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Tränen im Pariser Staub: Nadja Pries verletzt sich

Die BMX-Fahrerin des RC 50 Erlangen muss sich nun erneut zurückkämpfen - 17.06.2019 18:56 Uhr

Nadja Pries


Vor wenigen Wochen, da lag Nadja Pries im Staub und weinte. Sie versuchte aufzustehen, doch die Schmerzen waren zu groß. "Ich konnte keinen Druck auf mein rechtes Bein ausüben, es war unmöglich." Und so blieb sie liegen, bis die Helfer kamen und die 25 Jahre junge BMX-Fahrerin von der BMX-Bahn trugen.

Die beiden Weltcup-Rennen in Paris sollten der Auftakt sein in Richtung Tokio 2020. So viele Monate hatte Nadja Pries darauf hingearbeitet, war auf Krücken in die Uni und wieder nach Hause gestakst, hat hart und behutsam an ihrem Comeback gearbeitet. "Ich habe immer gesagt, dass ich stärker zurückkomme. Und am Ende bin ich auch stärker zurückgekommen", sagt sie. So stark, dass die elffache Deutsche Meisterin im BMX ihre kleine Schwäche, die erste Gerade nach dem Start, pulverisierte. So stark, dass genau das ihr nun vielleicht die nächste schwere Verletzung einbrachte. Im ersten Lauf, am ersten Tag der Weltcup-Saison. "Ich wollte mich gleich in der ersten Kurve eng nach vorne schieben, dass niemand mehr an mir vorbei kommt", sagt Nadja Pries. Vor ihr lagen die WM-Zweite und die WM-Dritte. Doch schon auf der ersten Geraden schloss sie zu weit zu den Führenden auf, touchierte mit ihrem Vorderrad das Hinterrad der vor ihr fahrenden – und krachte böse auf die Bahn. "Ein Fahrfehler", sagt Nadja Pries.

Der Aufprall war so heftig, dass der Beckenknochen brach. "Zum Glück aber stehen die Knochen aufeinander, es gab nie die Gefahr, dass innere Organe verletzt wurden." Auch um eine Operation wird Nadja Pries wahrscheinlich herum kommen – doch vorerst stakst sie wieder mit den Krücken durch die Gegend. Vier Wochen lang, dann beginnt die Reha.

Die Olympischen Spiele, für deren Qualifikation sie dringend Weltcuppunkte benötigt, rücken damit wieder in weite Ferne. Auch wenn Pries das so nicht sagt. "Wenn alles gut verläuft, sind die letzten beiden Weltcups in Argentinien und den USA entscheidend." Aber dort muss dann schon alles passen, um gehörig aufzuholen gegenüber den Konkurrenten. Deutsche Meisterschaften, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften – alle diese wichtigen Wettkämpfe, wo es außerdem Punkte zu sammeln gibt, folgen nun im Juli. Pries muss sich überall abmelden. "Für die WM bin ich noch angemeldet, wir wollen schauen, ob es bis dahin vielleicht schon geht." Aber es ist unwahrscheinlich. Der Schmerz, die Tränen galten nicht nur der Hüfte, sie galten wohl auch einem geplatzten Traum. Den Nadja Pries aber noch nicht aufgeben will: "Man muss solche Dinge lernen abzuhaken. Es hilft mir nicht weiter, mich ständig damit zu beschäftigen, ich muss nach vorne sehen und schauen, wo die Vorteile dieser Zeit nun liegen." Die Zeit zum Lernen für die Uni-Prüfungen ist so ein Vorteil für die Psychologie-Studentin. Sportlich läuft die Zeit nun wieder gegen sie, auf dem Hometrainer saß sie nur kurz, die Schmerzen sind noch zu groß.

"Die Zweifel und die Fragen nach dem Warum, die hatte ich direkt nach dem Sturz, als die Tränen kamen", sagt Nadja Pries. Jetzt geht es wieder ums Zurückkommen – stärker als zuvor natürlich. 

CHRISTOPH BENESCH

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