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Premiere von "Die lauteste Kneipe" im E-Werk

Am Wochenende treffen sich zwölf Kneipenchöre in Erlangen - 12.09.2019 18:00 Uhr

Der Erlanger Kneipenchor bei einem Auftritt im Rahmen des Unter-einem-Dach-Festivals im E-Werk. © Stefan Mößler-Rademacher


"Wo man singt, da lasse dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder". So dichtete einst Johann Gottfried Seume. Wohingegen der große Dichterfürst aus Weimar noch etwas tiefer in den Zecherbecher blickte: "Uns ist ganz kannibalisch wohl, als wie fünfhundert Säuen", stöhnen die Prasser in Auerbachs Keller. Ist das unterste Schublade? Nein, das ist höchste Klassik, nämlich "Faust".

Nun also steht ein Sängerwettstreit ganz besonderer Art an: "Die lauteste Kneipe". Das bundesweit erste Kneipenchortreffen mit zwölf Chören findet an diesem Wochenende ausgerechnet im beschaulichen Erlangen statt. Genauer, am Freitagabend im E-Werk, sowie am Samstagnachmittag auf den Straßen.

Den Erlanger Kneipenchor haben sicher schon viele durstige Menschen mitbekommen, die ihren Brand in größeren Wirtshäusern wie dem Pleitegeier oder dem Kaiser Wilhelm zu löschen trachteten. Denn diese Kneipen sind noch imstande, den bis zu 80 Mann und Frau starken Chor zu fassen. Der eigentliche Heimathafen zum Proben indes bleibt das E-Werk.

Organisiert wird der Kneipenchor von einem Triummatronat, nämlich von drei Frauen: Meike Winter und Vivian Bärthlein kümmern sich um die Organisation, Chorleiterin Sandra Schwarz um die Klanglust.

Doch Erlangen ist nicht die einzige Stadt mit einem Kneipenchor: "Ich hatte dieses Phänomen bereits vor vier Jahren während meines Studiums in Dresden kennen gelernt", erzählt Meike Winter. Weshalb sie 2016 zusammen mit Vivian Bärthlein den Erlanger Kneipenchor ins Leben rief. Tatsächlich hat sich dieses soziale Phänomen während der letzten fünf Jahre in ganz Deutschland ausgebreitet. Vielleicht als eine trotzige Reaktion auf das Kneipensterben und die soziale Vereinsamung vor dem Fernseher?

"Männersache" trifft "Mädelsabend"

Wie auch immer, Winter und Bärthlein schrieben rund dreißig Chöre an. "Wir dachten, zwei oder drei würden sich wohl melden, aber dann haben gleich elf Chöre zugesagt", staunt Meike Winter. "Das sind etwa 480 Mann, eine Riesenüberraschung! Und es wären bestimmt noch mehr gekommen, wenn nicht gerade noch einige Sänger im Urlaub wären."

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Aus München und Würzburg, Dresden und Köln, aus Erfurt, Jena und Potsdam kommen die durstigen Goldkehlen angereist. Den kürzesten Weg haben "Mädelsabend" und "Männersache" aus Bamberg, den weitesten der "Kneipenchor Lübeck". Kuriose Namen sind rar, die meisten Kneipenchöre nennen sich ganz prosaisch nach ihrer Stadt. Den mit Abstand witzigsten Namen trägt der "Bud Spenzer Heart Chor" aus München.

Und was singen die nun eigentlich? "Wir bringen alles Mögliche von Oldies und Klassikern bis zu aktuellen Songs, von den Beatles bis Justin Timberlake", umreißt Meike Winter das Erlanger Repertoire. Ein ganz besonderes Juwel: "Du hast den Farbfilm vergessen" von Nina Hagen. "Der Bud Spenzer Heart Chor singt nur Lieder aus Bud-Spencer-Filmen, und was die anderen Chöre bringen, da lassen wir uns überraschen."


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Das Festival beginnt am Freitag um 19 Uhr im E-Werk. Jeder Chor hat 25 Minuten, um mit fünf bis sechs Liedern zu glänzen. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl findet das Festival auf zwei Bühnen statt, nämlich im Großen Saal und in der Kellerbühne. Immer leicht zeitlich versetzt, so dass die Zuhörer zwischen den Räumen hin und her pendeln können. Allerdings ist das Festival kein offizieller Wettkampf mit Jury und Preisverleihung, stellt Meike Winter klar. "Im Grunde handelt es sich bei der ,Lautesten Kneipe‘ um ein bundesweites Kennenlernen und Austauschen von Erfahrungen."

Muss so ein Kneipenchor eigentlich nüchtern auftreten oder heben ein paar Promille die Durchschlagskraft? "Also wir gönnen uns vor jedem Auftritt einen Haselnuss-Schnaps", verrät Meike Winter. "Ich denke, jeder Kneipenchor praktiziert da sein eigenes Ritual." 

REINHARD KALB

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