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Traditionsfachgeschäft Pfeiffer in Erlangen schließt

Nach 143 Jahren und vier Generationen macht der Laden in der Hauptstraße dicht - 10.05.2019 18:00 Uhr

Ende einer langen Tradition: Das Fachgeschäft Pfeiffer schließt die Türen und sagt „Ade Erlangen“.


"Einfach war das nicht, es hat uns viele schlaflose Nächte gekostet", sagt die Inhaberin Annette Pfeiffer. Sie ist die Schwiegertochter von Seniorchef Jürgen Pfeiffer und hatte das Geschäft im Jahre 2011 übernommen, es damit in vierter Generation weiter geführt. Schwierig sei es schon immer gewesen, Strukturwandel habe man immer erlebt.

Vieles habe man versucht, um mit den Anforderungen der Kunden mitzuhalten. Modeartikel wurden hinzugenommen, das Internetgeschäft wurde aufgebaut, und sogar die Lieferung mit einem Fahrradkurier angeboten. Das wollten die Kunden dann zwar in Anspruch nehmen, aber nicht bezahlen.

Problematische Lage in der nördlichen Innenstadt

"Wir stehen für Qualität zu normalen Preisen, bei denen aber auch die Lieferanten nicht leiden müssen", sagt Annette Pfeiffer. Qualität habe allerdings den Nachteil, dass die Kunden nicht so oft etwas Neues kaufen müssen, weil die Dinge eben lange halten. Zudem seien Kosten, Aufwand, Risiko, aber auch die Anforderungen der Kunden immer weiter gestiegen. Aber "Fast Fashion" sei nie infrage gekommen. "Wir wollten immer das Beste für unsere Kunden". Außerdem habe auch der Klimawandel zum Rückgang des Kerngeschäfts beigetragen. Denn wer will schon warme Handschuhe kaufen, wenn es nicht mehr richtig kalt wird.

Problematisch sei aber auch die Lage in der nördlichen Innenstadt. Und dann zählt die Inhaberin all die Leerstände dort in unmittelbarer Nachbarschaft auf. An einigen Ecken sehe es seitdem schlimm aus, eben nicht mehr einladend. Auch der Weggang des Landratsamtes habe Einfluss auf das Geschäft gehabt, die Bahnbaustelle dagegen weniger. Denn die Stammkunden aus Herzogenaurach, Höchstadt, Bamberg und Nürnberg, die zu Pfeiffer wollten, sind trotzdem angereist. Viele seien auch gekommen, um Handschuhe, Regenschirme und Taschen reparieren zu lassen. Bis Ende des Monats nehme man noch Reparaturen an, aber davon könne man nicht leben.

Anette Pfeiffer gesteht, dass sie durchaus aufgeregt und nervös sei wegen der endgültigen Schließung ihres Geschäftes.


"Wir haben uns immer gerne für unsere Kunden mit Freude und Leidenschaft eingesetzt, aber das Geschäft lohnt sich nun einfach nicht mehr", sagt Annette Pfeiffer. "Wenn niemand mehr vorbeikommt, kann man doch nicht einfach so in Schönheit sterben". Das Erlanger City-Management bedauert die Schließung sehr.

"Wir verlieren eine Einzelhändlerin mit Herzblut"

City-Manager Christian Frank: " Nicht nur, dass ein Traditionsunternehmen, das seinesgleichen in unserer Stadt sucht, geschlossen wird, sondern wir verlieren auch mit Frau Annette Pfeiffer eine Einzelhändlerin mit Herzblut und Fachfrau in unserem City- Management." Pfeiffer gesteht, sie sei aufgeregt und nervös ob der nahenden Schließung. Die hatte sich, obwohl noch gar nicht offiziell verkündet, wie ein Lauffeuer in der Stadt herumgesprochen. Der Laden wurde regelrecht gestürmt, aber auch Diebesbanden haben sich in dem Geschäft bereits umgetan.


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Die vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch sie seien sehr traurig, aber alle seien "gut versorgt", versichert Annette Pfeiffer. Sie selbst wird irgendwann wieder in einer Apotheke arbeiten, aber "niemals woanders Handschuhe kaufen". Der Laden bleibt noch geöffnet, bis alles verkauft ist.

KLAUS-DIETER SCHREITER

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