12°

Mittwoch, 23.10.2019

|

zum Thema

Feste Größe des deutschen Comics: Flix-Schau in Erlangen

Künstler Felix Görmann adaptierte auch schon Klassiker der Weltliteratur - 03.06.2018 07:00 Uhr

Ein Blick in die Ausstellung im Erlanger Redoutensaal. © Erich Malter/EN


Auf Flix können sich alle einigen. So stand es vor sechs Jahren in den Erlanger Nachrichten – und so kann es hier wieder stehen. Denn der 41-jährige Felix Görmann gehört fest zu den Größen des deutschsprachigen Comics. Seine Geschichten umkreisen das Alltägliche mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Beim diesjährigen Internationalen Comic-Salon widmet sich nun eine ganze Ausstellung seinem Werk.

Unbeeindruckt. So lässt sich Flix begreifen. Denn da zieht jemand seit Jahren einfach sein Ding durch. Unabhängig von Trends und Diskussionen innerhalb der Comic-Szene. Literaturadaptionen und Comic-Strips, Autobiographisches und Phantastisches – Flix meistert alle diese Ansätze mit seinem eigenen Stil. Über "Schöne Töchter" sagte er einmal in einem Interview: "Natürlich finde ich die Themen dazu in meinem Umfeld. Aber es geht mir darum, dass sich meine Geschichten echt anfühlen, nicht darum, dass sie eine 1:1-Abbildung meiner Erlebnisse sind."

Talent als Erzähler

Also, das Echte, das Authentische, ist es das, was die Comics von Flix so einmalig macht? Das wäre zu einfach, zu schnell argumentiert, denn diese Eigenschaften bringen auch andere Zeichner mit. Bei Flix kommt hingegen noch sein Talent als Erzähler hinzu, als jemand, der den Rhythmus einer Geschichte erkennt und bedient, der aus dem Alltäglichen das Sonderbare und Wunderbare herausholt.

Sein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar schloss Flix 2002 mit seiner Diplomarbeit ab – einem Comic. Eben dort hatte er danach eine Dozentenstelle inne, leitete verschiedene Comic-Workshops, arbeitete und veröffentlichte bei Zeitungen wie dem Tagesspiegel oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Comic-Autobiograf nannten ihn die Medien nach seinen ersten eigenen Veröffentlichungen bei Carlsen, weil er über Beziehungen und das Heranwachsen schrieb. Doch Flix entwickelte sich als Künstler weiter, suchte andere Stoffe.

Klassiker der Weltliteratur

Mit "Faust" (2010) und "Don Quijote" (2012) adaptierte er zwei Klassiker der Weltliteratur und übertrug sie in sein eigenes Erzählen, dichtete Dinge hinzu, unterschlug andere Sachen, veränderte Schauplätze und Figuren – und machte diese Geschichten so zu seinen Geschichten.

Heute lebt Flix mit seiner Familie in Berlin, wie so viele der deutschsprachigen Comic-Künstler. Mit "Glückskind" erschien im letzten Jahr der erste Band mit den gleichnamigen gesammelten Comic-Strips aus der FAZ. Es geht darin um Herrn Glück, dessen Tochter Josi, einen Waschbären – und natürlich das Leben, die kleinen Momente. Familiencomic nennt es der Verlag. Die Strips selbst wecken Erinnerungen an den Klassiker "Calvin und Hobbes" von Bill Watterson.

Und die nächste große Veröffentlichung von Flix in diesem Jahr steht bereits fest: Denn der belgische Verlag Editions Dupuis und der Carlsen Verlag kündigten bei der letzten Buchmesse in Frankfurt an, dass Flix sich Spirou annehmen darf. Anlässlich des 80-jährigen Jubiläums des frankobelgischen Comic-Charakters setzt zum ersten Mal ein deutscher Künstler die Geschichten des bekannten Pagen um.

Ein weiterer Aspekt, der Flix zu den derzeit besten und wichtigsten Zeichnern macht. Er ist der Künstler, der den Lesern die Leichtigkeit und das Wunderbare in seinen Panels näherbringt. Egal, welches Thema, egal, welche Geschichte.

Und ihm dabei zuzuschauen, durch seine Comics zu blättern, seinen Lesungen beizuwohnen – beeindruckend. Auf jeder Seite.

www.comic-salon.de

BJÖRN BISCHOFF

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen