Allianz pro StUB

StUB: Das Ziel vor Augen

15.6.2021, 18:30 Uhr
Der Entwurf zeigt die Haltestellengestaltung der Stadt-Umland-Bahn am Rudeltplatz in Büchenbach.

 

Der Entwurf zeigt die Haltestellengestaltung der Stadt-Umland-Bahn am Rudeltplatz in Büchenbach.   © Zweckverband Stadt-Umland-Bahn

Die Stadt-Umland-Bahn hat schon immer polarisiert. Gegenwind gab und gibt es unter anderem aus der Bevölkerung - daran hat auch der Bürgerentscheid von 2016 nichts geändert, der damals klar zugunsten der StUB ausging. Doch während vor sechs Jahren die Gegner des Nahverkehrsprojekts vor allem die Kosten in den Fokus rückten, sorgt jetzt vor allem die geplante Querung des Wiesengrunds mit der sogenannten Wöhrmühlbrücke für massiven Gegenwind. Hier will die "Allianz pro StUB", Zusammenschluss von Umweltverbänden, Initiativen, Parteien, Organisationen und Interessenvertretungen, ein Gegengewicht bilden.

In der "Allianz" finden sich viele bekannte Gesichter. Neben der ehemaligen Grünen-Stadträtin Bianca Fuchs vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) und dem DGB-Kreisvorsitzenden Wolfgang Nicals auch Ester Schuck. Fast 30 Jahre kämpft sie für eine Mobilitätsalternative in Stadt und Landkreis. Unterkriegen hat sich Schuck dabei nie lassen. Und sie kommt schnell auf den Punkt: Es sei zwar richtig, sagt sie, dass entlang der beiden anderen Brücken-Varianten (Dechsendorfer und Büchenbacher Damm) zwar mehr Bürgerinnen und Bürger wohnen, die Wöhrmühlbrücke schaffe es aber, die meisten Fahrgäste in den ÖPNV zu bringen. Deswegen sei sie "die bessere Alternative". Schuck weiter: "Eine perfekte Trasse kann es für eine bereits gebaute Stadt leider nicht geben."

Gegründet hat sich die "Allianz pro StUB" im Rahmen des Bürgerbegehrens, das 2015 eine Stadt-Umland-Bahn verhindern wollte. Das Ziel: "Die Bürger darüber zu informieren, welche Chancen ein solches Projekt für die Stadt Erlangen und das Umland bietet", erinnert sich Ester Schuck. Nach dem Bürgerentscheid wurde es ruhiger um die "Allianz", weil, wie Schuck weiter sagt, "keine Notwendigkeit mehr bestand, besonders aktiv zu werden". Jetzt, wo sich Widerstand gegen das Nahverkehrsprojekt regt, sähe das aber anders aus. "Es ist an der Zeit, sich wieder aktiver in die Diskussion einzubringen." Wichtig sei es darüber hinaus den Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, wer alles hinter der StUB steht. "Das sind nicht nur Parteien, sondern eben auch rund 20 Gruppen, Vereine, aber auch Firmen. Die Tendenz ist steigend."

"Wir wollen die Entwicklung kritisch begleiten, damit etwas Gutes für die Region dabei herauskommt", sagt Schuck weiter. Natürlich habe es dabei unterschiedliche Meinungen zur Trassenführung gegeben. Die Festlegung auf die Wöhrmühlbrücke werde aber mittlerweile von allen Beteiligten an der "Allianz" mitgetragen. Das bestätigt auch Rainer Hartmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Erlangen des BUND. "Gerade die Umweltverbände waren an dieser Lösung die größten Kritiker und brachten eine Überarbeitung der Planung in die Diskussion ein", sagt er. Nachdem sich aber herausgestellt hatte, dass diese Alternativen zur Wöhrmühlbrücke sich als nicht förderfähig herausgestellt hatten, sei man zu der Überzeugung gelangt, dass diese Planung, weil auch förderfähig, die bessere sei. Hartmann räumt allerdings auch ein, dass er mit der Lösung nicht ganz glücklich sei. Das Allerwichtigste sei aber, dass die Stadt-Umland-Bahn jetzt endlich gebaut werde. "Mit Träumereien werden wir nicht zum Ziel kommen."

