Die Sicht der Feuerwehr

Hochwasser: "Völlig verhindern lässt sich das nicht"

Hans von Draminski

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15.7.2021, 18:14 Uhr
Die Aisch trat in Höchstadt und auch hier in Adelsdorf über die Ufer und richtete große Schäden an. Der Pegel des Flusses erreichte ein neues Rekordhoch.

© Niko Spörlein, NN Die Aisch trat in Höchstadt und auch hier in Adelsdorf über die Ufer und richtete große Schäden an. Der Pegel des Flusses erreichte ein neues Rekordhoch.

Vor allem der Vergleich mit dem Flutregen 2007, der über Baiersdorf niederging und weite Teile des Landkreises, darunter auch die völlig überraschte "Höhengemeinde" Marloffstein, verwüstete, hinkt aus Sebastian Webers Sicht: "Das war ein Starkregenereignis, kein Hochwasser", betont der Feuerwehrsprecher. Gegen solche Wetterereignisse könne man sich auch nur schwer schützen. Was dagegen am Wochenende in ERH abgegangen sei, habe aus einem Starkregenereignis im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim resultiert, wodurch Aisch und Aurach über die Ufer traten und für Überschwemmungen sorgten.

"Feuerwehr ist gut vorbereitet"

"Die Feuerwehr ist auf die Bekämpfung solcher Großschadenslagen gut vorbereitet", betont Sebastian Weber. Indikator für die Schwere des Hochwassers ist die Messstelle an der Laufer Mühle, die bei der "Jahrhundertflut" 2002 einen Pegel von 5,87 Metern zeigte. Am vergangenen Wochenende waren es 6,12 Meter. Bei einigen Bauten sorge allerdings schon der Standort dafür, dass die Eigentümer bei Hochwasser-Ereignissen ein Problem haben: "Es gibt Gebäude, die ins Hochwassergebiet gebaut wurden", weiß Sebastian Weber. Die seien samt und sonders "Altbestand", weil eine solche Standortwahl heutzutage längst nicht mehr erlaubt sei.

Sebastian Weber, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion ERH, betrachtet das Thema "Hochwasser" differenziert.

Sebastian Weber, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion ERH, betrachtet das Thema "Hochwasser" differenziert. © privat, NN

Spezielle Dichtplatten

An vielen anderen Stellen sei der Hochwasserschutz Sache der betroffenen Kommune. So gebe es beispielsweise am Aurachparkplatz in Herzogenaurach im Übergangsbereich zum Busbahnhof speziell gestaltete Schutzmauern, in deren Durchgangslücken sich spezielle Dichtplatten einschieben lassen. "Die sind so konstruiert, dass sie umso dichter schließen, je höher der Wasserdruck von der anderen Seite steigt", führt Weber aus. Ansonsten sei es bei den Anwohnern selbst, ihre Anwesen selber gegen die Fluten zu schützen. Wobei die Feuerwehr den Menschen beispielsweise mit fertig befüllten Sandsäcken unter die Arme greift.

Sebastian Weber in Dienstkleidung: Mit Starkregenereignissen und Hochwasser hat der Feuerwehrmann Erfahrung.

Sebastian Weber in Dienstkleidung: Mit Starkregenereignissen und Hochwasser hat der Feuerwehrmann Erfahrung. © privat, NN

Alles Menschenmögliche getan

Starkes Lob kommt von Sebastian Weber für die Zusammenarbeit zwischen Privatleuten und den Rettungskräften. Gemeinsam sei "alles getan" worden, was menschenmöglich war. Nun geht es an die Aufräumarbeiten, wobei diese vom weiter unsicheren Wetter bestenfalls verzögert, aber nicht gestoppt werden. Direkt nach dem Hochwasser sei es bei manchen Gebäudeteilen nicht einmal möglich gewesen, die Wassermassen abzupumpen: "Was vorne abgepumpt wurde, lief zur Hintertür wieder herein", weiß Weber. Inzwischen habe das Wasser aber begonnen, abzufließen. Wegen der für die nächsten Tage angesagten Regenfälle macht sich Sebastian Weber keine übermäßigen Sorgen: "Da kommt voraussichtlich nicht mehr soviel runter", sagt er voraus.

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