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Nach 260 Jahren: Aus für Erlanger Adler-Apotheke

Betriebserlaubnis erloschen - 100 Jahren im Familienbesitz - 14.08.2020 09:31 Uhr

Nach fast 260 Jahren endete am Dienstag dieser Woche die Geschichte der Adler-Apotheke in der Hauptstraße.

© Harald Hofmann


Die Erlanger Adler-Apotheke bestand seit 1762 und war damit eine der ältesten Apotheken in Erlangen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde an die Apotheke eine Kräuterkammer zur Mischung eigener Rezepturen angebaut. Bernd Nürmbergers Großvater mütterlicherseits übernahm die Apotheke 1919, seither war sie in Familienbesitz.

Bernd Nürmberger und sein Bruder wuchsen dabei praktisch in der Apotheke auf, nachdem es früher keine strenge Trennung zwischen den Geschäfts- und den Privaträumen gab.

Während es den älteren Bruder in die Juristerei zog, setzte Bernd Nürmberger die familiäre Tradition fort. Im Jahr 1959 betreute er in der Adler-Apotheke die Kräuter- und Pflanzensammlung für die selbst hergestellten Rezepturen. Ein Jahr später wechselte er zum Praktikum in eine Krankenhausapotheke nach Nürnberg.

Ab 1961 studierte Nürmberger Pharmazie wieder im heimischen Erlangen und wagte nach dem Staatsexamen den großen geographischen Sprung nach Lübeck: "Ich wollte einfach mal etwas anderes sehen", sagte er einmal dem Fachportal Apotheke Adhoc. "Lübeck ist eine wunderschöne Stadt. Ich hab mich hier sehr wohlgefühlt." Nur kurz blieb eine Episode als Pächter einer Apotheke in der Oberpfalz. Es zog ihn wieder in die Heimat und damit in die Adler-Apotheke in der Hauptstraße.


Ende einer Pegnitzer Tradition: Löwen-Apotheke schließt 


Seit 1966 bis zu seinem Tod stand Bernd Nürmberger ununterbrochen am Tresen der Adler-Apotheke, zunächst als Angestellter, dann ab 1977 nach Ausscheiden seines Stiefvaters als Pächter. Und nach dessen Tod 1985 übernahm er die Apotheke ganz. Umgebaut wurde die Traditionsapotheke nach dem Krieg nur zweimal: 1959 und 1979.

Wie Bernd Nürmbergers Sohn Christian, der ebenfalls Apotheker ist, auf Anfrage unserer Zeitung sagte, sei die Betriebserlaubnis mit dem Tod seines Vaters für die Adler-Apotheke erloschen. Es habe sich, so Christian Nürmberger weiter, "keine Möglichkeit gefunden", das Geschäft weiterzubetreiben.

Mit dem Ende der Adler-Apotheke erhalten auch die Mitarbeiterinnen, darunter eine Vollzeitkraft sowie mehrere Teilzeitkräfte, die Kündigung. Christian Nürmberger hat aber keine Sorge, dass diese in die Arbeitslosigkeit abgleiten. "Es herrscht ein absoluter Mangel an Apothekenfachkräften, auch in Erlangen."

Noch unklar ist die weitere Nutzung des zweigeschossigen Gebäudes mit dem markanten roten Adler an der Frontseite. Laut Denkmalschutzliste der Stadt Erlangen stammt das Haus aus dem Jahr 1697.

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