl alles auf eine Kombination von den zur Verfügung stehenden Veranstaltungsräumen in der Stadt mit einer Zeltlösung hinaus. „Ausfallen kann und darf der Comic-Salon auf keinen Fall!“

© Mark Johnston

Birk betont, er und sein Team seien „von Anfang an in den Sanierungs-Prozess integriert“ gewesen. Da dies andere Nutzer und Mieter der Heinrich-Lades-Halle bislang anders empfinden, ist die Stadt nun aktiv geworden und möchte die Kommunikation verbessern. Am Montag findet bereits ein Ortstermin statt.

Zudem hofft der GVE, dass sich am Mittwoch im Kultur- und Freizeit-Ausschuss die Stadträte mit den Nöten und Befürchtungen des Vereins und anderer Nutzer der Ladeshalle auseinander setzen.

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