Digitalisierung

Stadt Erlangen will mehr digitale Bürgerdienste anbieten

17.7.2021, 06:00 Uhr
ARCHIV - 28.06.2017, Nordrhein-Westfalen, Warendorf: Ein Mitarbeiter einer Erdbaufirma bündelt Glasfaser-Leerrohre. (Zu dpa «Studie: Glasfaserausbau für Bayerns Haushalte kostet Milliarden» vom 09.03.2018) Foto: Guido Kirchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

ARCHIV - 28.06.2017, Nordrhein-Westfalen, Warendorf: Ein Mitarbeiter einer Erdbaufirma bündelt Glasfaser-Leerrohre. (Zu dpa «Studie: Glasfaserausbau für Bayerns Haushalte kostet Milliarden» vom 09.03.2018) Foto: Guido Kirchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit © Guido Kirchner, NN

Anfangs, da ging es noch darum, Schreibmaschinen durch PCs zu ersetzen und Mitarbeiter in Textverarbeitungssoftware zu schulen. Tränen seien da schon einmal geflossen, sagt Andreas Götz, wenn er in internen Schulungen die Tür zu dieser ganz neuen Welt des Arbeitens einen Spalt geöffnet hatte. „Langjährige Kollegen waren schon mal verängstigt, dass sie das alles überfordern könnte.“ Also nahm das vierköpfige „eGovernment“-Team anfangs der 90er Jahre mit Sensibilität alle an die Hand auf die ersten Schritte in die neue Welt.

Amt umbenannt

Mittlerweile ist das Amt für Digitalisierung und Informationstechnik, wie es nun heißt, 24 Köpfe groß geworden. Aus der feinfühligen Pionier-Arbeit ist eine laufende Maschinerie geworden, ohne die die Arbeit im Rathaus längst nicht so effizient, schnell und reibungslos funktionieren würde. Den meisten Mitarbeitern ist das mittlerweile gar nicht mehr bewusst, wenn sie täglich den PC einschalten - höchstens dann, wenn wie kürzlich ein Update schiefläuft und das Bürgeramt einen Tag nicht erreichbar ist. „Die Innovationen in diesem Gebiet schreiten ja so schnell voran, dass man nicht einmal fünf Jahre in die Zukunft schauen kann“, sagt Andreas Götz, der Amtsleiter.

Aus dem Rechtsamt zur IT-Abteilung

Der gelernte Verwaltungsangestellte begann einst selbst im Rechtsamt bei der Stadt, wechselte dann - vor allem aus hohem persönlichen Interesse für neue Medien - in die neu geschaffene Abteilung. Auch wenn viele Teammitglieder den Begriff Digitalisierung unterschiedlich definieren, ziehen doch alle an einem Strang: Die Zusammenarbeit zwischen und in den Ämtern soll effizienter, schneller und einfacher werden, gleichzeitig auch die Dienstleistungen für die Bürger vom Besuch im Rathaus hin zu wenigen Mausklicks entwickelt werden. Auch wenn es immer mehr Menschen werden, die ihren Führerschein, ihre Hochzeit oder die Müllgebühren digital beauftragen und auch bezahlen - manche kommen weiterhin lieber persönlich aufs Amt. Nicht selten aus Angst vor den Gefahren, die auch im Internet lauern.

Arbeit mit "hochsensiblen Daten"

„Wir arbeiten mit hochsensiblen Daten“, sagt Andreas Götz. Die Sicherheit ist daher mit der wichtigste Punkt in jedem Teilbereich seines Amts. „Wir investieren sehr viel in Sicherheitssysteme und tun alles uns mögliche, um sichere Wege und sichere Aufbewahrungsorte für unsere Daten zu schaffen.“ Trotzdem aber ist auch in der digitalen Welt niemand vor Verbrechern sicher - aber genau weil ein von Hackern gekapertes Stadtverwaltungssystem zu einem der größten Alpträume der Abteilung gehört, tut die Stadtverwaltung hier alles, um die sensiblen Daten bestmöglich zu schützen.

Stadtbibliothek prescht nach vorn

Die Frage nach der Sicherheit beschäftigt Götz und sein Team regelmäßig und bei jedem Handlungsschritt. War die Stadtbibliothek Anfang der 90er eine der ersten, die sich um digitale Möglichkeiten zur Verlängerung von ausgeliehenen Büchern bemühte, wird jedes Amt der Stadtverwaltung heute mindestens einmal im Jahr nach individuellen Bedürfnissen befragt. Mal geht es nur um die Anschaffung von Fachsoftware, mal um mobile Endgeräte, um etwa vor Ort Straßenschäden zu dokumentieren und auf digitalen Karten zu vermerken. „Nicht alle Wünsche können wir erfüllen“, sagt Andreas Götz, „manchmal sind uns die Wege nicht sicher genug.“

Riesiges Aufgabenfeld

Das Bearbeitungsfeld der Abteilung ist riesig geworden, ein Teilbereich kümmert sich beispielsweise einzig um digitale Geodaten - die Feuerwehr berechnet hier optimale Rettungsanfahrten, Leitungen und Rohre sind auf Stadtplänen hinterlegt, Bürger können nicht zuletzt interaktiv etwa mögliche Stellplätze für Fahrradbügel online markieren.
Das Streben nach immer mehr Digitalisierung sorgt dafür, dass die Aufgaben noch vielfältiger werden. Alle Dienstleistungen werden daher mittlerweile von den digitalen Möglichkeiten konzipiert. Hier kamen in der Pandemie digitale Akten den Mitarbeitern zugute. Nur so konnte aus dem Homeoffice papierfrei auf viele Daten zugegriffen und Vorgänge einfach weiterbearbeitet werden.
Auch das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen verpflichtet Bund, Länder und Kommunen, bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen digital anzubieten.

6000 Einzelleistungen machen Druck

Konkret handelt es sich hier um über 6000 Einzelleistungen - ein Mammutprojekt für die Stadt.
Um das realisieren zu können, hat das Amt für Digitalisierung und Informationstechnik kürzlich ein Digitalisierungskonzept für die Stadtverwaltung ausgearbeitet. Hier sollen Schwerpunkte wie die IT-Infrastruktur (z.B. WLAN in der Stadt, Glasfasernetz an Schulen), Digitale Prozesse, Informationssicherheit oder die Nutzung zentraler Basistechnologien (wie etwa elektronische Bezahlsysteme) weiterentwickelt werden. Irgendwann soll es so möglich werden, alle Behördengänge von unterwegs aus durchzuführen.

„Die Digitalisierung ist spannend, hilfreich und eine Herausforderung“, sagt Andreas Götz. Manchmal aber, da reicht es selbst dem Amtsleiter. Auf dem Weg zur Arbeit etwa, nimmt er sich in der Bahn regelmäßig ein gedrucktes Buch zum Lesen. „Dann“, sagt Götz, „bleibt das Handy auch mal in der Tasche.“

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