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Barfuß durch die Fränkische

Muggendorfer Gruppe des Fränkische-Schweiz-Vereins bietet Touren ohne Schuhe zur Sachsendorfer Mühle - 21.07.2015 20:00 Uhr

Robert Stein (4. v. li.) hatte die Idee zur Barfußtour von Muggendorf über eine Route von zehn Kilometern zur Sachsendorfer Mühle. Diese Idee hat er nun umgesetzt und ist in der Julisonne mit sieben Teilnehmern aufgebrochen.


Naturpark-Infozentrum, Bahnhofsnähe, 9.49 Uhr: Lässig sitzt Robert Stein auf einer Bank. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein gewöhnlicher Tourist, ausgestattet mit Sonnenbrille, Baseballmütze, grüner kurzer Hose und einem orangefarbenen T-Shirt. Doch auf den zweiten Blick fällt auf: Stein trägt keine Schuhe. Er ist barfuß.

Auch ist Stein kein Urlauber, wie die vielen Frankfurter Kajak-Enthusiasten, die sich zeitgleich in der Nähe für eine Fahrt auf der Wiesent vorbereiten. Vielmehr ist er ein Muggendorfer Urgestein, der als Gesundheitstrainer der Sebastian-Kneipp-Akademie und DSV-Lizenztrainer für „Nordic Breitensport“ seit Langem eine Vielzahl von Touren durch die Fränkische Schweiz anbietet. Doch jetzt will Stein etwas Neues etablieren: Barfußwanderungen für jedermann.

Ohne schützendes Schuhwerk geht es über Stock, Stein oder Tannennadeln. © Fotos: Andreas Kummer


Das tut Stein auch für die Muggendorfer Ortsgruppe im Fränkische-Schweiz-Verein. Seinem Ruf zum Barfußlaufen gefolgt sind diesmal sieben Gäste.

Heißer Asphalt

Zuerst führt der kundige Wanderer seine Truppe durch Muggendorf, direkt den Dooser Berg hinauf. Noch ist es früher Vormittag, aber die starke Julisonne hat den Asphalt kräftig aufgeheizt. Für normal besohlte Läufer kein Problem, doch ein nackter Fuß spürt die Hitze des Bodens gnadenlos. „Es geht aber gut“, kommentiert Michael, ein Mittvierziger aus Forchheim.

Auch die anderen meistern den Prolog am Dooser Berg ganz leicht – so, als ob jeder robustes Schuhwerk tragen würde. Gekonnt werden kleine Steinchen und Kirschkerne umkurvt, die hier und da auf dem Boden liegen. „Schön, wie man seine Fußsohlen mal wieder spüren kann“, hört man einen Teilnehmer sagen. „Ja, so ist das“, pflichtet ihm Stein bei. „Es ist hier eben etwas ganz anderes, als wenn man daheim barfuß über seinen Teppich geht.“

Doch das war alles nur das Vorspiel. Richtig ins Gelände führt der nächste Akt. Von einer Nische aus geht es fortan steil bergauf, mitten durch den Wald. Die Teilnehmer sind gezwungen, hintereinander wie auf einer Perlenkette aufgezogen zu marschieren.

„Jetzt kommt die richtige Massage“, sagt Natalia, eine Teilnehmerin aus Muggendorf. Kein Wunder, schließlich ist der Boden des Waldes voller kleiner Nadeln, Steinchen, Wurzeln und Laub. Doch Sorgen braucht keiner haben. Denn das Laufen tut nicht weh, sondern regt eher die Fußsohlen an. „Beim Barfußlaufen ist mir noch nie etwas passiert“, berichtet Stein.

Langsam steigert der Barfuß-Experte nun das Tempo. Auch geht es jetzt plötzlich nicht mehr bergauf, sondern steil bergab: Wiederum ein neues Ur-Gefühl entsteht da beim ständigen Suchen nach Halt. Vom Eingang der urigen Oswaldhöhle geht es weiter in Richtung Ziel: der Sachsendorfer Mühle. 

ANDREAS KUMMER

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