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Mit dem Förster im Wald: Der Klimawandel ist sichtbar

Birkenbühl bei Hammerbach: Mangels Alternativen raten alle zum Mischwald - 11.12.2019 11:30 Uhr

Der Steckerleswald prägt nach wie vor zahlreiche Bereiche im Erlanger Umland. © Foto: Max Danhauser


Försterin Heike Grumann und Moritz Bergen, Abteilungsleiter im Bereich Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth, schreiten über eine Wiese auf den südlichen Waldrand des Birkenbühl bei Hammerbach zu.

Grumann deutet auf die Baumkronen. "Von hier aus sind die Schäden besonders gut sichtbar", weist sie den Laien darauf hin. Das Bild, das sich dem Betrachter bietet, macht überdeutlich, wie es aktuell um den Wald steht: Kahle Bäume, rotbraune Kronen und verdorrte Äste bestimmen die Szenerie. "Etwa 50 bis 60 Prozent der Kiefern sind schon abgestorben", sagt Moritz Bergen.

Es ist wie aktive Sterbehilfe

Mehr als ein Drittel der Fläche Bayerns ist mit Wald bedeckt, knapp 60 Prozent davon sind Fichten und Kiefern. Gerade diesen beiden Baumarten setzt der Klimawandel besonders zu: Hitze und Trockenheit sorgen dafür, dass nicht genügend Wasser für die Hölzer vorhanden sind, dadurch begünstigt breiten sich Schädlinge wie Pilze, Misteln und die Borkenkäfer aus.

Auch wenn der Birkenbühl von Borkenkäfern bislang weitestgehend verschont geblieben ist, sind die Schäden durch die lang anhaltende Trockenheit deutlich zu sehen und irgendwann gibt es keine Hilfe mehr, die Bäume müssen gefällt werden.

"Aktive Sterbehilfe" nennt das Thomas Speth, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Erlangen-Höchstadt. Das Problem dabei: Kiefern und Fichten sind in unseren Höhenlagen nicht heimisch. Sie stehen natürlicherweise in höheren oder nördlicheren Lagen, wo die Temperaturen niedriger und die Niederschlagsmengen höher sind.

"Temperaturen über 40 Grad kann die Kiefer nicht aushalten", erklärt Förster Bergen. Vor Jahrhunderten wurden beide Baumarten hier angesiedelt, damals habe das gepasst. Doch die Forstwirtschaft müsse weit vorausschauend denken und handeln.

Waldumbau ist das Gebot der Stunde

Allerdings halten weder Heike Grumann noch Moritz Bergen viel von den Vorschlägen, Baumarten aus südlicheren Ländern einzuführen. "Bei uns herrscht kein mediterranes Klima", erklärt Grumann. In Wintermonaten sei Frost möglich, wofür diese Bäume nicht ausgelegt seien.

„Hier wächst schon Mischwald nach“, freuen sich Heike Grumann und Moritz Bergen. © Foto: Max Danhauser


Daher raten die Förster zu einem Mischwald, also weg von der Monokultur hin zu einem Mix verschiedener Arten aus Nadel- und Laubbäumen. Auch die Waldbesitzervereinigung Erlangen-Höchstadt forciert seit langem diesen Weg und unterstützt ihre Mitglieder beim Waldumbau.

"Es gibt nicht die eine Baumart, die der Heilsbringer ist. Wir setzen auf Vielfalt", sagt die Försterin. "Falls eine Art ausstirbt, haben wir immer noch was in petto". Die Bayerische Staatsregierung plant, bis 2030 für ihre "Waldumbauoffensive" 200 Millionen Euro Fördergelder und 200 weitere Beratungsförster zur Verfügung zu stellen.

Das werde gern angenommen, freut sich Heike Grumann, doch der Boden sei im Frühjahr einfach zu trocken, um neue Bäume pflanzen zu können. "Wir probieren alles aus", erklärt auch Georg Mauser, stellvertretender Vorsitzender der Waldcorporation Herzogenaurach-Welkenbach, die den größten Teil des Birkenbühl bewirtschaftet. "Wir müssen schauen, dass wir breit aufgestellt sind".

