Gala-Konzert begeisterte in Erlangen das Publikum

2.1.2020, 06:00 Uhr
Die Philharmonie Salzburg begeisterte beim Jahresschlusskonzert in der Heinrich-Lades-Halle mit intensivem und freudigem Spiel. Hier ein Foto von der Generalprobe.

© Udo Güldner Die Philharmonie Salzburg begeisterte beim Jahresschlusskonzert in der Heinrich-Lades-Halle mit intensivem und freudigem Spiel. Hier ein Foto von der Generalprobe.

Rund 900 Zuhörer kamen zur Silvester-Gala des gemeinnützigen Theater- und Konzertvereins (GVE) in die Heinrich-Lades-Halle. Die jungen Musiker der Philharmonie Salzburg hatten bereits bei der Premiere des neuen Formats vor einem Jahr das Publikum von den Sitzen gerissen. Diesmal dirigierte Tobias Wögerer (28) melancholische Melodien aus Wien, wilde Tänze aus Paris und Gospels aus Georgia. Es wurde ein stimmungsvoller Ausklang des alten Jahres.

Ein verrücktes Mädchen hatte George Gershwin sich für sein gleichnamiges Musical ausgesucht. Eines, das in der Wüste Arizonas die Hosen anhat und wie ein Wirbelwind allen den Kopf verdreht. Eines das den Rhythmus im Blut hat, und zwar nicht nur, solange sie "I’ve got rhythm" singt. Dass sie im Laufe der sich überstürzenden Handlung ihren Liebsten mit "My sweet embraceable you" auffordern muss, sie zu umarmen – kein Zuhörer kann das bei dem Teufelsweib verstehen. Als es wenig später "Summertime" ist, da imitieren die Geigen und Bratschen die flirrende Hitze, als ob draußen kein Winter wäre.

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Schon deutlich schwerer hat es da der Musiklehrer Orpheus, seine ehemals Geliebte Eurydike in die Arme zu schließen. Erst muss er durch die Hölle gehen, schließlich sind beide bei Jacques Offenbach schon lange verheiratet. Mit großer Geste fühlt die Philharmonie Salzburg den Pulsschlag Plutos, labt sich am Weltschmerz der gelangweilten Gattin und gondelt zu den Klängen einer "Barcarole" über den Unterweltfluss Styx. Das Orchester schaukelt dabei im Sechs-Achtel-Takt, bis selbst der Fährmann hypnotisiert scheint. Der höllische Cancan am Ende, mit dem der Fürst der Finsternis ein frivoles Fest feiert, weckt noch einmal die Lebensgeister. Nur Aram Khatschaturians "Säbeltanz" bringt noch mehr Schwung auf die Bühne.

So klingt es also, wenn "Wiener Blut" durch die Adern der Donaumetropole strömt. Sobald jemand ein Liedchen pfeift, erwacht in den Streichern die Lebenslust; sobald aus einer Weinschenke eine weinerliche Melodie dringt, wird es unter den Holzbläsern melancholisch; sobald die wispernden Wogen ans Ufer schlagen, taucht aus den Untiefen der Donau eine verführerische Tuba auf. Fast schon elegant bahnt sich der Ton seine Bahn. Dafür sorgt "Stabs-Arzt" Tobias Wögerer, der in der harten Akustik der Halle seine kammermusikalisch geschulten Musiker mit fließenden Bewegungen dazu bringt, den Strauß-Walzer leichtfüßig hinzutänzeln. In der Künstler-Quadrille gelingt es, die 13 vom Strauß-Sohn zu einem Potpourri zusammengenagelten Klassik-Hits zu einem organischen Ganzen zu verschmelzen. Egal ob da Beethoven in den Ruinen Athens einen türkischen Marsch findet, ob Mendelssohn-Bartholdy mit hochzeitlichen Klängen droht oder Mozarts Vogelhändler Federn lässt. So ganz nebenbei ist es eine schöne Herausforderung, all die Anspielungen herauszuhören.

Dann besetzen schatzsüchtige Banditen die Bühne. Johann Strauß junior hat die Strauchdiebe in einer schnellen Polka mitgebracht. Glücklicherweise kann ein schussfester Tobias Wögerer die Gauner im Galopp vertreiben. Zum Finale marschiert ein echter Feldmarschall auch in Erlangen: Graf Radetzky von Radetz. Den Marsch des Strauß-Vaters darf die Philharmonie Salzburg ruhig wieder mitbringen, wenn sie beim nächsten Silvester-Gala-Konzert wiederkommt.

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