"Natürlich hätten wir gerne die Dechsendorfer- oder Büchenbacher-Variante für eine Talquerung gehabt", ergänzt Bianca Fuchs vom LBV, "aber leider war das mit den derzeitig geltenden Förderrichtlinien nicht machbar." Wenn man jetzt aber versuche, beim Bund eine Änderung dieser Förderrichtlinien doch noch zu erreichen, hätte eine jahrzehntelange Verzögerung des Baus der StUB zur Folge. Auch die Verbreiterung des Büchenbacher- oder Dechsendorfer Damms hätte zum Teil massive Eingriffe in die Natur zu Folge. Vor allem entlang des Dechsendorfer Damms seien diese "nicht ganz ohne".

Für Ester Schuck, die sich seit 1993 mit der Bürgerinitiative Mobilität im Schwabachtal für den Bau einer Straßenbahn einsetzt, ist eine weitere Verzögerung bei der StUB nicht akzeptabel. "Wir haben jetzt 2021. Es ist einfach traurig, wenn man sieht, dass in anderen Städten längst Straßenbahnen fahren, die zum selben Zeitpunkt mit der Planung begonnen haben. Es wird also allerhöchste Zeit, dass wir ganz schnell mit der Planung weiterkommen. Mit der Änderung der Förderrichtlinien hat uns der Bund außerdem ein großes Geschenkt gemacht." Mittlerweile werden nämlich nicht nur die Planungskosten, sondern auch die sogenannten straßenbündigen Abschnitte, auf denen die Straßenbahn nicht auf einer eigenen Trasse unterwegs ist, bezuschusst. "Das sind Millionen, die die beteiligten Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach sparen können."

Die derzeitige Diskussion auf die rund 1,6 Kilometer lange Wöhrmühlbrücke zu konzentrieren hält Ester Schuck für "kurzsichtig". So sei man durchaus "willig" die insgesamt 30 Kilometer, die die StUB-Trasse lang ist, mitzugestalten, ergänzt Henning Zimmermann von der Studierendenvertretung der Friedrich-Alexander-Universität (FAU). "Wir wünschen zum Beispiel sehr, dass die StUB den Abschnitt an der B4 nutzen kann, der ebenfalls derzeit diskutiert wird." Zimmermann weiter: "Wir wollen die StUB so gut wie sie geht, aber sie muss gehen." Gleichzeitig müsse die Stadt-Umland-Bahn der Anfang für ein ganzes Netzes sein, das noch mehr Bereiche in der Stadt und im Umland erreicht.

Nur auf den Wiesengrund zu schauen, werde dem Gesamtprojekt nicht gerecht. Mit der geplanten Querung werde der Wiesengrund nicht zerstört, "sondern die Brücke führe über den Wiesengrund drüber". Natürlich werde die Bauphase schwierig werden, "ich denke aber, dass sich danach die Natur ihren Raum wieder zurückerobern wird". Die Bündelung der Verkehre - unten Rad oben Straßenbahn - mache das Projekt zu einer "gelungenen Sache". "Diese Brücke", so Ester Schuck, "ist ausschließlich für den öffentlichen Nahverkehr da. Im Gegensatz zum Kosbacher Damm, wo täglich 15000 Fahrzeuge unterwegs gewesen wären. Jetzt haben wir ein Projekt, dass ausschließlich dem ÖPNV dient und den Umweltverbund stärkt."

Ein Bürgerbegehren, wie es von den Kritikern des Projekts nicht ausgeschlossen wird, lehnt die "Allianz" zum momentanen Zeitpunkt ab, nachdem es ja ohnehin ein Ratsbegehren geben wird. Darauf haben sich CSU und SPD, die im Stadtrat kooperieren, verständigt. Dieses Ratsbegehen soll aber erst dann durchgeführt werden, wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen. "Wenn man weiß, worüber man spricht", sagt Ester Schuck.