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Die Waldcorporation baut den Wald seit Jahrzehnten um. Was die richtige Alternative zum jetzigen Waldbau sei, wisse aber niemand. Doch Mauser ist sicher: "Käme ein solcher Sommer wie im vergangenen Jahr dreimal hintereinander, wären dreißig Prozent der bayerischen Wälder tot."

Niemand weiß, welche Möglichkeiten es definitiv gibt, um dem Klimawandel im Wald den Kampf ansagen zu können. Das betonten Förster wie Waldcorporation. Es werde Jahrzehnte dauern, bis sich herausstelle, ob die jetzt ergriffenen Maßnahmen die richtigen gewesen seien.

Trotz der aktuell schwierigen Pflanzmöglichkeiten, so schätzen die Förster, gebe es Bäume, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen ganz gut zurechtkämen. Grumann sagt: "Die Baumart, die das am ehesten wegsteckt, ist die Eiche".

Eichenverbiss bereitet Sorge

Aber die Eichen haben häufig mit Verbiss durch Rehwild zu kämpfen. Die Stämme treiben aus, wachsen kaum oder gar nicht. Ein richtiger Baum wird aus dem verkümmerten Pflänzchen dann nicht mehr. Daher raten die Förster, als Waldbesitzer auf Jäger zuzugehen und zu erklären, dass mehr Wild geschossen werden müsse. Oft bleibe nur die Lösung, das jeweilige Jungbaum-Areal einzuzäunen.

Aber Grumann gibt zu bedenken, dass dies ein gigantischer Aufwand sei, der auch sehr teuer komme. 12 Euro pro Laufmeter würde ein ordentlicher Zaun kosten. Wie um ein Beispiel zu geben, laufen die Förster Grumann und Bergen über eine Waldrandschneise, einen kleinen Mittelweg zwischen zwei Waldarealen, nördlich von Hammerbach entlang und begutachten die Bäume.

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"Der Wald auf der linken Seite war nicht umzäunt", erklärt Bergen und deutet hinauf zu den vertrockneten Kronen. Dünne Stämme stehen nebeneinander. "Steckerleswald" nennen die beiden das. Nur Kiefern, keine anderen Baumarten sind zu sehen.

Was vielleicht auf natürlichem Wege, durch sogenannte Naturverjüngung, nachgewachsen wäre, hat sich bislang nicht durchsetzen können, denn dazu sei es wichtig, den jungen Pflanzen genügend Wärme, Licht und Wasser zu spenden, was voraussetze, dass man den einen oder anderen großgewachsenen Baum fälle, so Thomas Speth von den Waldbesitzern. Die kleinen, teilweise verkümmerten Pflänzchen sind sehr stark von Verbiss befallen.

Förster Bergen deutet auf ein gegenüberliegendes Areal und sagt: "Dieser Waldbesitzer hat alles richtig gemacht". Vor etwa 20 Jahren, so ergänzt seine Kollegin Heike Grumann, habe der Eigentümer vorausgedacht, sein Stück Wald umzäunt, viele andere Baumarten gepflanzt, immer wieder alte Bäume entfernt und profitiere nun von einem florierenden Forst.

Mannshoch und saftig grün

Die nachgewachsenen Bäume sind mannshoch, saftig grün und der Wald dicht. Vieles sei auch natürlich nachgewachsen, erklärt Grumann. Zehn verschiedene Baumarten zählen die beiden Förster.

Auch hochgewachsene Kiefern stehen vereinzelt im Areal. Allerdings zeigen sich auch hier vertrocknete Kronen und Bäume, denen der Klimawandel zusetzt. Sterben die Kiefern in diesem Waldstück komplett ab, so wächst hier junger Wald nach. Die Förster raten in Zeiten des Klimawandels zum Mischwald.

MAX DANHAUSER

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