Freizeittipp: Flyer macht Lust auf Baiersdorf

13.5.2021, 12:15 Uhr
Natürlich steht auch der israelitische Friedhof auf dem Besichtigungsprogramm. Angelegt wurde er bereits im 14. Jahrhundert.

Natürlich steht auch der israelitische Friedhof auf dem Besichtigungsprogramm. Angelegt wurde er bereits im 14. Jahrhundert. © Foto: Dieter Köchel

Start für den Spaziergang ist der Rathausplatz. Hier befindet sich nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch direkt davor St. Nikolaus die Stadtpfarrkirche, die bereits um 1100 erbaut wurde. Besonders interessant hier sind die Malereien auf der Empore, die jeweils eine neutestamentliche Szene und ihr alttestamentliches Äquivalent in einem Bild vereinen.

Hinter der Kirche steht ein schlichter Bau, das Anwesen Kirchenplatz 11, eine Adresse mit wechselvoller Geschichte. Es war Pfarrhaus, Superintendentur, Zehntscheune, Zapfenwirtschaft, Hemdenfabrik. Heute birgt das Gebäude die Fachakademie für Soziales, die Diakonie und einige Firmen.

An der Mauer hängen noch die Handschellen

Weiter führt Daniela Pietsch, in Baiersdorfs Verwaltung für das Stadtmarketing und die Kultur verantwortlich, zum alten Rathaus, das bis 1966 diese Aufgabe erfüllte. Seither wird der Bau gastronomisch genutzt. An der Seitenmauer des Gebäudes hängen noch die Handschellen des öffentlichen Prangers.

Die Hauptstraße entlang. Geht der Weg zum Gasthaus Storchennest, das ursprünglich im Jahre 1560 als Amtshaus errichtet wurde. An jeder der kurz beschriebenen Stationen sind Tafeln angebracht, denen man detailliert die Geschichte der Häuser entnehmen kann. Auf den Tafeln zu finden ist auch jeweils ein QR Code mit dem man sich die "Histour" auch aufs Mobiltelefon herunterladen kann.

Kilometerstein vom alten Kanal

Ein Stück weiter südlich in der Hauptstraße beginnt der Pacé-Park, der den Namen der französischen Partnerstadt von Baiersdorf trägt. Im Jahr 2012 wurde der Park im Rahmen eines Bildhauersymposiums als Skulpturengarten ausgestaltet. Hier sind Werke von Josef Baier, Wolfram von Bieren und Anke Oltscher dauerhaft ausgestellt. Nach so vielen historischen Informationen bietet das Parkgrün samt Skulpturen Entspannung fürs Auge und die Seele.

Daniela Pietsch, in Baiersdorf zuständig für das Stadtmarketing und die Kultur, hält den neuen Flyer „Histourisch“ in Händen.

Daniela Pietsch, in Baiersdorf zuständig für das Stadtmarketing und die Kultur, hält den neuen Flyer „Histourisch“ in Händen. © Foto: Dieter Köchel

Am Aufgang zur Fußgängerbrücke in der Bahnhofstraße wartet ein weiteres geschichtliches Dokument auf den Spaziergänger: der Baiersdorfer Kilometerstein des alten Ludwig-Main-Donau-Kanals. Diese Kilometersteine fungierten einst als Orientierungshilfe für die Schifffahrt auf dem Kanal, der nebenan auf der Trasse der heutigen Autobahn A 73 sein Bett hatte.

Erst Synagoge, dann Bank

Nur etwa 200 Meter entfernt, in der Judengasse, ist am Sparkassengebäude eine Tafel zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge angebracht. Sie stand exakt an dem Platz, auf dem später das Bankgebäude errichtet wurde. Hier wird auf das reiche jüdische Leben in der Stadt verwiesen. Im frühen 19. Jahrhundert waren mehr als 25 Prozent der Baiersdorfer Einwohner jüdischen Glaubens. Davor, im 17. Und 18. Jahrhundert, galt Baiersdorf als einer der bedeutendsten Standorte des Judentums mit Bezirksrabbinertum im Gebiet der Markgrafen von Bayreuth.

Als nächstes steht der israelitische Friedhof auf dem Besichtigungsprogramm, der bereits im ausgehenden 14. Jahrhundert angelegt wurde, und zwar innerhalb der Stadtmauern. Das war durchaus unüblich. Nicht minder außergewöhnlich ist die Ausrichtung der Gräber nach Westen, zum Ostfenster der einstigen Synagoge hin. Menschen fast aus dem ganzen Markgrafengebiet wurden hier bestattet, aus Forchheim ebenso wie aus Erlangen.

Tor, das den Panzern weichen musste

Nur wenige Meter entfernt steht die Johanniskirche aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Blau und Grau dominieren im Innern der Kirche. Der Kanzelaltar wird gekrönt von einem Strahlenkranz, in dem in hebräischer Schrift Jahwe (der ewige Gott) zu lesen ist. Heute dient die Kirche für Beerdigungsgottesdienste, besondere Gottesdienste und Konzerte.

Unser Rundgang endet nach zirka eineinhalb Stunden am ehemaligen Standort des Forchheimer Tors, das 1945 den Panzern der amerikanischen Armee weichen musste.

Eine große oder zwei kleine Exkursionen

Gleich unterhalb des Tors war einst die "Kuckucksmühle" situiert. Wer sich die Beschreibungen ausführlich einverleibt, kann gut und gern auch zwei bis drei Stunden unterwegs sein.

Zudem sind noch zwei kleine Exkursionen möglich. Die eine führt vom Forchheimer Tor in Richtung Norden zum Turmsaal, der ehemaligen Josefkirche. Erst 1925 erbaut wurde die katholische Kirche 1965 durch einen Kirchenneubau ersetzt. Seither steht das Kirchengebäude unter Denkmalschutz. Es wird heute gern als Veranstaltungsraum genutzt.

Anderthalb Kilometer Holzleitung

Zur zweiten Exkursion begeben wir uns auf den Weg nach Westen, zum Jungferla-Brunnen. Diese Quelle versorgte ehedem den Herkules-Brunnen am oberen Marktplatz in der Stadt mittels einer 1,5 Kilometer langen Holzleitung. Das Quellwasser wird inzwischen zum Jungferla-Brunnen geleitet. Dort veranstaltet der Heimatverein Baiersdorf alle Jahre an Christi Himmelfahrt – außer zu Pandemiezeiten – sein Jungferla-Brunnenfest, das längst über den Status eines Geheimtipps hinaus ist.

Lust bekommen auf einen Osterspaziergang durch Baiersdorf? Einige Exemplare des Flyers könnten schon im Bücherschrank auf dem Rathausplatz liegen. Der Rundgang ist jedoch auch im Internet unter www.histourisch.de zu finden. Viel Vergnügen.

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