Im Mahlwerk der herrschenden Klasse

10.11.2010, 22:58 Uhr
Darf man das Recht in die eigene Hand nehmen?: Szene von den Proben zu „Kohlhaas 05/10“ im Theater in der Garage.

Darf man das Recht in die eigene Hand nehmen?: Szene von den Proben zu „Kohlhaas 05/10“ im Theater in der Garage. © Jochen Quast

Ein ungleiches Duell: Der Rosshändler Kohlhaas, der auf Recht und Gesetz vertraut, will wegen erlittenen Unrechts einen dafür verantwortlichen Junker doch tatsächlich bei Gericht verklagen. Doch es kommt, wie es beinahe zwangsläufig kommen muss: Kohlhaas, der einfache Mann aus dem Volke, gerät ins Mahlwerk der herrschenden Klasse, wird als Querulant abgestempelt und nimmt schließlich, da alle gesetzmäßigen Wege erfolglos gegangen sind, sein Recht in die eigene Hand.

Hang zur Gerechtigkeit

Ein Mann ruiniert sich selbst in seinem grenzenlosen Hang zur Gerechtigkeit: Heinrich von Kleists Novellen-Figur „Michael Kohlhaas“ gilt als Synonym für Freiheitsdenken, eine ambivalente Figur, die sich in ihrem (selbst)gerechten Furor durchaus auch selbst ins Abseits stellt. Regisseurin Constanze Kreusch, in Erlangen bekannt durch ihre „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“-Inszenierung, und Dramaturgin Stefanie Symmank haben nach der Vorlage von 1810 eine Fassung entwickelt, die – bei aller Orientierung an Original-Geschichte und -Sprache – den Bezug zum Heute herstellen will: „Der Kernkonflikt ist da, aber es ist, wenn auch im ausgehenden Mittelalter spielend, ein zeitloser Konflikt“, erklärt Constanze Kreusch. Die Geschichte diene, freilich mit der Figur Kohlhaas als rotem Faden, als Schablone, die Abweichungen erlaube. Dabei würde aber auf nichts verzichtet werden, „es sind alle Rollen drin“.

Wie bekommt man Recht, wieviel Recht hat der Einzelne im Staat, darf man das Recht in die eigene Hand nehmen? Zentrale Fragen in einem Stück, für das die enge „Garage“ nach Meinung von Regisseurin und Dramaturgin geradezu ideal ist: Es wirke wie ein Kammerspiel, dessen klaustrophobischem Element man sich nicht entziehen könne. „Hier geht es um jedes einzelne Wort, durch die räumliche ,Garagen‘-Enge erscheint das Geschehen wie durch eine Lupe betrachtet“, so Kreusch.

Trotz des Diktums „Keine Pferde!“ will man auf der Bühne „visuell viel losmachen“, die Sache „sinnlich erfahrbar machen“ – mit Musik, Bildern und „Bühnenzauber“.

Karten im Servicebüro des Theaters unter Tel. 09131/862511 oder beim EN-Ticket-Point unter Telefon 09131/9779310.