Donnerstag, 09.04.2020

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Fröhliches "Jetzt simmer achtzig"

Klassentreffen von 23 Frauen des Jahrgangs 1939 der ehemaligen Prinzregenten Volksschule, die heute vom CEG genutzt wird. - 11.11.2019 18:00 Uhr

Die ehemaligen Schülerinnen der Prinzregenten Volksschule genießen — auch im Alter von 80 Jahren, ihre Zusammenkünfte beim jährlichen Klassentreffen, diesmal in der Blauen Traube beim Turnerbund. © Filiz Mailhammer


Einige der Damen waren sogar aus München zum Treffen im Sportrestaurant Blaue Traube im Turnerbund in der Spardorfer Straße angereist. Man sei gesund und munter und die Wehwehchen stecke man an so einem Tag sowieso weg, erklärten die lebenslustigen Seniorinnen. Das Geheimnis der Frische im Alter sei, viel zu arbeiten, und wenn harte Zeiten anstehen, müsse man da eben durch.

"Das erste Klassentreffen haben wir 1976 veranstaltet", erzählt Waltraud Kaufmann (geb. Geiger). Sie und Eva Koch (geb. Bürger) übernehmen die jährliche Organisation für das Klassentreffen, das seit 1995 regelmäßig stattfindet. Jedes Jahr faltet Kaufmann die Briefumschläge für die Einladungen liebevoll aus Kalenderblättern. Es werden kleine Gastgeschenke gebastelt und gekocht. Dieses Jahr gibt es Blutorangengelee, Wildpfirsichmarmelade und Blumen. Auch die Ehemänner müssen ran. Koch erzählt vom Engagement ihres Mannes. "Er war die Telefonistin und musste die roten Marmeladendeckchen auf die Gläser machen."

Humorige Einlage

Sehr humorig ging es auch bei Waltraud Kaufmann weiter, die mit dem Gedicht "Gedanken einer Seniorin" von Brunhilde Wojke die Hürden des Alltags auf die Schippe nahm.

Martha Renner (geb. Dengler) erinnert sich an die Zeit nach der Einschulung 1945 in der Prinzregentenschule. "Bei uns damals gab es kein Mobbing. Das kannten wir alles nicht. Wir haben uns gestritten und dann war es auch wieder gut." Die Lesebücher, die keinesfalls neu waren, habe man zu zweit genutzt und zum Einbinden gab es Backpapier, das man selbst verzierte. "Die Zeit war nicht besser und auch nicht schlechter, als heute. Nur unsere Mütter hatten eben andere Sorgen. Wir haben von dem gelebt was da war. Heute hat man ja alles."

Die ehemaligen Schülerinnen erinnern sich an die Kinderspeisung, die man umgangssprachlich Quäkerspeisung nannte. Sie wurde als humanitäre Hilfe von US-amerikanischen und britischen Quäkern geleistet. "Da haben wir uns dann von 1945 bis 1946 in der Pause mit unserem Henkeltöpfchen angestellt." Eine unvergessliches Erlebnis für die Schulkameradinnen ist die Klassenfahrt nach Rüdesheim zum Niederwalddenkmal. "Dank einer jungen Lehrerin und zwei Müttern fuhren wir mit dem Zug für drei Tage ins Jugendheim. Heute fahren die ja nach Colorado".

Zusammen habe man inzwischen 41 Kinder, 65 Enkel und 8 Urenkel. Aber die Damen schwelgen nicht nur in Erinnerungen, sondern tauschen sich rege über Aktuelles wie Stadtentwicklung und Flüchtlingskrise aus. Barbara Meisel, die als Zeitzeugin in Schulen aufklärt, war selbst ein "Barackenkind". "Wir waren Flüchtlingskinder aus Schlesien und haben in den Baracken der Amerikaner gewohnt. Das ist gar nicht so weit weg.

"Da müssen die Alten ganz laut sein und dürfen nicht schweigen",sagt sie. "Wir feiern hier nicht nur unseren Achtzigsten, sondern auch fast 80 Jahre Frieden." Darum müsse auch das HuPfla-Gebäude komplett als Gedenkort für die Opfer der NS-"Euthanasie" erhalten bleiben, da sind sich Meisel und Kaufmann einig. "Seit den 70er Jahren wurde in Erlangen zu viel an Gedenken kaputt gemacht", so Meisel.

Dass ihre Stadt Erlangen attraktiv gemacht werden soll, ist für die Seniorinnen zweitrangig. "Die sollen die Stadt schön und praktisch machen. Früher hatte Erlangen 30 000 Einwohner und endete am Zentralfriedhof. Sieglitzhof gab es nicht. Da haben wir während Schulausflügen Kartoffelkäfer gesammelt", so Dengler und Renate Gesell. Im Großen und Ganzen sei Erlangen aber eine seniorenfreundliche Stadt. Bis in den Nachmittag tauschte der Jahrgang 1939 Erinnerungen aus, witzelte und redete. Der Termin für das Klassentreffen 2020 steht auch schon fest.

FILIZ MAILHAMMER

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