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"Hupfla": Fakten schaffen in Missachtung des Landtags?

Grünen-Landtagsabgeordnete Sabine Weigand kritisiert Vorgehen in Erlangen - 07.10.2019 06:00 Uhr

Lediglich der Ostteil (im Bild links) des unter Denkmalschutz stehenden, 160 Meter langen „Hupfla“-Kopfgebäudes soll am Ende erhalten bleiben. © Harald Sippel


Zur Verwirklichung des Vorhabens ist der Abbruch von etwas mehr als der Hälfte des unter Denkmalschutz stehenden "Hupfla"- Kopfbaus erforderlich. In der Sitzung des Bau- und Werksausschusses des Erlanger Stadtrates am  Dienstag, 8. Oktober, steht das Thema auf der Tagesordnung. Allerdings lediglich als Mitteilung zur Kenntnis, und das, obwohl die Stadträte gut beraten wären, sich ein genaueres Bild zu verschaffen über das, was ihnen vorgelegt wird. Aus der Sicht von Fachleuten jedenfalls bedürfen die Pläne für das Bauprojekt einer Überarbeitung. Positive Vorbescheide für das Vorhaben hatte die Stadtverwaltung per Stadtratsbeschluss bereits zu  früheren Zeitpunkten erteilt. Jetzt aber geht es um den konkreten Bau- bzw. Abrissantrag.

Aus Architektensicht kann das von der Max-Planck-Gesellschaft in der vorliegenden Form angestrebte Bauvorhaben offenbar nicht befürwortet werden: Nach Informationen der Erlanger Nachrichten ist das ZPM-Bauprojekt, zu dem später der Bau von Forschungsgebäuden (Translational Research Center) des Uniklinikums hinzukommen soll, in nichtöffentlichen Sitzungen des Baukunstbeirates bereits zwei Mal "durchgefallen". Der Baukunstbeirat setzt sich aus renommierten Architekten aus ganz Deutschland zusammen, die die Stadt bei Bauvorhaben aus fachlicher Sicht beraten.

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Sehr verwundert darüber, dass man in Erlangen anscheinend bereits dabei ist, Fakten zu schaffen, während im Landtag eine Petition für den Komplett-Erhalt des "Hupfla"- Baudenkmals anhängig ist, zeigt sich die Grünen-Landtagsabgeordnete Sabine Weigand. Die Politikerin ist Mitglied des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst des Landtags und engagiert sich im Bereich Denkmalschutz.

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Erlanger Hupfla: Wie geht es weiter mit den Überresten?

Die frühere Heil- und Pflegeanstalt "Hupfla" in Erlangen hält die Stadt seit Monaten auf Trab: Anfang Januar 2019 hatten sich Universitätsklinikum und Stadt darauf geeinigt, Teile des denkmalgeschützten Bauwerks zu erhalten. Ein Trakt könnte zum Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasieprogramme und der westliche Trakt abgerissen werden.


Weigand weist darauf hin, dass die Landtagsabgeordneten beschlossen haben, die Petition zu vertagen, weil sie abwarten wollen, bis das Rahmenkonzept für einen Erinnerungs- und Gedenkort für die Opfer der NS-Krankenmorde in Erlangen erstellt ist.

Dieser Erinnerungsort soll — wie vom Stadtrat im März beschlossen — im Ostteil des "Hupfla"-Gebäudes untergebracht werden. Die Idee für die Vertagung der Petition, so Weigand, sei von der CSU gekommen. Man wolle erst das Konzept kennen, bevor man über die Petition entscheide. Wie berichtet, ist Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, damit beauftragt, bis April 2020 ein derartiges Konzept zu erarbeiten. Im November, so hieß es bislang, möchte er erste Ideen vorstellen.

"Wenn die Stadt Erlangen jetzt über einen Bauantrag entscheidet, sind schon Tatsachen geschaffen", kritisiert die Grünen-Politikerin. "Dies ist eine Missachtung des Landtags. Es ist ein nicht sehr demokratisches Handeln."

Massive Kritik an den Abrissplänen hat im Juli die Deutsche Stiftung Denkmalschutz geäußert. Die Stiftung schließe sich den Aufforderungen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und des Bayerischen Landesdenkmalrats an, das denkmalgeschützte Gebäude Schwabachanlage 10 vollständig zu erhalten.

Ein Abriss hätte in seiner Signalwirkung nicht nur unabsehbare Folgen für Denkmalschutz und Denkmalpflege in ganz Deutschland, sondern auch für das allgemeine Rechtsempfinden, warnte die Stiftung.

Dies gelte unbeschadet der geplanten Gedenkstätte ebenso für einen Teilabriss, der das historisch gewachsene Denkmal nicht weniger zerstören würde. Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Steffen Skudelny, sprach in diesem Zusammenhang von einer "unerhörten Denkmalignoranz" und einer "enormen Ressourcenverschwendung".

Auf die enorme Bedeutung des Ausbaus des Forschungsstandortes in unmittelbarer Nähe der Klinikbauten verwies indes wiederholt das Universitätsklinikum.

EVA KETTLER

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