Staufalle: Autoverkehr auf der A73 bei Erlangen läuft deutlich geschmeidiger

26.2.2021, 11:34 Uhr

© Foto: Autobahn GmbH des Bundes

Der Verkehr hatte sich auf der A 73 nach der Deutschen Einheit noch einmal deutlich stärker als ohnehin gesteigert, stellt die Trasse doch die zentrale Verbindung zwischen der Metropolregion Nürnberg und Thüringen dar. Hinzukommen auch im Raum Erlangen die zahlreichen Berufspendler, welche die Autobahn für den Weg zur und von der Arbeit nach Hause nutzen.

Pilotversuch zwischen Baiersdorf-Nord und Erlangen-Nord

Deshalb entschied sich der Bund 2008 für einen Pilotversuch und richtete zunächst zwischen Baiersdorf-Nord und Erlangen-Nord eine automatische Störfallerkennung ein, damit die Standstreifen freigegeben werden können, ohne Unfälle wegen stehengebliebener Autos zu riskieren. Aufgrund der positiven Erfahrungen erweiterte die Autobahndirektion anschließend in mehreren Schritten für diese Regelung die Strecke, die nun von Erlangen bis nach Forchheim reicht.

Engmaschig gesetzte Radarsensoren oder Induktionsschleifen ermitteln minütlich die Zahl, die Art und die Durchschnittsgeschwindigkeit der Fahrzeuge auf dem ausgewählten Abschnitt der Autobahn und geben die Werte an die Datenverarbeitung weiter. Ergibt sich, dass die Verkehrsdichte für zwei Fahrstreifen zu hoch ist, überprüft der sogenannte Verkehrsoperator über die an der Strecke montierten Kameras, ob sich auf dem jeweiligen Seitenstreifen ein Pannenfahrzeug oder verlorene Ladung befindet.

Videosystem gibt Alarm, sobald ein Fahrzeug anhält

Sind auf der Standspur keinerlei Hindernisse zu erkennen, schaltet er den Seitenstreifen für den Verkehr frei, was dann auf den Schilderbrücken entsprechend angezeigt wird. Ab diesem Zeitpunkt überwacht das Videosystem den Fahrstreifen und gibt Alarm, sobald ein Fahrzeug auf dem Seitenstreifen anhält. In diesem Fall wird die Spur sofort gesperrt und die Polizei informiert, damit möglichst rasch eine Räumung erfolgt.

Auf der A 73 ballt sich der Verkehr vor allem am Morgen in Richtung Nürnberg und am Nachmittag in Richtung Forchheim und Bamberg. Grundsätzlich richtet sich die Freigabe der Seitenstreifen nach den registrierten Werten, wird in der Regel jedoch werktags auf der Strecke nach Nürnberg zwischen 6 und 9 Uhr sowie von Erlangen nach Forchheim zwischen 15 und 19 Uhr (freitags hier bereits ab etwa 12 Uhr) vorgenommen.

Weniger Unfälle als Resultat

Ebenfalls sehr bewährt hat sich die dynamische Geschwindigkeitsregelung, die über die Anzeigetafeln, welche die Fahrbahnen überspannen, gesteuert wird. "Beide Maßnahmen bewirken, dass der Verkehr wesentlich gleichmäßiger fließt und weniger Unfälle zu verzeichnen sind", hebt Maria Schraml, die Pressesprecherin der Autobahndirektion, hervor. 

Ganz billig ist das Konzept allerdings nicht: Zirka 19 Millionen Euro investierte der Bund in das Projekt. Auch wenn man noch die laufenden Kosten für die Betreuung und die Wartung hinzurechnet, sei der volkswirtschaftliche Nutzen um ein Vielfaches höher, betont Maria Schraml. Zum einen würden die Autofahrer durch die Verringerung der Staus und eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem Abschnitt jeden Tag erheblich mehr Zeit gewinnen, zum anderen sei die Zahl der Auffahrunfälle trotz einer Reihe von Baustellen in den zurückliegenden Jahren deutlich zurückgegangen.

Zwei Varianten für eine Einhausung

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hob bei der Einführung der temporären Freigabe der Standspuren zwischen Baiersdorf-Nord und Möhrendorf hervor, dass dies nur eine Zwischenlösung bis zum sechsspurigen Ausbau der A 73 sein könne. Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der ungefähr 16 Kilometer lange Bereich vom Autobahnkreuz Fürth/Erlangen bis zur Anschlussstelle Forchheim-Süd hierfür weiterhin ohne Priorisierung eingestuft.

Nach einer Verkehrsuntersuchung durch die Autobahndirektion Nordbayern und einer Machbarkeitsstudie der Stadt Erlangen hinsichtlich Einhausungen auf Teilen der Autobahn liegen zwei ausgearbeitete Varianten mit dem Hinweis auf den einst in dieser Höhe nicht zu erwartenden Bedarf und das hohe Verkehrsaufkommen derzeit zur Überprüfung beim Bundesverkehrsministerium. Maria Schraml: "Die Entscheidung steht noch aus."

4 Kommentare