"Die StUB darf nicht nur hingesetzt werden, sie muss auch attraktiv sein", sagt der DGB-Kreisvorsitzende Wolfgang Niclas. Dass Siemens zum Beispiel riesige Parkhäuser auf ihren neu entstehenden Campus-Modulen baut beziehungsweise plant, "ist die Strafe dafür, dass wir ins Sachen StUB gepennt haben". Tatsache sei aber auch, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgrund eines fehlenden öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf das Auto nach wie vor angewiesen sind. Wobei natürlich "kein Arbeitnehmer morgens gerne im Stau steht", hält Niclas fest.

Stichwort Attraktivität des ÖPNV: Ester Schuck hofft in diesem Zusammenhang auf eine zügige Einführung des 365-Euro-Tickets. "Wenn man sich das einmal kauft, dann wird das auch genutzt. Da bin ich mir hundertprozentig sicher." Das werde dann auch einen entsprechenden Nachfrageschub geben und "dann braucht es auch entsprechend Kapazitäten, um die Menschen zu befördern". Dafür brauche es mehr Busse, verbunden mit einer Verdichtung der Takte. "Das ist aber nicht unendlich möglich. Da sind dann entsprechend andere 'Gefäße' notwendig und da ist dann natürlich die Stadt-Umland-Bahn gefragt." "Vor allem, weil die StUB das bessere Verkehrsmittel ist, laufruhiger, sicherer, stabiler - und elektrisch", ergänzt Henning Zimmermann.

Ein beliebtes Thema der Kritiker ist die sogenannte Aurachtalbahn, deren Reaktivierung sie fordern. Bei der Aurachtalbahn handelt es sich um eine ehemalige und mittlerweile aufgelassene Nebenbahn. Sie verlief zwischen dem Erlanger Stadtteil Bruck und Herzogenaurach und zweigte südlich des Bahnhofs Erlangen-Bruck von der Hauptstrecke Nürnberg–Bamberg ab. "Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass in Deutschland solche Strecken wieder reaktiviert werden", sagt Henning Zimmermann. "Für uns von der Allianz ist es eine Abwägung zwischen der Aurachtalbahn und der StUB. Beides werden wir nicht kriegen."

Die StUB sei dabei das bessere Verkehrsmittel, ist Zimmermann überzeugt, "weil sie die Punkte verbindet, die verbunden werden sollen. Also Nürnberg, die Uni, die zentralen Punkte in Erlangen, Büchenbach und Adidas und Schaeffler." Schaeffler könnte man zwar auch mit der Aurachtalbahn anbinden, aber ansonsten sei es eine Bahn, die abseits der Schwerpunkte liegt. Darüber hinaus sei sie bei weitem nicht so leistungsfähig wie die StUB. "Man hätte sie nicht stilllegen dürfen. Darüber hinaus bietet die StUB im Gegensatz zur Aurachtalbahn deutlich mehr Entwicklungsperspektiven für Erlangen."

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Zerstörung des Landschaftsschutzgebiets Wiesengrunds, dem zum Beispiel Bianca Fuchs widerspricht. "Die StUB macht dort, wo es besonders sensibel ist, an den Seelöchern, bewusst einen Bogen. Wenn da die StUB durchgehen würde, wäre das natürlich dramatisch." Das größere Problem, zum Beispiel für Bodenbrüter, seien Spaziergänger und Hunde. Rainer Hartmann ergänzt: "Neben den Seelöchern konnten wir auch noch den Auwald am Stummel der ehemals geplanten Kosbacher Brücke erhalten. Das sind zwei zentrale Punkte, die in der ursprünglichen Planung enthalten waren, jetzt aber entschärft werden konnten."

Gelobt wird in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit dem StUB-Zweckverband, der bei der Planung auf die Bedenken der Naturschutzverbände eingegangen ist und diese entsprechend verändert hat. Dazu gehört auch die Forderung der Verbände, die aktuellen Wege im Wiesengrund, kanalisiert und neu zusammenführt. Damit können aktuell bebaute Flächen wieder in Freiflächen umgewandelt werden "und damit an der einen oder anderen Stelle sogar Verbesserungen erreicht" so Hartmann.

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