"Haus des jüdischen Lebens"

Grünen-Vorschlag in Erlangen: Gebäude Bismarckstraße 4 wäre guter Standort für Synagoge

Eva Kettler

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2.10.2021, 18:30 Uhr
Das Anwesen Bismarckstraße 4, schräg gegenüber der PhilFak, steht seit Jahren leer und verfällt zunehmend. Eigner FAU stellt bisher keine Pläne zur Nutzung vor. Wird aus dem Gebäude eine Synagoge?

Das Anwesen Bismarckstraße 4, schräg gegenüber der PhilFak, steht seit Jahren leer und verfällt zunehmend. Eigner FAU stellt bisher keine Pläne zur Nutzung vor. Wird aus dem Gebäude eine Synagoge? © Harald Sippel, NN

„Ist das nicht wunderbar?“, sagt Terry Swartzberg am Telefon. Er ist im ICE auf dem Weg nach München, wo er lebt, doch im Telefonat geht es um Erlangen. Genauer: Um das „Haus des jüdischen Lebens“, das die Jüdische Kultusgemeinde (JKG) Erlangen errichten will.

Der aus den USA stammende Wahl-Münchner koordiniert die Fundraising-Kampagne, die das nötige Geld in die Kasse der JKG Erlangen bringen soll. Aber Terry Swartzberg weiß: Nicht nur das Geld muss für das Vorhaben beschafft werden, sondern das Ganze hängt auch daran, ob ein geeigneter Standort gefunden werden kann.

"Ein genialer Vorschlag"

Und der könnte jetzt in Sicht sein. Die Stadtratsfraktion von Grüne/Grüner Liste schlägt das Gebäude Bismarckstraße 4 vor. „Das ist ein genialer Vorschlag“, sagt Terry Swartzberg. „Es wäre eine ideale Lösung.“

Wenn man auf das letzte Jahrzehnt zurückblickt, ist „ideal“ nicht das Wort, das einem in Zusammenhang mit dem Umgang mit dem Gebäude in der Bismarckstraße 4 in den Sinn kommt. Das Haus ist in den letzten Jahren immer wieder als trauriges Beispiel für Vernachlässigung eines Baudenkmals ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Zuletzt wurde in der Stadtratssitzung am 22. Juli darüber berichtet. Denn das Gebäude, das der Universität und damit dem Freistaat gehört, steht seit Jahren leer und verfällt zusehends.

Denkmal verfällt

Wie sich herausstellte, stehen sowohl die FAU als auch die Stadt als Untere Denkmalschutzbehörde beim Erhalt des Gebäudes in der Pflicht. Das Haus wird im Kompetenzgerangel von Denkmalschutzbehörde, Uni und Stadt zerrieben. Konkrete Planungen zur Zukunft des Anwesens wurden bislang nicht bekannt.

„Die Stadtverwaltung soll sich bei der Universität und dem Freistaat für eine Prüfung der Bismarckstraße 4 bei der Standortsuche für das Haus des jüdischen Lebens einsetzen“, heißt es jetzt vonseiten der Grünen ganz konkret. „Dieses Gebäude ist aufgrund der Größe und der dazugehörigen Freiflächen sehr geeignet für das geplante Vorhaben der jüdischen Gemeinde“, betont die Grüne-Fraktionsvorsitzende Birgit Marenbach.

Nähe zu künftigem Erinnerungsort

Ein weiterer Pluspunkt aus Sicht der Grünen: Das Gebäude liegt in fußläufiger Entfernung zum geplanten Zukunfts- und Erinnerungsort auf dem Gelände der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt. „Beide Vorhaben sind Orte der Kommunikation und des Austausches - sie ziehen auch überregional Besucherinnen und Besucher an“, ergänzt Carla Ober, Sprecherin für Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften.

In der gleichen Sitzung im Juli, in der es um die Bismarckstraße 4 ging, beschloss der Stadtrat, dass die Stadt Erlangen die Jüdische Kultusgemeinde beim Kauf beziehungsweise Bau einer eigenen Synagoge mit Gemeindezentrum in Erlangen unterstützen will. Mit 4,4 Millionen Euro wurde laut Swartzberg das Projekt veranschlagt, ein Gebäude für die Zwecke der JKG umzubauen und umzugestalten, um die Vorgaben für Sicherheit und Barrierefreiheit zu erfüllen. Aus Mitteln der öffentlichen Hand werden rund zwei Drittel der Summe gegenfinanziert, die JKG muss ihrerseits noch gut 1,1 Millionen Euro stemmen. Es soll „ein Haus der Begegnung, des Lernens und Kennenlernens, der Kunst und Kultur“ werden.

Chance, ein "eigenes Zuhause" zu finden

Terry Swartzberg freut sich nun darüber, dass die Erlanger Stadtgesellschaft möglicherweise im Begriff sei, eine gute Lösung zu finden und sieht die Gelegenheit näher rücken, das Projekt eines „Hauses des jüdischen Lebens“ zu verwirklichen. Für die JKG wäre es die Chance, ein „eigenes Zuhause“ zu finden - idealerweise in der Innenstadt. „Wir sind begeistert“, sagt Swartzberg und spricht damit auch im Namen der Kultusgemeinde. Dann begibt er sich gedanklich in die Zukunft. Die Stadt Erlangen, meint er, habe sicherlich strenge Denkmalschutzauflagen. Aber: „Das schaffen wir alles.“

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