Landschaftsschutz

Erlanger Sandmagerrasen: Schutzgebiet oder Liegewiese?

Katja Kiesel

Volontärin Erlanger Nachrichten

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"Geschützter Landschaftsbestandteil" steht auf einem der beiden Hinweisschilder am Ebrardsplatz. Doch was bedeutet das eigentlich? Darf ich dort picknicken und Sport treiben? © Katja Kiesel

Ob Picknicken, Sport treiben, Spielen im Sand oder Grillen: Das 17.000 Quadratmeter große Gebiet an der Ebrardstraße gegenüber des Bolzplatzes am Bürgermeistersteg lädt dazu ein. Nicht umsonst wird das Areal an der Schwabach schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Erlanger "Riviera" bezeichnet. Dass es sich bei dem Erholungsgebiet zwischen Meilwaldgrenze und Schwabachtal seit 1999 um einen "Geschützen Landschaftsbestandteil" mit Sandmagerrasen handelt, ist vielen nicht bekannt: Hört man sich bei den Menschen um, die dort sonnenbaden oder Badminton spielen, sind viele überrascht. Mit zwei Schildern wird zwar auf den Schutzstatus hingewiesen, allerdings fehlen solche Hinweise aus Richtung Spielplatz und Bürgermeistersteg. Selbst wenn man die Hinweistafeln sieht: Was bedeutet "geschützter Landschaftsbestandteil"?

Unter einem geschützten Landschaftsbestandteil, weiß Eva-Elisabeth Gruber, Fachkraft für Naturschutz im Umweltamt der Stadt Erlangen, versteht man eine Schutzform für kleinflächige, besonders wertvolle Bereiche. Davon gibt es in Erlangen zwei: Neben dem Sandmagerrasen an der Riviera gehört auch der Holzweg in Büchenbach dazu.

Wichtiger Sandlebensraum

Gruber versteht, dass es viele Menschen – besonders in Corona-Zeiten – auf die idyllische, blühende Wiese zieht. "Und einzelne Leute, die dort picknicken, stören den Sandmagerrasen noch nicht", erklärt Gruber, "aber es kommt eben immer darauf an, wie viele das sind. Im Moment ist dort schon sehr viel los, seit dem letzten Jahr hat die Nutzung des Gebietes stark zugenommen." Diese intensive Nutzung gefährdet die seltenen und auf die mageren Bedingungen angewiesenen Pflanzen und Tiere. Dazu gehören zum Beispiel das Bergsandglöckchen, die Sand-Grasnelke, das Silbergras oder die Sand-Graukresse. Besonders macht das Rasengebiet außerdem das dichte Vorkommen der blauflügeligen Ödlandschrecke, dem Dünensandlaufkäfer oder den stark gefährdeten Sandwildbienen. "Wenn man da an einem sonnigen Tag entlanggeht, fliegt es bei jedem Schritt blau auf und beobachtet man den Boden genau, sieht man überall die kleinen Eingänge zu den von den Wildbienen angelegten Nisthöhlen".

Lebensraum von Wildbiene, Bergsandglöckchen und Sandlaufkäfer

Auf den mageren, sandigen Böden fühlt sich zum Beispiel das Bergsandglöckchen pudelwohl. Es ist perfekt an die Bedingungen angepasst.

Auf den mageren, sandigen Böden fühlt sich zum Beispiel das Bergsandglöckchen pudelwohl. Es ist perfekt an die Bedingungen angepasst. © Eva-Elisabeth Gruber

Die Wildbienen sind für den Menschen ungefährlich. Sie greifen nicht an und ihr Stachel ist zu klein, um die Haut zu durchdringen. Aber sie sind auf Sand und spezifische Futterpflanzen angewiesen. Wenn viele Menschen auf dem Gebiet laufen, liegen oder Sport treiben, werden Pflanzen zertreten und der Boden verdichtet, wie die Fachkraft für Naturschutz erklärt: "Das erschwert den Insekten das Anlegen ihrer Brutröhren oder bereits bestehende werden zerdrückt. Auch die Nutzung als Sandkasten-Ersatz und damit das permanente Umgraben der Bodenoberfläche macht es den gefährdeten Tierarten unmöglich zu brüten, die Pflanzen haben keine Chance, sich anzusiedeln."

Hundekot gefährdet Tier- und Pflanzenvorkommen

Auf dem geschützten Landschaftsteil herrscht zwar kein Betretungsverbot, untersagt sind aber jegliche Eingriffe, die die dort lebenden Tiere und Pflanzen negativ beeinflussen oder das Gebiet beschädigen könnten. "Darunter fallen das Ausbringen von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, das Ausgraben, Beschädigen oder Mitnehmen von Pflanzen oder Pflanzenbestandteile, die Verunreinigung der Fläche durch Hundekot oder dort lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen, zu fangen oder zu töten." Hundekot nämlich, begründet Gruber, führt dazu, dass Nährstoffe in den Boden gelangen: "Die Pflanzengesellschaft dort ist aber auf magere Bedingungen angewiesen, da sie sonst von konkurrenzstärkeren Pflanzen verdrängt werden. Mit den Pflanzen verschwinden dann auch die auf sie angewiesenen Wildbienen und das Biotop verändert sich zum Negativen."

Verstärkte Beschilderung geplant

Zukünftig sollen vermehrt Schilder aufgestellt werden. "Auch unsere Naturschutzwächter werden dann verstärkt vor Ort sein, um Aufklärungsarbeit zu leisten", sagt Gruber. Dem Erlanger Bund Naturschutz ist zudem wichtig, dass die Teil-Fläche des Gebietes, auf der sich seit mehr als zehn Jahren übergangsweise der Hubschrauberlandeplatz der Uni-Klinik untergebracht ist, nach dessen Auflösung renaturiert wird. "Auch das ist geplant", bestätigt Gruber. Sie appelliert daran, diese Fläche als das zu sehen, was sie ist: "Der Sandmagerrasen ist wirklich etwas Besonderes und sollte der Natur und nicht dem Menschen vorbehalten sein. Er bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die speziell auf diese Bedingungen angewiesen sind und es liegt in unserer Verantwortung, diese Gebiete zu schützen und das Überleben der Arten zu sichern."

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