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Erlanger Fachmann: Wie Radfahren vor Corona schützt

Dr. Leonard Fraunberger forscht vor allem, wie sich Bewegung aufs Immunsystem auswirkt. - 20.04.2021 18:30 Uhr

„Regelmäßige Bewegung aktiviert die Killerzellen im Körper“: Dieser positive Effekt auf das Immunsystem kann auch vor einem schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung schützen, sagt der Fachmann.

18.04.2021 © Foto: Berny Meyer


Herr Dr. Fraunberger, was das Coronavirus noch immer so gefährlich macht, ist das Unwissen über die Langzeitfolgen. Kann es passieren, dass in ein paar Jahren eine regelrechte Welle von Sportinvalidität bei Profis folgen wird?

Das glaube ich nicht. Zum einen bewegen sich Profisportler regelmäßig, zum anderen haben sie eine perfekte Trainingssteuerung von Be- und Entlastung. Dadurch ist ihr Immunsystem top ausgebildet. Das sind beste Voraussetzungen, um es mit dem Coronavirus aufzunehmen.

Und wie ist es mit Freizeit- und Gesundheitssportlern?

Auch hier gibt es neueste Studien, die zeigen, dass selbst das "Long Covid", also die langanhaltende Schlappheit, nach 60 bis 100 Tagen in der Regel verschwindet. Oft haben wir auch Symptome, die wir medizinisch nicht nachweisen können, die also lediglich subjektiv empfunden werden. Das ist für die Sportler immer eine große Erleichterung, wenn wir hier entwarnen können: Die Werte sind exakt dieselben wie vor der Erkrankung.

"Körperliche Belastung unbedingt meiden"

Wie sieht es mit Sport und Bewegung nach einer Covid-Erkrankung aus?

In der akuten Phase sollte man – auch ohne Symptome – körperliche Belastungen unbedingt für mindestens zehn Tage vermeiden und dem Körper, dem Immunsystem Ruhe schenken. Ist man dann 48 Stunden Symptom-frei, kann man mit moderater Bewegung wieder beginnen und diese dann alle drei, vier Tage sukzessive steigern – bis hin zum Ausgangsniveau.

Woran merkt man, dass man zu früh begonnen hat?

Dr. Leonard Fraunberger, 52, aus Erlangen ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er ist Sportmediziner und Vizepräsident des Bayerischen Sportärzteverbandes. Er leitet im Arbeitsbereich für Sport- und Bewegungsmedizin am Department für Sportwissenschaft und Sport der Uni Erlangen-Nürnberg die sportärztliche Untersuchungsstelle. Sein Fachgebiet sind die Auswirkungen von Bewegung aufs Herzkreislauf- und Immunsystem.

18.04.2021 © Foto: privat


Wenn man sich unwohl fühlt, moderate Belastung als außerordentlich schwer empfunden wird. Wenn Lymphknoten am Hals oder in der Leiste anschwellen – das zeigt, dass das Immunsystem noch arbeitet. Hier muss man sich sofort wieder Ruhe schenken – und nach 48 Stunden ohne diese Symptome wieder bei Null beginnen. Auch empfehle ich, dass man sich beim Hausarzt mit einem Ruhe- und gegebenenfalls auch Belastungs-EKG durchchecken lässt. Das kann nie schaden.

"Es reichen schon 45 Minuten Radfahren"

Von Krebserkrankungen haben wir gelernt, dass Bewegung förderlich sein kann. Wie ist das mit Covid?

Grundsätzlich genauso: Bewegung, schon 45 Minuten locker Radlfahren im Wald, unterstützen das Immunsystem massiv. Es gibt neueste Untersuchungen aus der molekularen Sportmedizin, die zeigen, dass regelmäßige Bewegung Killerzellen im Körper auch bei Covid-19 aktiviert und stärkt, so dass sie, ähnlich wie bei einer Krebserkrankung, diese Viren wirkungsvoller bekämpfen können. So erklären wir uns auch die vielen Symptom-freien Infektionen bei Sportlern, nach denen oftmals nicht mal Antikörper zu finden sind: Die Killerzellen sind durch die regelmäßige Belastung und Bewegung so hochgradig ausgebildet, dass sie die Corona-Viren schon im Rachen zerstören. Daher kann man nur immer wieder zu ausreichend Bewegung und Sport raten. Das ist und bleibt der beste Schutz, nicht nur vor allen Viruserkrankungen.

 

Interview: CHRISTOPH BENESCH

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