Immense Vorbildfunktion

Impfarzt über Joshua Kimmich: "Gerüchte über die Impfung müssen entkräftet werden"

Christoph Benesch
Christoph Benesch

Erlangen

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27.10.2021, 09:32 Uhr
Hat Bedenken in Bezug auf eine Corona-Impfung: Bayern-Profi Joshua Kimmich.

Hat Bedenken in Bezug auf eine Corona-Impfung: Bayern-Profi Joshua Kimmich. © Sven Hoppe/dpa

Herr Dr. Drossel, Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich hat bekannt gegeben, dass er sich nicht gegen Corona hat impfen lassen. Rechnen Sie in Erlangen nun damit, dass sich Menschen, die vielleicht noch unschlüssig waren, daraufhin nicht impfen lassen? Oder überschätzt man die Wirkung von prominenten Personen auf die Impfkampagne?

Inwieweit sich Äußerungen eines einzelnen Prominenten aus dem Sport auswirken, vermag ich nicht einzuschätzen. Er äußert ja Bedenken, denen wir auch in Impfgesprächen begegnen. Als Antwort hilft aber nicht Empörung, sondern Aufklärung, zum Beispiel darüber, dass es keinen Hinweis auf Langzeitfolgen nach der Corona-Impfung gibt.

Spüren Sie in Erlangen Zu- bzw. Abnahme von Impfbereitschaft bei überregionalen Geschehnissen und Berichterstattungen rund ums Impfen?

Deutliche Auswirkungen haben wir gespürt, als die Impfungen mit Astrazeneca vorübergehend ausgesetzt wurden, als der Zusammenhang zwischen Impfung und extrem selten vorkommenden Hirnvenen-Thrombosen untersucht wurde. Ansonsten fällt es aber schwer, einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Impfbereitschaft und einzelnen Themen in der Medienberichterstattung herzustellen.

Hans-Joachim Drossel

Hans-Joachim Drossel © privat, NN

Haben Sie im Impfzentrum von Menschen gehört, die sich gezielt aufgrund von Werbekampagnen von Prominenten für eine Impfung entschieden haben?

Tatsächlich fragen wir vor Impfungen nicht nach, ob sich Menschen wegen einer Werbekampagne impfen lassen wollen. Ich denke, die Mischung ist wichtig: Dass sich Prominente ebenso zur Impfung bekennen wie Menschen aus dem eigenen Bekanntenkreis. Und dass immer wieder breit informiert wird. Befürchtungen und falsche Gerüchte müssen entkräftet werden.

Überdurchschnittliche Impfbereitschaft

Die Impfkampagne ist deutschlandweit ins Stocken geraten. Wie ist konkret die Lage vor Ort in Erlangen bzw. Erlangen-Höchstadt: Sind Sie mit dem Impffortschritt vor Ort dennoch zufrieden?

Wir liegen in Erlangen und Erlangen-Höchstadt mit einer Impfquote von 69,3 Prozent deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt. Bekanntlich sind ja nicht alle betriebsärztlichen Impfungen erfasst, so dass die tatsächliche Quote noch höher liegen dürfte. Insbesondere durch eine Vielzahl von Sonderaktionen konnten wir auch wieder eine leichte Zunahme von Impfungen erreichen, gerade auch Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren werden vermehrt geimpft. Es trifft also nicht zu, dass die Kampagne ins Stocken gerät. Aber es sind noch immer nicht genug Menschen geimpft, um diejenigen zu schützen, die sich nicht impfen lassen können.

Joshua Kimmich sagt, er lasse sich wegen Bedenken rund um die Langzeitfolgen noch nicht impfen. Sind diese Bedenken bei Impfungen gerechtfertigt?

Nein, absolut nicht. Impfreaktionen wie Schmerzen an der Impfstelle oder grippeähnliche Symptome treten unmittelbar nach der Impfung auf. Auch die wenigen Fälle von gravierenderen Nebenwirkungen stehen in unmittelbarer Nähe zu den Impfungen. Insgesamt handelt es sich um moderne und sichere Impfstoffe, die umfassend und transparent geprüft wurden. Die Wissenschaft ist sich einig, dass es Langzeitfolgen bei modernen Impfstoffen nicht gibt.