Samstag, 21.09.2019

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Raphael Kandra ist Europameister und glücklicher Papa

Der Eckentaler Raphael Kandra hat bei der Squash-EM Gold geholt - 12.09.2019 11:00 Uhr

Lernte in Erlangen das Squash-Spielen: Raphael Kandras Eltern leben immer noch in Eckental, der Sohn hat mittlerweile eine eigene Familie gegründet und wohnt in Paderborn. Bei der EM in Bukarest setzte sich der Profi nun in einem langen Finale durch.


"Es gibt einem so viel Energie. Unsere Tochter lacht viel, auch wenn sie sich sonst noch nicht so verständigen kann", sagt Raphael Kandra. Seit vier Monaten ist der 28-Jährige Vater. Mit seiner Frau Sina wohnt er in Paderborn, die Großeltern leben in Eckental. Hier hat alles angefangen, Kandra trainierte lange im Sportland in Erlangen. Dem allerdings ist er mittlerweile entwachsen.

Raphael Kandra zählt zu den besten 30 Squash-Spielern der Welt. Am Wochenende gewann er Gold bei den Einzel-Europameisterschaften in Bukarest. Kein Deutscher hat das vor ihm geschafft, auch für den Deutschen Meister von 2018 war es der größte Erfolg. Lange ausruhen aber konnte sich Kandra danach nicht. Der Profi-Sportler flog am Sonntag schon wieder von Rumänien nach Frankreich. Dort ging es um Weltranglisten-Punkte. Die einzige Währung, die in der Squash-Welt wirklich zählt.

Bei der EM waren nicht alle Top-Spieler dabei, weil es eben keine Weltranglisten-Punkte zu gewinnen gab. Auch die acht europäischen Spieler, die in der Rangliste derzeit vor dem Eckentaler platziert sind, sagten die EM ab, darunter Simon Rösler, der andere deutsche Super-Spieler, aktuell die Nummer fünf der Welt. "Das war schon immer so", sagt Kandra. "Manche wollen es nicht riskieren, die Saison ist sowieso lang genug." Von einigen Verbänden gibt es zudem kaum Geld für europäische Erfolge, die meisten der Deutschen erhalten beispielsweise gar keine finanzielle Unterstützung.

Raphael Kandra hat sich dennoch für eine Teilnahme entschieden. "Als Deutscher Meister wurde ich als Erstes gefragt, ob ich spielen will." Hinzu kommt, dass der Squashspieler Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist. Hier ist es auch wichtig, Medaillen zu holen. Die Europameisterschaft wird so zur "Pflichtaufgabe". Für Kandra war es die vierte EM, zuvor war immer im Halbfinale Schluss. "Jetzt das Finale und der Sieg waren schon etwas Großes für mich."

Im Finale gibt es einen Kampf über 80 Minuten

Endspielgegner Borja Golan hatte schon 2016 und 2018 die EM gewonnen. 80 Minuten lang rang Kandra diesmal mit dem 36-Jährigen. "Ich bin 2:0 in Führung gegangen, habe gut losgelegt. Dann habe ich zu passiv gespielt." Der Spanier brachte den Deutschen aus dem Konzept und glich nach Sätzen zum 2:2 aus. "Im fünften Satz lag er schon mit 6:2 vorne, dann habe ich mir gedacht, dass ich noch einmal alles geben muss", sagt Kandra. Er erhöhte das Spieltempo. Das führte zum 12:10-Sieg.

"Wir trainieren viel, beim Squash müssen wir über lange Zeit die Schnelligkeit halten können", sagt der Profi. "Ausdauer ist elementar wichtig, dazu Auge-Hand-Koordination und Reaktion, auch im fünften Satz." Vor allem mental war Kandra nach seinem Finalsieg müde. "Man ist Europameister geworden, kurz darauf geht es schon wieder um die erste Runde eines Weltranglistenturniers." Der Siegeswille war nicht gleichermaßen stark.

Im Kampf um Weltranglisten-Punkte musste Kandra in Nantes eine Niederlage einstecken. "Der Körper ist müde, ich brauche eine Pause." Am Dienstag geht es mit dem Paderborner Squash Club zur Team-Europameisterschaft. Die Saison hat erst begonnen. Der Eckentaler will wieder in die Top 15 der Welt kommen, seine beste Platzierung dort war Rang 13. Auch eine Einzel-Weltmeisterschaft steht an, zudem die Mannschafts-WM Ende des Jahres. "Die Aussichten dafür sind gut, das Halbfinale wäre riesig."

"Ich vermisse sie": Töchterchen Milenne wartet schon 

Gerade aber kann Raphael Kandra noch zu Hause entspannen. Töchterchen Milenne wartet schon. "Ich vermisse sie." So schlimm, dass er gar nicht mehr weg will, aber sei es noch nicht. "Das Leben hat sich durch sie zum Positiven verändert. Sie ist ein Ruhepol." Das genießt der junge Vater. "Man weiß trotzdem, der Beruf ist nach wie vor Reisen und Weltranglistenturniere spielen."

Seine Frau war selbst eine erfolgreiche Squash-Spielerin, sie kann ihren Mann also verstehen. "Der EM-Titel war eine Bestätigung, dass ich voll im Saft stehe", sagt er. Ist er zu Hause, will Kandra allerdings keine Ablenkungen, "es ist schön ohne Handy und Fernsehen". Schön, einfach nur Papa zu sein. 

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