Mittwoch, 11.12.2019

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Siemens-Theatergruppe spielt Pierre und Marie Curie

Leihgaben aus dem Industrie- und Küchenmuseum sind auf der Bühne zu sehen - 24.10.2019 13:00 Uhr

Szene aus den Boulevardtheater-Stück „Die Lorbeeren des Monsieur Schutz“ © Foto: Harald Hofmann


Was sind die idealen Rahmenbedingungen für Forschung und Erfindung? Eine gute Ausstattung, viel Geld, viel Zeit, Disziplin und der Wagemut, neue Pfade zu beschreiten. An all dem mangelt es beim Rektor der Pariser Akademie der Wissenschaften Rodolphe Schutz gewaltig. Die Geräte sind nicht unbedingt auf dem neuesten Stand, ums liebe Geld wird gefeilscht, dafür sollen die Angestellten Ergebnisse liefern, am besten gleich gestern, auf dass Monsieur Schutz die Lorbeeren seiner Untergebenen einheimse.

Die Untergebenen? Das sind Pierre Curie (Torsten Vetter) und seine Kollegin und baldige Gemahlin Maria Sklodowska alias Marie Curie (Rieke Arndt), die, aus Polen stammend, als Frau dort keine Zulassung zur Forschung erhält und in Frankreich ihr Glück versucht. Die Rahmenbedingungen? Winterkälte und keine Kohle zum Heizen. Dafür Wodka aus eigener Destille und schmorendes Gulasch auf kleiner Flamme. Das Ergebnis? Die Entdeckung der radioaktiven Strahlung und des Radiums.

Da zuckt der deutsche Theatergänger mit schlechtem Umweltschutzgewissen zusammen. Schließlich gelten die Curies als diejenigen, die 1897/98 die Büchse der atomaren Pandora öffneten. Indes sind "Die Lorbeeren des Monsieur Schutz" von Jean Noel Fenwick ein französisches Stück gehobenen Boulevardtheaters. Und da die Franzosen ein eher entspanntes Verhältnis zur Kernkraft pflegen, geht es nirgends um die ungeahnten Folgen dieser Entdeckung, sondern um den steinigen und leicht burlesken Weg dahin. So gesehen, ein ideales Stück für die Theatergruppe Siemens Erlangen.

In der Tat macht sich schon optisch eine gewisse Komik breit, wenn die Hauptdarsteller auf der Bühne des Vortragssaales im Himbeerpalast mit Leihgaben aus dem Industrie- und Küchenmuseum hantieren. Natürlich vertritt Pierre Curie eine Ethik, die ihn dem Publikum sehr sympathisch macht. Nämlich das Ethos, die Entdeckungen der Wissenschaft allen Menschen zugänglich zu machen. Damit steht er im Gegensatz zu seinem Kollegen Gustave Bémont (Christian Meier), der sich jede Erfindung patentieren lässt und daran eine goldene Nase verdient.

Eine Nase, die er in Schnapsgläser und Damenwäsche steckt

Eine Nase, die er hauptsächlich in Schnapsgläser und Damenwäsche steckt. Auch in die Wäsche von Madame Georgette (Cinthia Halitim), die stellvertretend fürs Publikum als Stimme aus dem Volk fragt, was die Wissenschaftler da treiben, und in einfachen Worten erklärt bekommt, was es mit der Strahlung des Urans auf sich hat.

Der titelgebende Monsieur Schutz (Josef Ächter) schließlich ist der archetypische Chef schlechthin: nach Belieben arrogant und leutselig, nach oben buckelnd, nach unten tretend, mal couragiert, mal feige, sorgt er für den passenden Druck, ohne den nichts vorangehen würde. Nur einmal fällt er aus der Rolle, wenn ihm die Endlichkeit seiner Existenz bewusst wird. In seiner Tragikomik ist dies auch der einzige ernste Moment in einer Komödie, die das Forschen mehr oder weniger als Selbstzweck betrachtet und sich gar nicht bewusst ist, über welchem Abgrund sie da eigentlich balanciert. Just diesen Abgrund hätte die Regie (Sabine Schmidt und Wiebke Witsch) durchaus noch andeuten können.

Weitere Aufführungen vom 24. bis 26. Oktober, jeweils 19.30 Uhr und Sonntag, 27. Oktober, um 14 Uhr im Himbeerpalast.

REINHARD KALB

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