Montag, 20.01.2020

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Wohin soll sich Baiersdorf entwickeln?

1000 Einwohner diskutierten über Verkehr, Energie und Flächen - 23.11.2019 18:00 Uhr

In einer Werkstatt mit verschiedenen Themengruppen machten sich viele Baierdorfer Bürgerinnen und Bürger Gedanken darüber, wohin sich die Stadt entwickeln könnte. © Pauline Lindner


Galster lobte die erste Veranstaltung als "sehr guten Diskussionsprozess" mit Meinungsvielfalt. Aus ihm haben Martin Fladt und Alexander Breit vom Büro UmbauStadt aus Frankfurt vier Handlungsfelder herausgefiltert: Zentrum, Verkehr, Flächenentwicklung und Energie. Für das zweite Treffen ergänzten sie zwei Bereiche: Soziales mit Jugend und Sport sowie Ökologie und Natur. Zu ersterem gehört für ihn auch der Wunsch nach Bürgertreffs, Bürgerhäusern in den Stadtteilen. Beim Kindergarten für Igelsdorf sind Räume für eine ähnliche Nutzung schon vorgesehen.

"Dickes Brett"

Als "dickes Brett" beschrieb Fladt die Idee einer zweiten Fußgänger- und Radlerverbindung in die Hut und weiter. Um die Unterführung unter der Bahn und die verwinkelte Anfahrt zu vermeiden, sollte ein Steg südlich des Bahnhofs entstehen, der Schule und Altstadt (über den Autobahnsteg) verbindet. Für den Westrand von Hagenau zeigte Breit durch Planskizzen, wie viel Fläche dort 50 Wohneinheiten bräuchten, wenn sie als Einfamilienhäuser und wenn sie als zweistöckige Gebäude mit Etagenwohnungen entstehen.

Nach der einstündigen "Werkstatt"-Phase kam viel Konkretes dazu, wie die selbstgefundenen Ziele Wirklichkeit werden könnten. Die Baiersdorfer, die sich zum Thema Altstadt und deren Belebung zusammengefunden hatten, nannten unter anderem einen Themenweg mit Stelen zur Geschichte der Stadt, ein Tanzfestival. Das Wagnergelände in der Judengasse können sie sich als Grünanlage, aber auch als Markthalle oder auch als Tiefgarage für Anwohner vorstellen. Der Verkehr muss möglichst raus, war eine Grundforderung. Deshalb sollte die Hauptstraße eine Einbahnstraße werden.

Bei der Gruppe "Stadtentwicklung" gab es gegensätzliche Haltungen, besonders zu einer Bebauung zwischen Igelsdorf und der Hut. Hier will das Evangelische Siedlungswerk eine große Wohnanlage errichten. Man dachte auch an Gewerbeansiedlung im Stadtsüden jenseits der heutigen Bebauung und im Nordosten zusammen mit Poxdorf. Dazu sollte die Industriestraße bis zur Autobahnauffahrt verlängert werden.

Den Hochwasserschutz fand man in den bisherigen Überlegungen zu wenig berücksichtigt, liegt doch das Vorhaben des ESW in der Hauptabflussrichtung. Wegen der vorherrschenden Westwinde seien Frischluftkorridore äußerst wichtig.

Ein Problem stellt der entstehende Verkehr dar, werden doch die östlichen Stadtteile schon heute von Pendlern aus den Nachbarorten auf dem Weg zur Arbeit durchfahren. Das dürfte dann verstärkt für die Hut der Fall sein.

"Gewinner" bei der Mobilität war das Thema Radwege, informierte der Gruppensprecher. Dazu sollte ein Radwegenetzplan erstellt werden. Man setzt dabei darauf, dass gute Geh- und Radwege die Verlockung, innerorts mit dem Auto zu seinem Ziel zu fahren, verringert. Einzelprobleme sind der Autovorrang an der Ampel Jahnstraße/Bürgermeister-Fischer-Straße, zu wenig Beleuchtung, ganz besonders auf der Straße nach Igelsdorf und die Umwege wegen der gesperrten Galgenfuhr-Brücke. Die Busse sollten besser mit der S-Bahn vertaktet sein; ein 365-Euro-Jahresticket hält man für einen Superanreiz zum Umsteigen auf den ÖPNV.

Treibhausgase einsparen

Zwiegespalten war die Gruppe Energie – trotz eines Konsens, dass man Treibhausgase einsparen müsse. Man kann sich Windkraftanlagen im Wald Richtung Röttenbach vorstellen und PV-Anlagen auf Dächern, sogar den Zwang bei Neubauten dazu oder zu regenerativen Heizungen. Ein Vorschlag war eine Bürger-Energie-Genossenschaft als Betreiber. Zu allem brauche man aber neutrale Info-Veranstaltungen.

"Teilhabe" überschrieb die fünfte Gruppe ihre Ergebnisse. Für Treffpunkte in den Ortsteilen sollten vorhandene Strukturen genutzt werden, die Stadt sollte Angebote unterstützen. Eine Gefahr sah man, und zwar fehlende Personen, die sich um Treffs kümmern. Neben dem Jugendreferenten sollte es auch einen hauptamtlichen Seniorenreferenten geben. Das Gelände um die Sporteinrichtungen des BSV sollte eine neue Nutzung erhalten.

Flächenschonend bauen ist die Quintessenz der Gruppe Ökologie und Natur. Dazu gehöre auch die Verbesserung des Stadtklimas durch Grünzüge und Frischluftschneisen, naturnahe Freiflächen und Vernetzung der vorhandenen Schutzflächen, die Begrünung von Fassaden und Dächern sowie mehr Bäume im städtischen Kern.

PAULINE LINDNER

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