Entspanntes Musikfest

Höchstadt: Schlosshof-Festival ist zurück

Hans von Draminski

Redaktion Erlanger Nachrichten

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16.8.2021, 12:20 Uhr
Mit der preisgekrönten Folk-Band "Versengold" ging das Höchstadter Schlosshof-Festival auf dem Fortuna-Gelände zu Ende.

© Hans von Draminski Mit der preisgekrönten Folk-Band "Versengold" ging das Höchstadter Schlosshof-Festival auf dem Fortuna-Gelände zu Ende.

Der Abstands- und Hygieneregeln halber war Thomas Ackermann, Erfinder und Veranstalter des Schlosshof-Festivals, für die Ausgabe 2021 auf den Parkplatz hinter der Fortuna-Kulturfabrik umgezogen. Zwischen Bühne und Technik war mit Bierbank-Bestückung Platz für rund 500 auf Sicherheitsdistanz gesetzte Menschen, vor der Fortuna-Kulturfabrik schmiegte sich ein kleiner Mittelalter-Markt an die Mauern.

Viele Gäste der "ersten Stunde"

Lief man durch die Reihen, traf man viele, die zum Publikumsstamm gehören und das Festival seit seiner Gründung begleiten. "Der Schlosshof", wie der Mittelalter-Rock-Reigen in der Szene kurz und bündig genannt wird, hat seinen festen Platz inmitten einer Reihe - von der schieren Zuschauerzahl her betrachtet - meist deutlich größerer Festivals wie dem Abenberger "Feuertanz", dem Leipziger Wave-and-Gothic-Treffen (WGT) oder dem Hildesheimer "M’era Luna Festival" - allesamt beliebte Tummelplätze und fixe Termine im Jahreskalender der "Schwarzen Szene", die sich musikalisch nicht nur auf Mittelalter-Metal kapriziert.

Vielfältiges Programm

Vielfältig war auch das Programmangebot mit Bands, deren Mitglieder auf der Bühne nicht müde wurden, allen zu erzählen, wie schön es ist, nach dem rigorosen Kultur-Lockdown endlich wieder auftreten zu dürfen und können. Aus dem diesjährigen Line-up in Höchstadt hätte man anderswo drei Festivals gemacht: Zum Auftakt am Freitag gab es mit "Vroudenspil" und "Schandmaul" bewährte Genre-Größen, die auch in Höchstadt schon mehrfach aufgetreten waren. Und die vor Spielfreude und guter Laune fast platzten. Bei "Vroudenspil" schlichen sich gegen Ende sogar ein paar Jazz- und Swingtöne ein, wie man sie bei der humorvollen Freibeuter-Truppe in der Regel eher selten hört. Und "Schandmaul"-Boss Thomas Lindner zeigte mit ganz viel Energie und Selbstdisziplin, wie man ein Festivalgelände auch dann rocken kann, wenn man gerade ein wenig gehbehindert ist und aus dem Schreibtisch-Drehstuhl heraus druckvolle Rockmusik machen muss.

Wolkenloser HImmel

Am Festivalsamstag freute sich sogar der Himmel über die Rückkehr des Festivals nach Höchstadt und bescherte einen wolkenlos blauen Himmel und Hochsommer-Temperaturen um die 30 Grad im Schatten. Da konnte man mit den wild kostümierten Mannen von "Trollfaust" schon etwas Mitleid haben, denn Gesichtsmasken und schwere Lederwamse sind schon bei normaler Witterung kein Spaß. Auch das Festival-Team hatte bestimmt schon weniger stressige Arbeitstage erlebt, tat aber dennoch ohne Murren und Knurren seinen Job. Wie überhaupt die Freude über die wiedergefundene Festival-Herrlichkeit für überaus entspannte Laune sorgte.

"Keine relevanten Vorkommnisse"

"Keine relevanten Vorkommnisse" meldete die Höchstadter Polizei am Tag danach. Nur eine angetrunkene Frau musste der Vorsicht halber ins Krankenhaus gebracht werden. Aggressionen, Frust und andere negative Emotionen lösten sich bei dem friedlichen Rockfest schnell in Wohlgefallen auf.

Irish Folk aus Deutschland

Traditionell gehört auch Irish Folk in verschiedenen Spielarten zum Schlosshof-Festival. Dafür sorgten zwei Mister, die sich beide auch "Herr" nennen könnten, weil die zugehörigen Gruppen aus deutschen Landen stammen: "Mr. Irish Bastard" macht tief in der Tradition verwurzelten Folkrock, "Mr. Hurley und die Pulveraffen" bedienen die nicht erst seit dem "Fluch der Karibik" angesagte Piratenromantik-Schiene - und beide bringen die Menschen im Handumdrehen zum Springen und Tanzen.

Steampunk mit "Coppelius"

Etwas düsterer geben sich "die ältesten Männer der Welt", die Berliner Steampunk-Combo "Coppelius" mit ihrem Fin-de-Siecle-Outfit, ihrem dezenten Mottenkugel-Geruch und ihrem Hang zu vertrackten Schauergeschichten. Umso volksnäher gibt sich der Musketier-Haufen "D'Artagnan", abonniert auf hartnäckige Ohrwürmer, die es schon zu "Fernsehgarten"-Ehren brachten, im Festival-Rahmen allerdings nicht annähernd so schmusig und schlageresk daher kommen wie auf den bei einem großen Mayor-Label erschienenen CDs der Band.

Mehrfach ausgezeichnet

Fürs spektakuläre Finale sorgen in Höchstadt die Jungs von "Versengold", mehrfach mit einschlägigen Preisen ausgezeichnete Multistilisten, die für das Schlosshof-Festival ihre Vorliebe für melodiösen Folk neu entdeckt haben und Mitsingbares mit Erinnerungswert servieren. Davon haben sogar die im Laufe des Abends immer zahlreicher werdenden Zaungäste etwas, die es sich in Festivalnähe auf den Aischwiesen bequem machen, um auch ohne Eintrittskarte eine Prise Festival-Luft zu schnuppern und ein Ohr voll Rock mit nach Hause zu nehmen.

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