In fremden Räumen: Doppelpack-Schau beim Erlanger Kunstverein

10.2.2013, 16:33 Uhr
Donata Benker und Philipp Findeisen bei der Vernissage ihrer Ausstellung beim Kunstverein.

Donata Benker und Philipp Findeisen bei der Vernissage ihrer Ausstellung beim Kunstverein. © Harald Hofmann

Das Motto der Ausstellung „ZWEI:NS“ lässt an Fußball denken, oder wenigstens an ein Kräftemessen in durchaus friedlicher Absicht. Tatsächlich scheinen sich die weitläufig am Motiv „Landschaft“ orientierte Malerei Donata Benkers und die konsequent abstrakten plastischen Arbeiten Philipp Findeisens auf einen fundamental unterschiedlichen künstlerischen Ansatz zu berufen.

Die gemeinsame Ausstellung lebt vom Spannungsverhältnis zwischen zwei Positionen, die sich aber auf einer gemeinsamen Diskussionsplattform treffen. Sieg und Niederlage – da hinkt die Analogie zum sportlichen Wettkampf – bleiben in diesem Spiel außen vor. Zwischen zwei unterschiedlichen Medien – Malerei und Plastik – entstehen unterschwellige Korrespondenzen, denen die Differenz zwischen dem Gegenständlichen und der Abstraktion fragwürdig wird.

Donata Benker porträtiert in ihren menschenleeren Landschaften scheinbar alltägliche Häuser unter postkartenblauen Himmeln und an schimmernden Teichen. Aber der Anschein der Idylle trügt, gerade weil der Abbild-Realismus sich durch die pointiert eingesetzten Lokalfarben geradezu aufdrängt.

Geisterhäuser, die unvollendet oder in verschiedenen Stadien des Verfalls verlassen worden sind. Manche scheinen unter der Wirkung unbekannter Kräfte zu explodieren. Die Bewohner gestorben oder gar ausgestorben, die Landschaft ein vollständig negativ besetzter Illusionsraum.

Philipp Findeisen, der mehrfach mit einem Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten ausgezeichnet wurde, relativiert gewohnte Raumvorstellungen durch komplizierte Konstruktionen aus weiß lackiertem Holz. Auf den ersten Blick sehen sie aus, als seien sie aus Möbelresten ohne Rücksicht auf Funktionen zusammengesetzt. Das rohe Holz, das in den komplizierten technischen Verbindungen der Schreinerarbeit sichtbar bleibt und die ständig ins Leere verlaufenden Zierleisten lassen keine perspektivische Ordnung und damit keinen einheitlichen Bildraum zu.

Das geläufige Motiv eines in Wirklichkeit durch Möblierung gestalteten Innenraumes ist ersetzt durch einen komplett in Möblierung verwandelten Raum, der dadurch unsichtbar geworden ist. Nicht unähnlich hat Donata Benker die Außenwelt mit Versatzstücken von Landschaft möbliert und unbewohnbar gemacht. Beiden geht es um die Entwicklung von Bildräumen, die abstrakt oder konkret sein können, in jedem Fall aber keine realistische, sondern eine künstliche fantastische Wirklichkeit produzieren.
 

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