Hilfe für Kriegsopfer

Geflüchtete aus der Ukraine in Erlangen: Zahlen ändern sich ständig

Marcel Staudt

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25.3.2022, 12:25 Uhr
Derzeit sind etwa 60 geflüchtete Menschen in der Turnhalle am Europakanal untergebracht. Das Bild zeigt Hilfskräfte bei der Vorbereitung der Unterkunft.
 

© Harald Sippel, NN Derzeit sind etwa 60 geflüchtete Menschen in der Turnhalle am Europakanal untergebracht. Das Bild zeigt Hilfskräfte bei der Vorbereitung der Unterkunft.  

Etwa 700 geflüchtete Menschen sind derzeit in Erlangen - das ist der Stand von Donnerstag, 24. März, 8 Uhr. Es handelt sich um eine Zahl, die sich ständig ändert. Und ob sie überhaupt tatsächlich widergibt, wie viele Personen aus der Ukraine - meistens Frauen und Kinder - in der Stadt angekommen sind, ist ungewiss.

Oberbürgermeister Florian Janik weist auf zwei verschiedene Wege hin: "Einmal gibt es das private Ankommen durch Menschen, die Geflüchtete persönlich kennen. Der zweite Weg ist das Ankommen in Nürnberg und die Verteilung über die Ankerzentren." Das heißt: Die Stadt weiß, wie viele Geflüchtete über den zweiten Weg nach Erlangen gekommen sind. Von Ankommenden über den ersten Weg erfahre sie allerdings nur, wenn sich diese Menschen bemerkbar machen - beispielsweise durch Meldung bei der Integrationsberatung. Janik fasst zusammen: "Es ist schwierig, einen Überblick zu haben, wer bei uns ist. Und wir wissen auch nicht, wer länger bleiben wird." Manche Geflüchtete befänden sich in Erlangen lediglich auf der Durchreise. "Die Zahlen verändern sich wirklich täglich", sagt Janik.

Auch Dieter Rosner, Sozialreferent der Stadt, spricht von einer "Unplanbarkeit der Zuwanderungen". Weshalb man auch eine vierte Halle "in petto" habe, um Ukrainerinnen und Ukrainer kurzfristig unterzubringen. Um welche Halle es sich handelt, möchte Rosner noch nicht öffentlich machen. Derzeit sei die Halle am Europakanal mit etwa 60 Geflüchteten besetzt. Die Egon-von-Stephani-Turnhalle im Röthelheimpark werde in dieser Woche vorbereitet. In der Halle an der Hermann-Hedenus-Schule seien momentan 13 Corona-Infizierte zur Quarantäne untergebracht. Auch bei der Unterbringung in den Hallen gilt: Die Zahlen ändern sich ständig.

Kriterien für Wohnraum

Die Turnhallen sollen lediglich als kurzfristige Unterbringungsmöglichkeit dienen. Nach wie vor ist die Stadt auf Suche nach abgeschlossenen Wohneinheiten und Hotelzimmern. "Es ist Voraussetzung, dass es sich um abschließbare Räumlichkeiten handeln muss", sagt Rosner. Die Stadt habe bereits einige Angebote erhalten, manche seien allerdings "mindestens zwielichtig", wie Rosner sagt. "Es wurde beispielsweise gefragt, ob man die Frau, die untergebracht werden soll, vorher mal sehen könnte." Alle Menschen, die Wohnraum angeboten hätten, würden nun angeschrieben werden. Rosner: "Wir werden ihnen die Kriterien erläutern. Es kann auch sein, dass sie sich in Zukunft ändern werden - je nachdem, wie groß die Not wird."

Grundsätzlich sei die Stadt für jegliche Hilfe dankbar. Bürgerinnen und Bürger können wie erwähnt mit Wohnraum, aber auch mit Spenden unterstützen - entweder an ein Konto für die Geflüchteten oder über eine Kooperation mit Nürnberg an deren Partnerstadt Charkiw. Oder auch mit ehrenamtlicher Hilfe, insbesondere russisch-sprachige Menschen sind gefragt.

Auch mit Trägern von Kindertagesstätten habe sich die Stadt bereits ausgetauscht und eine hohe Bereitschaft festgesellt, Kinder aufzunehmen. Was diesen Sektor sowie Schule und Sprachkurse angehe, "warten wir auf Regelungen, die durch bayerische Ministerien angeordnet werden", so Rosner. Im Städtetag sei man hierbei in Diskussion.

Infos und Angebote im Überblick

Alle Informationen für Menschen, die helfen wollen, hat die Stadt hier zusammengefasst. Für benötigte Hilfe oder für Hilfsangebote hat Erlangen eine Hotline eingerichtet. Dort werden alle Themen rund um die Aufnahme von Geflüchteten und Spendenangeboten gebündelt. Erreichbar ist sie unter Telefon (09131) 866586 von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr.

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