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Kirchenorgel pfeift aus dem letzten Loch

Instrument in Sankt Matthäus ist nicht zu erhalten - Neue Orgel für etwa eine Million Euro notwendig - 26.03.2010

Die Orgel in der Matthäuskirche ist nicht nur defekt. Sie ist, so der zuständige Pfarrer Bernd Hofmann, auch eine einzige Fehlkonstruktion. © Klaus-Dieter Schreiter


»Die Orgel ist klinisch tot«, sagt Pfarrer Hofmann. Der Grund: Ein Drittel der 46 Register ist nicht mehr zuverlässig spielbar, zwei sind elektrisch defekt und einige Pfeifen fehlen sogar ganz. Schon seit Jahren habe sich diese untragbare Situation aufgebaut, klagt der Pfarrer. Eine Reparatur sei praktisch nicht mehr möglich, und das will er an einer Pfeife demonstrieren. Die aber fällt ihm gleich entgegen, weil sie durch das Eigengewicht arg verformt ist und nicht mehr sauber auf dem Lufteinlass sitzt.

Andere Pfeifen sind mit bastlerischem Geschick mit Geschenkband stabilisiert worden, wieder andere stehen völlig schief in ihren Rastern. Hinzu komme, dass das 1961 gebaute Stück eine völlige Fehlkonstruktion sie, beklagt Hofmann. Denn die kleinen Pfeifen stünden hinter den großen und seien so nicht gut zu hören.

Unkundiger Architekt

Viele seien zudem nicht zugänglich und könnten deshalb nicht nachgestimmt werden. Zwar sehe die Orgel für die Kirchenbesucher schön aus und sei auch prima in die Kirche eingepasst worden. Aber das habe damals ein Architekt vorgenommen, der die Anforderungen an ein solches Musikinstrument nicht bedacht hatte. Die ganze Orgel hätte nämlich schmaler und dafür tiefer sein müssen, so der Pfarrer. Auch der Spieltisch stehe an der falschen Stelle, da die Luftwege zu den Pfeifen unterschiedlich lang seien.

Schon 20 Jahre nach der Einweihung konnte das Instrument wegen ungleichmäßiger Windverhältnisse und erheblicher Druckabfälle nicht mehr gestimmt werden. Die Ge-meinde hat damals 164000 Mark in die ehemals 125000 Mark teure Orgel investiert, um die nötigsten Reparaturen vornehmen zu lassen. Doch die grundlegenden Mängel konnten nicht beseitigt werden. Deshalb sind heute die Windladen erneut undicht.

Im letzten Frühjahr hatten ein offizieller Orgelsachverständiger und vier Orgelbauer das Instrument begutachtet und sind danach zu dem Schluss gekommen, dass es unverantwortlich wäre, noch einmal Geld in eine Renovierung zu stecken. Deshalb soll nun ein Neubau her.

Gesamter Bau denkmalgeschützt

Für 35 Register, rechnet Hofmann vor, müssten rund 700000 Euro aufgewendet werden. Hinzu komme, dass der Orgelprospekt wie die gesamte Kirche denkmalgeschützt sei und erhalten werden müssse. Insgesamt müsse man deshalb wohl mit rund einer Million Euro rechnen, seufzt er. Zwei Drittel dieses Betrages muss die Gemeinde aufbringen, den Rest könnte man mit einem Darlehen der Landeskirche abdecken. Da die Planung rund drei Jahre dauert und mit einem Jahr Bauzeit zu rechnen ist, soll das Geld in vier Jahren zur Verfügung stehen.

Das Finanz-Team im Orgelbau-Ausschuss hat bereits Ideen entwickelt, wie man an die benötigten 666000 Euro kommen kann. Vor allem die Konzerte, so hofft man, könnten viel Geld in die Kasse spülen, wenn man auf die Eintrittspreise einen Orgelbauzuschlag erheben würde, hofft der Pfarrer.

Vermietung an Firmen

Außerdem will man die Kirche an Firmen vermieten, damit diese dort Konzerte für ihre Belegschaft anbieten können. Auch mit Erlanger Gymnasien sind Aktionen geplant. Zusätzlich soll es zwei bis drei größere Aktivitäten über das Jahr geben. Der Pfarrer ist optimistisch, so das notwendige Geld sammeln zu können.

Das erste Benefizkonzert für die neue Orgel findet bereits am morgigen Samstag statt. Es wird vom Barockorchester der Bamberger Symphoniker gegeben, die unter anderem Werke von Händel, Corelli, Muffat und Vivaldi präsentieren. Weitere Konzerte sollen folgen.

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