Spendenaufruf

Militärputsch in Herzogenaurachs Partnerstadt Kaya

Redaktion Nordbayerische Nachrichten

Nordbayerische Nachrichten

4.2.2022, 11:49 Uhr
Seife, Masken und Desinfektionsmittel als Mittel im Kampf gegen Corona werden in Kaya selbst produziert. Was durch den Militärputsch in Burkina Faso deutlich schwieriger geworden ist.

© privat, NN Seife, Masken und Desinfektionsmittel als Mittel im Kampf gegen Corona werden in Kaya selbst produziert. Was durch den Militärputsch in Burkina Faso deutlich schwieriger geworden ist.

Schon seit Monaten protestierte die Bevölkerung gegen die "Unfähigkeit der Machthaber, den zunehmenden dschihadistischen Angriffen entgegenzuwirken" und forderte den Rücktritt des Präsidenten Kaboré. Ende November 2021 demonstrierte die (junge) Bevölkerung heftig gegen das französische Militär, das im Kampf gegen den Terrorismus auf dem Weg von der Elfenbeinküste nach Niger und Mali das Land durchquerte. Der Konvoi fuhr auch durch Kaya. Die Proteste legten die Stadt lahm. Am 24. Januar 2022 erklärte Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba die Machtübernahme durch die MPSR ("Mouvement Patriotique pour la Sauvegarde et la Restauration", zu deutsch "Patriotische Bewegung für den Schutz und die Wiederherstellung"). Die MPSR ist eine Militärgruppierung, der Soldaten und Polizisten angehören. Sie bildet ab jetzt die Militärübergangsregierung. Grund für den Aufstand des Militärs sei die "Verschlechterung der Sicherheitslage, die Unfähigkeit, die Nation zu vereinen und effektiv auf die Herausforderungen zu reagieren." In den Tagen davor hatten in verschiedenen Militärstützpunkten des Landes Meutereien stattgefunden.

Regierung abgesetzt

Es folgte der Rücktritt von Staatspräsident Roch Marc Christian Kaboré, der 2015 demokratisch gewählt worden war und 2020 in seinem Amt bestätigt wurde. Die Regierung wurde abgesetzt, das Parlament aufgelöst. Eine nächtliche Ausgangssperre gilt bis auf weiteres. Die Afrikanische Union, die Nato, die USA, die EU mit Frankreich sowie die CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) verurteilten den Militärputsch. Das Ausland drängt auf "sofortige Freilassung" des Präsidenten und auf die "rasche Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung".

Für die Flüchtlinge wurden in Kaya Zelte aufgestellt.

Für die Flüchtlinge wurden in Kaya Zelte aufgestellt. © privat, NN

Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) hat Burkina Faso von der Mitgliedschaft in ihren Gremien suspendiert. "La vie continue", "das Leben geht weiter", erklärte Boukaré Ouédraogo, Bürgermeister von Kaya, Ende Januar am Telefon. Laut Ouédraogo habe die MPSR versprochen, eine Zivilperson als Übergangspräsidenten vorzuschlagen, die das Land übergangsweise bis zu demokratischen Neuwahlen führe. Erst dann können weitere Wahlen stattfinden. Damit werden die Kommunalwahlen auf 2023 verschoben.

Bewaffnete Dschihad-Truppen

Bewaffnete dschihadistische Gruppen, die mit Al-Qaida und der Organisation "islamischer Staat" verbunden sind, üben seit 2015 Terrorakte in Burkina Faso aus. Seit 2019 hat sich diese Spirale der Gewalt deutlich verschärft. Aufgrund anhaltender Bedrohung durch Terroristen aus Mali und Niger und den Mangel an eigenem Schutz durch die burkinischen Streitkräfte, sind die Menschen innerhalb von Burkina Faso auf der Flucht. Innerhalb von sieben Jahren forderte der Terror 2000 Tote und zwang 1,5 Millionen Menschen, ihr Zuhause zu verlassen. Kaya zählt zu den Städten, welche die meisten Vertriebenen aufnehmen.

Zu Spenden aufgerufen

Die Stadt Herzogenaurach und der Verein Partnerschaft Herzogenaurach Kaya sowie Kirchen, Schulen und Unternehmen aus Herzogenaurach haben im Rahmen humanitärer Hilfe schon 2019 und 2020 die hiesige Bevölkerung zu Spenden aufgerufen. So konnten unter anderem Mais, Reis, Sardinen und Schulmaterial für die Geflüchteten gekauft werden. Mit Geldern aus dem Benefizlauf, den das Gymnasium Herzogenaurach seit Jahren organisiert, wurden Zelte zur Unterkunft der Geflüchteten angeschafft.

Auch Bewässerungsanlagen werden mit Hilfe europäischer Partner gebaut, um die Folgen der jahrelangen Dürre zu lindern.

Auch Bewässerungsanlagen werden mit Hilfe europäischer Partner gebaut, um die Folgen der jahrelangen Dürre zu lindern. © privat, NN

In Kaya befinden sich momentan 111.890 Vertriebene, darunter: 69.919 Kinder. Die Sahelregion wird durch die Dschihadisten zunehmend destabilisiert: Einige Monate vor Burkina Faso erlitten die Nachbarsländer Mali und Niger ebenfalls einen Militärputsch.

Neue Hungersnot

Aufgrund einer 2021 schlecht ausgefallenen Ernte leidet die Bevölkerung von Kaya zudem unter einer neuen Hungersnot: Bürgermeister Ouédraogo dankt seinen europäischen Freunden für die stetige Unterstützung zugunsten der Bevölkerung von Kaya und den Geflüchteten. Er bedankte sich auch für die Fortführung der Unterstützung auf allen Ebenen.

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