25°

Sonntag, 09.08.2020

|

Großer Ärger wegen Badetourismus bei Erlangen

Anglergemeinschaft aus Oberndorf reagiert auf Anfeindungen - 10.07.2020 10:30 Uhr

Doris Reck-Hartmann, Chefin der Fischküche Reck in Möhrendorf-Oberndorf, ärgert sich über Badetouristen am privaten Fischweiher der Familie.

© Hans von Draminski


Im Zuge der Corona-Lockerungen häufen sich derzeit die Beschwerden und der Ärger mit Menschen, die nicht verstehen können oder wollen, warum sie in diesem oder jenem Gewässer nicht ihrem Badevergnügen nachgehen dürfen.

Bilderstrecke zum Thema

Wasserrad bei Oberndorf wird eingebaut

Mühsame Handarbeit für eine Tradition: Mit dem Kennerleinsrad in Oberndorf wurde das erste von zehn Wasserschöpfrädern an der Regnitz im Gemeindegebiet von Möhrendorf eingesetzt. Zuvor mussten Kumpfen repariert und mit neuen Bändern versehen werden, Teils wurden auch neue Holznägel gefertigt. Teils dienen die Räder heute noch der Wiesenbewässerung.


"Die Wiesen und der Weiher gehören mir", stellt Doris Reck-Hartmann klar. Und erläutert die Ursachen für den anhaltenden Ärger, der die Gastronomen vor kurzem dazu brachte, einen Brief an die Erlanger Nachrichten zu verfassen. Man habe in Oberndorf "das Privileg, ein besonders schönes Stückchen Franken zu besitzen", das man natürlich mit der Bevölkerung teilen wolle. Allerdings nähme deren Freizeitgestaltung "inzwischen Formen an, die nur noch schwer zu akzeptieren sind", sagt Doris Reck-Hartmann.

Die Hintergründe des Dilemmas sind nachvollziehbar: Bis in die 1980er Jahre hinein war der heutige Weiher eine Art Naturbad mit Sprungturm und DLRG-Präsenz, das von den Möhrendorfern und der näheren Nachbarschaft gerne frequentiert wurde. Auf das vermeintliche Gewohnheitsrecht pochen auch heute noch Menschen, die in dem Gewässer baden, obwohl Schilder darauf hinweisen, dass der Fischweiher Privatbesitz ist.

Bilderstrecke zum Thema

Das Röthelheimbad in Erlangen ist wieder geöffnet

Online-Anmeldung, Mundschutz, Schwimmen nur im Uhrzeigersinn: Im Sommer 2020 hat der Freibadbesuch nicht viel mit dem zu tun, was wir gewohnt waren. So ist die Situation im Röthelheimbad.


Aufgestellt wurden die Hinweise laut Doris Reck-Hartmann von einer Angler-Interessensgemeinschaft, die den Weiher gepachtet hat. Ein Badegast hatte vor kurzem beim Landratsamt besagtes Gewohnheitsrecht per Beschwerde einzufordern versucht. "Der Oberndorfer ist nun mal seit 30 Jahren kein Badeweiher mehr", erinnert Doris Reck-Hartmann. Weder werde das Wasser auf eventuelle Verunreinigungen kontrolliert noch gebe es die für Badeweiher üblichen Maßnahmen zur Gefahrensicherung.

"Da stehe ich in der Pflicht"

"Wenn da jemand ertrinkt oder sich auch nur verletzt, stehe ich in der Pflicht", klagt Doris Reck-Hartmann. Dass inzwischen ein ungeregelter Badetourismus eingesetzt hat, führt Reck-Hartmann unter anderem darauf zurück, dass die Hürden für den Besuch der Freibäder aufgrund der Corona-Pandemie sehr hoch sind — von der Vorab-Onlineregistrierung bis zur Angabe von Namen und Adresse am Badeingang.

Zudem feiern immer öfter Jugendliche und junge Erwachsene am Weiher. "Das bedeutet nicht nur eine Menge Müll, sondern auch viele falsch parkende Autos", beschreibt Doris Reck-Hartmann die Situation. Was passiert, wenn die Feuerwehr eine derartig zugeparkte Straße benutzen muss, mag die Fischküchen-Chefin sich "lieber nicht ausmalen".

Bilderstrecke zum Thema

Hüpfen, lauschen, kosten: Spargelerlebnistag in Oberndorf

Am 1. Mai lockte der Spargelerlebnistag nach Oberndorf. Während die erwachsenen Besucher ihre ganze Aufmerksamkeit auf die kulinarischen Köstlichkeiten und die Live-Musik legten, brauste der Nachwuchs mit dem Mini-Traktor vorbei. Eine Hüpfburg und Aktionen wie Kinderschminken sorgten für ausgelassene Stimmung und so manches Stadtkind konnte das erste Mal eine echte Kuh bewundern.


Dass die Anglergemeinschaft von Badefans angefeindet wird, die auf der Benutzung "ihres" Weihers bestehen, findet Doris Reck-Hartmann befremdlich. Dass viele Auswärtige aus der ganzen Region das Gewässer unerlaubt nutzen, findet Reck-Hartmann vor allem ärgerlich – zumal ihr ein Stück weit die Hände gebunden sind, denn der Weiher ist von allen Seiten zugänglich, nicht zuletzt, weil landwirtschaftliche Grundstücke an ihn grenzen. Eine echte Lösung für das Problem scheint derzeit nicht in Sicht, deshalb appelliert Doris Reck-Hartmann an die Vernunft der Menschen.

10

10 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Oberndorf