Mittwoch, 19.05.2021

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Stadt Erlangen stimmt für Ortsumfahrung Niederndorf - Neuses

Verwaltung führt jedoch massive Einwände aus Klima- und Naturschutzsicht auf - 23.04.2021 10:30 Uhr

Massive Einwände gegen die geplante Umgehungsstraße gibt es bei Naturschützern – im Bild eine Trassenbegehung der Bürgerinitiative „Herzo Süd bewahren“.

22.04.2021 © Matthias Kronau


Die Klimakrise und ihre Folgen treiben die Menschen weltweit um, soeben wurde das erste europäische Klimagesetz beschlossen. Doch ist es in Zeiten, in denen man sich auf die Notwendigkeit von Klimaschutz besinnt, noch zeitgemäß, große Umgehungsstraßen zu bauen? Noch dazu, wenn sie durch ein Landschaftsschutzgebiet wie das Aurachtal führen?

Nicht zuletzt darum ging es im jüngsten Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss (UVPA) des Erlanger Stadtrats. Dort stand das von der Stadt Herzogenaurach beantragte Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Ortsumfahrung Niederndorf–Neuses auf der Tagesordnung. Sowohl Niederndorf als auch Neuses sollen vom hohen Verkehrsaufkommen entlastet werden.

Grünen-Antrag abgelehnt

Da der östliche Teil dieser Südumgehung, deren Planung von CSU und SPD in Herzogenaurach vor einigen Jahren beschlossen wurde, bei Neuses über Erlanger Gebiet führen würde, gibt auch die Stadt Erlangen eine Stellungnahme ab. Der Beschluss dazu fiel nun im UVPA.

Mehrheitlich folgten die Stadträte dem in der Verwaltungsvorlage formulierten Antrag, der Planung insgesamt zuzustimmen, unter der Voraussetzung, dass noch einige Punkte überarbeitet werden. Den weiteren Ausführungen der Verwaltung ist auf mehreren Seiten aber durchaus zu entnehmen, dass massive grundsätzliche Bedenken gegen das Straßenbau-Vorhaben vorliegen. Der Antrag der Grünen Liste, eine ablehnende Stellungnahme einzureichen, wurde abgelehnt.

Entscheidung gegen Klimaschutz-Einwände

Die Stadt Erlangen also, die mutig als erste Stadt in Bayern den Klimanotstand ausgerufen und sich auf den Weg zur Klimaneutralität gemacht hat, ist nun mit Blick auf ein Projekt des "Nachbarn" Herzogenaurach sehr zurückhaltend bei Klimaschutz-Aspekten. So hat der Naturschutzbeirat der Stadt Erlangen bereits am 8. März die Empfehlung ausgesprochen, das Vorhaben abzulehnen. Durch die geplanten Bauwerke würden umfangreiche Flächen versiegelt und die wertvolle Talaue in einem ökologisch sehr sensiblen Bereich stark beeinträchtigt. Man halte den Bau für nicht vertretbar.

Im Bericht der Verwaltung ist auch ein Verweis auf die Klimaanpassungskarte der Stadt Erlangen aufgeführt. Die Ortsumfahrung würde die Frisch- und Kaltluftversorgung von Frauenaurach beeinträchtigen, heißt es da. Der geplante Neubau fördere den motorisierten Verkehr, im Sinne der Klimaschutzziele sei aber angeraten, die Anteile von Fußverkehr, Radverkehr und ÖPNV zu erhöhen und Fahrten mit dem Auto zu reduzieren.

LBV gegen das Bauvorhaben

Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Bund Naturschutz haben inzwischen ebenfalls ihre Stellungnahmen eingereicht. Sie lehnen den Bau ab. Bianca Fuchs vom Landesbund für Vogelschutz, sprach sich als Erlanger Umweltbeirätin im UVPA gegen das Bauvorhaben aus. In dem Gebiet, das die Trasse einmal durchqueren soll, gibt es sehr seltene Vogelarten wie Braunkehlchen, Bekassine und Mittelspecht.

Ein gemeinsamer Antrag von FDP, Freier Wählergemeinschaft und Erlanger Linke, die Stellungnahme der Stadt um einen Punkt zu ergänzen, fiel im UVPA durch. Darin heißt es, dass durch die Südumgehung Unterbrechungen der stillgelegten Aurachtalbahn drohen. Es müsse aber gewährleistet werden, dass im Bedarfsfall der Betrieb hergestellt werden könne.

EVA KETTLER

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