Samstag, 18.01.2020

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Erlangen: Verwarnungen werden meist anstandslos akzeptiert

Seit April sind die Fahrradstreifen der Erlangen Polizei unterwegs - 15.06.2018 11:00 Uhr

Die neuen radelnden Polizisten um Frank Weidner (r.) haben in der Stadt reichlich zu tun. © Klaus-Dieter Schreiter


Seit Anfang April fahren drei Polizisten und eine Polizistin in Erlangen regelmäßig Fahrradstreife. Dabei tragen sie auffällige Kleidung, die vom Innenministerium zur Verfügung gestellt wurde um zu testen, wie sie vor allem bei den Beamtinnen und Beamten ankommt. Dieser vergleichbare Trageversuch scheint in Erlangen recht erfolgreich zu sein. Jedenfalls sagt Frank Weidner von der Erlanger Verkehrspolizei, der mit seinen zwei Kollegen und einer Kollegin Fahrradstreifen fährt, die Akzeptanz sei "sehr groß". Groß ist erstaunlicherweise auch die Akzeptanz der Radstreifen bei den Verkehrsteilnehmern, obwohl sie nun auch dort erwischt werden, wo sie eine Streifenwagenbesatzung nie erwischen würde.

Wenn man mit dem Streifenwagen fahre und jemanden beim Telefonieren während der Fahrt sehe, dann könne man gar nicht so schnell anhalten oder wenden, weil man sonst eventuell den fließenden Verkehr gefährden würde, sagt Weidner. Mit dem Fahrrad sei das viel einfacher, und die Autofahrer würden dann eine Verwarnung auch meist ohne große Diskussion akzeptieren. Seit Beginn der Fahrradstreifen Anfang April bis Mitte Mai haben 13 Doppelstreifen mit einer Einsatzzeit von jeweils 1,5 bis drei Stunden 195 Verwarnungen ausgesprochen, darunter waren auch sieben Verwarnungen wegen Telefonierens am Steuer. Das kostet immerhin 55 Euro.

Über 200 Verwarnungen

Bis Mitte Juni sind es insgesamt schon weit über 200 Verwarnungen gewesen. Darunter waren 127 von der Polizei gern "Geisterradler" genannte Pedalritter, die auf der falschen Fahrbahnseite unterwegs waren. Wer auf der falschen Seite fährt muss immerhin 20 Euro berappen, wer verbotenerweise durch die Fußgängerzone fährt 15 Euro. "Es muss in das Bewusstsein der Fahrradfahrer eindringen, dass das für sie selbst und für andere Verkehrsteilnehmer eine echte Gefahr bedeutet", sagt Weidner. Soweit das die Kapazitäten erlauben, wolle man darum konsequentere Überwachungen und Beanstandungen durchführen, sagt auch der stellvertretende Polizeichef der Inspektion Erlangen, Ingo Lieb. Ein Schwerpunkt sei die Verkehrserziehung. Frank Weidner ist da besonders an den Schulen aktiv und hat sich stark dafür eingesetzt, dass der Verkehrsübungsplatz in Dechsendorf als zentrale Einrichtung für die Stadt ausgebaut wird.

Immerhin waren Fahrradfahrer im vergangenen Jahr mit rund zehn Prozent am Erlanger Unfallgeschehen beteiligt. Bei 85 dieser 316 Fahrradunfälle war die falsche Straßenbenutzung – darunter fällt auch der falsche Radweg – Mitursache für den Unfall. Bei 22 Verkehrsunfällen mit 17 leicht verletzten und sechs schwer verletzten Fahrradfahrern war die falsche Radwegbenutzung sogar die Hauptunfallursache.

Die Fahrradstreifen sollen mit dafür sorgen, dass diese Unfallzahlen schnell sinken. "Die Verwarnungen, die wir aussprechen, werden meist anstandslos akzeptiert", sagt Frank Weidner. Und noch etwas hat er festgestellt: "Wir werden als gleichwertige Verkehrsteilnehmer mehr akzeptiert, als wenn wir mit dem Streifenwagen kommen".

Weil die Erfahrung so positiv ist, will man nun gemeinsame Informationskampagnen, beispielsweise mit der Stadt, mit dem ADFC und mit den großen Arbeitgebern starten. Die Polizei fordert aber auch, dass das Radwegenetz in der Stadt weiter verbessert wird.

KLAUS–DIETER SCHREITER

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