So lief der virtuelle letzte Bergkirchweih-Tag

1.6.2021, 17:55 Uhr
Nach virtuellem Anstich folgte diesmal das virtuelle Fassbegräbnis.

Nach virtuellem Anstich folgte diesmal das virtuelle Fassbegräbnis.

Die ersten Nachrichten, die bekam Steffi List bereits auf Facebook, da war das Fass noch gar nicht beerdigt. "Wow", hatten der Sängerin die ersten Freunde und Bekannte da geschrieben, "endlich wieder etwas, aus dem ich ganz viel Energie ziehen kann." Diese Energie, entstanden aus der ganz speziellen Bergkirchweih-Atmosphäre, die Wulli&Sonja mit ihrem Marketer Ulf Thaler und den 14 weiteren Künstlern im Hof des Erlanger Stadtmuseums ein zweites Mal schon auf die Bühne bringen wollten, sie hatte es also tatsächlich über das Internet bis in die Wohnzimmer geschafft.

6000 Zuschauer

Rund 6000 Menschen waren es laut Thaler gewesen, mit seinem Unternehmen "KauriSpirit" für die technische Umsetzung verantwortlich, die am Montagabend online zugesehen hatten. Es wäre ohne Pandemie der letzte Tag der Bergkirchweih 2021 gewesen. Damit waren es mehr Zuschauer als elf Tage zuvor, als Oberbürgermeister Florian Jannik den ersten virtuellen Bieranstich der Bergkirchweih-Geschichte an gleicher Stelle vorgenommen hatte.

Diesmal war sein Vertreter, Bürgermeister Jörg Volleth, gekommen, um sich zu bedanken, "dass Sie alle ein Stück Berg in die Wohnzimmer, in die Herzen der Menschen gestreamt haben". Dann übernahm Volleth mit Freude, die man ihm ansah, die andere große Kirchweih-Ehre: Das letzte Fass leeres Festbier zu begraben.

"Mit Gottes Segen"

Weil das traditionell oben auf dem Burgberg stattfindet, hob er mit Steinbach-Chef Christoph Gewalt das Fass auf einen Leiterwagen und zog es symbolisch aus dem Museumshof – sogar Pfarrer Wolfgang Leyk der nahen Neustädter Gemeinde packte mit an und bat dabei "um Gottes Segen", auf dass es nächstes Jahr ein Ende haben kann mit einer virtuellen und zurückkehren kann zu einer echten Bergkirchweih.

Es war der Moment, an dem Steffi List mit all den anderen noch einmal auf die Bühne ging, um den Klassiker "Lili Marleen" anzustimmen. Und es war der Moment, in dem sie zum zweiten Mal, wie sie verriet, Gänsehaut bekam. Das erste Mal, das war noch ganz am Anfang gewesen. Als ein Techniker die zweite Live-Übertragung von "Der Berg ruht – wir nicht" ins Internet eingezählt hatte und Wulli und Sonja, wie schon bei Teil eins des "Kunst-Bergs", ihre eigens komponierte Berg-ruht-Ballade in einen noch einmal herrlichen Erlanger Frühlingsabend gaben. Auch der Himmel, darf man interpretieren, hatte also seine Freude an dieser kleinen Bergkirchweih.

Die Musikfamilie der Bergkirchweih

Außer "Overdrive" spielten die Moskitos, spielte Chiefoke und spielten sie alle gemeinsam – mal einzeln, mal durcheinander, irgendwie immer miteinander, diese Musikfamilie der Bergkirchweih. "Es war ein ganz besonderes Wiedersehen", fand Steffi List. So lange hatten sie nicht mehr live performed, so lange hatten sich nicht gesehen – der Berg, er fiel nach 2020 bereits zum zweiten Mal der Pandemie zum Opfer.

Für "Overdrive", für die Steffi List singt, waren es als reine Bergkirchweihband gar zwei lange Jahre. Die drei Musiker aus Schweinfurt und Würzburg sowie die zwei weiteren, die irgendwo zwischen Bamberg und Fürth wohnen, treffen sich ja nur einmal im Jahr, um auf dem Erlanger Berg zu spielen. Dort dann regelmäßig im Herz der Kirchweih-Feierei, im "Kessel" des Entlas Kellers.

Kameralinsen statt feiernde Bergbesucher

"Normalerweise merkst du da schnell: Läuft’s? Spielen wir die richtigen Songs?" Nun aber, sagt Steffi List, sangen alle Künstler ja in Kameralinsen. Die Fans, die standen ja nicht feiernd im Kessel unter den Kastanien und unter den leuchtenden Lampions, es drehte sich ja kein Riesenrad im Hintergrund und kein Ochse am Spieß. Nein, die Menschen, sie saßen ja pandemiebedingt allesamt zu Hause auf ihren Sofas.

Doch es kam trotzdem an: nicht nur die Töne, nicht nur das Glück aus den Gesichtern der Künstlern, all der Spaß, der sie alle irgendwie angesteckt hatte. Nein, auch das, was sie sich so sehr gewünscht hatten: Ein bisschen nur dieser besonderen Bergkirchweih-Atmosphäre. Und um das zu sehen, brauchte es auch eigentlich gar keine Nachrichten auf dem Smarphone mehr.

Beide Streams sind weiterhin anzusehen auf www.derbergruht.de

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