Gefährlicher Nistplatz: Erlanger Storchenpaar verstopft Kamin

21.4.2020, 06:00 Uhr
Kaminbauer Thomas Betz setzte ein ein Meter langes Rohr auf den Kamin, um Mensch und Storch zu schützen. Ein Mitarbeiter half dabei.

Kaminbauer Thomas Betz setzte ein ein Meter langes Rohr auf den Kamin, um Mensch und Storch zu schützen. Ein Mitarbeiter half dabei. © Klaus-Dieter Schreiter

Aller Anfang ist schwer. Das musste auch das Storchenpaar erfahren, das auf dem Schornstein der ehemaligen Heka hoch über dem Hugenottenplatz sein Nest baut. Der zuständige Schornsteinfeger und ein örtlicher Kaminbauer haben ihm schließlich geholfen.

Es sah wirklich nicht gut aus für die beiden Adebare, als sie da oben im halb fertigen Nest standen, und die Heizung im Keller des Gebäudes plötzlich ansprang. Im dichten Rauch standen sie da auf einmal, blickten scheu um sich, wussten gar nicht, wie ihnen geschah. "Das kann nicht lange gut gehen", dachte sich der Schornsteinfeger Patrick Lang, der für den Bereich Innenstadt zuständig ist und der in den Erlanger Nachrichten von dem Nestbau gelesen hatte. Er dachte dabei aber nicht nur an die beiden Störche, sondern auch an die Menschen, die in dem Haus arbeiten und wohnen. Eine Inspektion der Heizung gab ihm dann recht: Die Störche hatten den freien Abzug der Abgase aus der Gastherme bereits so weit zugestopft, dass eine Vergiftungsgefahr für die Menschen bestand.

Rohrstummel erhöhen

Schornsteinfeger Patrick Lang holte darum Kaminbauer Thomas Betz hinzu, und gemeinsam mit vier anderen Fachleuten standen sie an der Hugenottenkirche, betrachteten von unten die Situation und beschlossen dann, den Rohrstummel, der oben aus dem Kamin ragt, um einen Meter zu erhöhen. Storchenvater Michael Zimmermann hatte das auch mit bekommen und war sogleich zur Stelle, um seinen Rat beizusteuern. Also wartete Kaminbauer Betz einen günstigen Moment ab, als die Störche gerade einmal nicht im Nest waren, stieg auf den Kamin und setzte das einen Meter lange und 30 Zentimeter im Durchmesser messende Rohrstück auf den Stummel, der bislang da oben heraus ragte. Auf Anraten von Zimmermann bog er auch noch einen Blitzleiterstab zur Seite und stülpte ein Kunststoffrohr darüber, damit sich später die jungen Störche bei ihren Flugversuchen nicht verletzen können.


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Argwöhnisch beäugten die beiden Störche die Arbeiten aus sicherer Entfernung von einem Mobilfunkmast aus. Vier Stunden lang saßen sie so da, wussten die neue Lage nicht einzuschätzen, und machten sich dann von dannen. Die Nacht verbrachten sie dann wieder auf diesen Masten. Am nächsten Tag aber, nachdem sie den Kamin mit ihrem Nest darauf mehrmals umkreist hatten, traute sich zunächst das Männchen, später dann das Weibchen, die Landung in dem etwas ungewohnten Terrain zu wagen. Es klappe, und nun wird wieder fleißig gebaut.

Zufriedener "Storchenvater"

Storchenvater Michael Zimmermann war dann auch zufrieden, meinte aber, das Nest sei auf der Betonplatte des Kamins gefährdet, weil es bei Starkregen durchnässen könnte. Er will darum im Herbst, wenn die Störche weg sind, eine korbartige Nisthilfe dort oben installieren, und das fertige Nest dann dort hinein setzen. Und er erinnerte sich, dass vor 15 Jahren schon einmal ein Storchenpaar auf dem Kamin der ehemaligen Heka sein Nest gebaut hatte. Einer der beiden sei dann aber in eine Hochspannungsleitung geraten und gestorben, erzählt er. Damit sei der Nestbau dann auch beendet worden.

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