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Erlangen will Kampf gegen Klimawandel aufnehmen

Stadtratsausschuss beschließt ein sogenanntes Klimaanpassungskonzept - 28.06.2020 06:00 Uhr

Lange Trockenperioden sind Probleme des Klimawandels. 2018 half in Chemnitz die Feuerwehr aus, damit die Bäume in der Stadt gegossen werden konnten.

© Hendrik Schmidt/dpa


Der Klimawandel ist auch in Erlangen angekommen und mit ihm kommen extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme und Hitzewellen. Welche Auswirkungen damit einhergehen können, zeigte sich erst vergangene Woche: Durch einen ungewöhnlich starken Gewitterregen kam es zu Schäden im ganzen Stadtgebiet, unter anderem auch im Rathaus.

Ein jetzt von den Stadträten beschlossenes Konzept beschreibt die vergangene und aktuelle klimatische Situation in Erlangen und soll zugleich Aussagen über die zukünftige Klimaentwicklung treffen.

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Unwetter tobte über Erlangen

Zusammen mit zwei hauptamtlichen Wachabteilungen der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk waren rund 200 Kräfte nach dem Unwetter in Erlangen im Einsatz. Mit dabei unsere Fotografen Klaus-Dieter Schreiter und Torsten Hanspach.


So stieg von 1881 bis 2018 die langjährige Mitteltemperatur in Erlangen bereits um zirka 1,5 Grad. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen – mit Folgen für Mensch und Natur. Auf Grundlage dieser Daten werden im Konzept Strategien und Möglichkeiten vorgestellt, wie sich die Stadt auf die zukünftigen klimatischen Veränderungen vorbereiten kann.

Das Klimaanpassungskonzept zeige, in welchen Bereichen sich wesentliche Konsequenzen für die Stadt Erlangen und ihre Bevölkerung ergeben. Dazu gehören die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Hitze und Allergene, die Notwendigkeit der Sicherung des Verkehrs während extremer Wetterereignisse, der Schutz vor Überflutung bei Starkregen sowie die besondere Pflege der städtischen Bäume bei Trockenheit und die Stärkung der Artenvielfalt.

Mit Unterstützung von Expertinnen und Experten wurde ämterübergreifend in der Verwaltung ein Katalog mit Maßnahmen erarbeitet, der dafür sorgen soll, die hohe Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger aufrechtzuerhalten und eine bessere Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu erreichen.

Der Maßnahmenkatalog reicht dabei von einer Verschattung öffentlicher Räume über Konzepte zur lokalen Nutzung des Regenwassers bis hin zur klimagerechten Grünflächenentwicklung.

"Wir tragen vor Ort dafür Verantwortung, einen deutlichen Beitrag gegen die weitere weltweite Klimaerwärmung zu leisten. Und wir müssen uns noch besser für die schon jetzt sichtbaren Folgen des Klimawandels rüsten. Das jetzt beschlossene Konzept ist dafür ein wichtiger Baustein", sagt Oberbürgermeister Florian Janik.

"Es ist absolut notwendig über Klimaanpassungsmaßnahmen zu sprechen, und wir müssen alles tun, damit ein gutes Leben in der Stadt möglich bleibt. Wir sind aber entsetzt darüber, dass das Konzept auf geradezu lapidare Weise das schlimmstmögliche Klimaszenario des Weltklimarats für die Treibhausgasentwicklung zugrundelegt", hält Stadtratsmitglied Prof. Martin Hundhausen von der Klimaliste Erlangen dagegen.

 

Stand der Forschung ignoriert

 

Diese Studie dem Klimaanpassungskonzept der Stadt Erlangen zugrundezulegen, ignoriere den Stand der Klimaforschung, heißt es weiter. Dadurch werde suggeriert, dass selbst unter den schlimmsten Bedingungen Anpassung gelingen könnte. "Dies ist aber absolut unrealistisch und ein fatales Signal an die Stadtverwaltung, den Stadtrat und die Bevölkerung."

Die Fraktion von Grüne/Grüne Liste im Stadtrat will darüber hinaus eine stärkere Beteiligung der Erlanger im Klimanotstand. Im Dezember 2019 wurden auf Antrag des Agenda-21-Beirates 100 000 Euro für die Durchführung eines "Klimaforums" bewilligt. Es sei nun "höchste Zeit mit der Umsetzung des Klimaforums voranzukommen", findet Tina Prietz, Sprecherin für Klimaschutz und Partizipation der Grünen Stadtratsfraktion.

"Um viele Menschen auf dem Weg zur Klimaneutralität mitzunehmen und die Beteiligten für Klimaschutz zu begeistern, sind Information und direkte Beteiligung wesentlich. Entsprechende Maßnahmen müssen mit der Stadtgesellschaft gemeinsam entwickelt werden. Deshalb sollten möglichst zeitnah verschiedene Beteiligungsformate durchgeführt werden, die offen für Fragen, Bedenken und Vorschläge sind", fordert die grüne Stadträtin weiter.

MARKUS HÖRATH

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