Großer Ärger wegen Badetourismus bei Erlangen

10.7.2020, 10:30 Uhr
Doris Reck-Hartmann, Chefin der Fischküche Reck in Möhrendorf-Oberndorf, ärgert sich über Badetouristen am privaten Fischweiher der Familie.

Doris Reck-Hartmann, Chefin der Fischküche Reck in Möhrendorf-Oberndorf, ärgert sich über Badetouristen am privaten Fischweiher der Familie. © Hans von Draminski

Im Zuge der Corona-Lockerungen häufen sich derzeit die Beschwerden und der Ärger mit Menschen, die nicht verstehen können oder wollen, warum sie in diesem oder jenem Gewässer nicht ihrem Badevergnügen nachgehen dürfen.

"Die Wiesen und der Weiher gehören mir", stellt Doris Reck-Hartmann klar. Und erläutert die Ursachen für den anhaltenden Ärger, der die Gastronomen vor kurzem dazu brachte, einen Brief an die Erlanger Nachrichten zu verfassen. Man habe in Oberndorf "das Privileg, ein besonders schönes Stückchen Franken zu besitzen", das man natürlich mit der Bevölkerung teilen wolle. Allerdings nähme deren Freizeitgestaltung "inzwischen Formen an, die nur noch schwer zu akzeptieren sind", sagt Doris Reck-Hartmann.

Die Hintergründe des Dilemmas sind nachvollziehbar: Bis in die 1980er Jahre hinein war der heutige Weiher eine Art Naturbad mit Sprungturm und DLRG-Präsenz, das von den Möhrendorfern und der näheren Nachbarschaft gerne frequentiert wurde. Auf das vermeintliche Gewohnheitsrecht pochen auch heute noch Menschen, die in dem Gewässer baden, obwohl Schilder darauf hinweisen, dass der Fischweiher Privatbesitz ist.

Aufgestellt wurden die Hinweise laut Doris Reck-Hartmann von einer Angler-Interessensgemeinschaft, die den Weiher gepachtet hat. Ein Badegast hatte vor kurzem beim Landratsamt besagtes Gewohnheitsrecht per Beschwerde einzufordern versucht. "Der Oberndorfer ist nun mal seit 30 Jahren kein Badeweiher mehr", erinnert Doris Reck-Hartmann. Weder werde das Wasser auf eventuelle Verunreinigungen kontrolliert noch gebe es die für Badeweiher üblichen Maßnahmen zur Gefahrensicherung.

"Da stehe ich in der Pflicht"

"Wenn da jemand ertrinkt oder sich auch nur verletzt, stehe ich in der Pflicht", klagt Doris Reck-Hartmann. Dass inzwischen ein ungeregelter Badetourismus eingesetzt hat, führt Reck-Hartmann unter anderem darauf zurück, dass die Hürden für den Besuch der Freibäder aufgrund der Corona-Pandemie sehr hoch sind — von der Vorab-Onlineregistrierung bis zur Angabe von Namen und Adresse am Badeingang.

Zudem feiern immer öfter Jugendliche und junge Erwachsene am Weiher. "Das bedeutet nicht nur eine Menge Müll, sondern auch viele falsch parkende Autos", beschreibt Doris Reck-Hartmann die Situation. Was passiert, wenn die Feuerwehr eine derartig zugeparkte Straße benutzen muss, mag die Fischküchen-Chefin sich "lieber nicht ausmalen".

Dass die Anglergemeinschaft von Badefans angefeindet wird, die auf der Benutzung "ihres" Weihers bestehen, findet Doris Reck-Hartmann befremdlich. Dass viele Auswärtige aus der ganzen Region das Gewässer unerlaubt nutzen, findet Reck-Hartmann vor allem ärgerlich – zumal ihr ein Stück weit die Hände gebunden sind, denn der Weiher ist von allen Seiten zugänglich, nicht zuletzt, weil landwirtschaftliche Grundstücke an ihn grenzen. Eine echte Lösung für das Problem scheint derzeit nicht in Sicht, deshalb appelliert Doris Reck-Hartmann an die Vernunft der Menschen.

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