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200 Ebermannstädter demonstrierten gegen die AfD

In bunten Kostümen Zeichen gegen Rechtspopulismus gesetzt - 31.10.2019 16:48 Uhr

Bunt gegen rechts: 200 Ebermannstädter gingen auf die Straße, um gegen eine AfD-Veranstaltung zu demonstrieren. © Athina Tsimplostefanaki


200 Teilnehmer gingen laut Schätzung der Polizei bei der Gegen-Demo zu einer AfD-Veranstaltung in Ebermannstadt auf die Straße. Rund 30 Zuhörer verfolgten das Referat von Hansjörg Müller, Bundestagsabgeordneter der AfD und Mitglied des wirtschaftspolitischen Ausschusses des Bundestags, im Gasthaus Resengörg. Die Gegendemonstranten waren weitaus mehr: 200, passend zum Titel "Grusel gegen rechte (Un-)Geister" verkleidet als Vampire, Hexen oder Mönche.

Alles verlief friedlich, niemand blockierte Parkplätze oder den Durchgangsverkehr, so die Polizei, die mit vier Beamten vor Ort war. Martin Leipert von den Jusos hatte die Mahnwache, die eine halbe Stunde dauerte, als Gegenveranstaltung zur AfD-Rede angemeldet. Das Bürgerforum war mit einem Banner mit der Aufschrift "Gegen Rechts" vertreten. Etliche Demonstranten riefen: "Nazis raus". Eine eher unglückliche Formulierung, befanden sich doch die AfD-Anhänger im Gasthof.

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Halloween-Demo: 200 Ebermannstädter demonstrieren gegen die AfD

Für die AfD, da waren sich gut 200 Menschen in Ebermannstadt einig, ist in der Stadt kein Platz - deshalb demonstrierten sich gegen die Partei. In bunten Halloween-Kostümen gingen sie auf die Straßen.


Bei manchen schwang die Erinnerung an NPD-Aufmärsche in Gräfenberg mit, wo sich seinerzeit mehrere hundert Bürger mit Demos gegen die Aufmärsche wehrten. "Die wollen wir hier nicht haben", merkte eine Teilnehmerin an. Grünen-Ortssprecherin Elisabeth Krause zeigte sich enttäuscht, dass der Wirt der AfD die Tür geöffnet habe. Ebenfalls auf Distanz gingen zwei Touristen, die nichtsahnend Fränkisch essen wollten. Sie verzichteten auf den Restaurantbesuch, als ihnen von der AfD-Veranstaltung berichtet wurde.

Eine globale Finanzverschwörung

Tina Falkner von den Jusos befasste sich in ihrem Redebeitrag mit Müllers wirtschaftpolitischem Konzept, der eine globale Finanzverschwörung, eine Finanzoligarchie sehe. Im Resengörg-Saal bestätigte er diese Einschätzung: Er nannte den aktuellen Weltzustand neo-feudal. Es seien angeblich genau 737 Konzerne, die die Weltmacht in Händen hätten. Zusammen mit Nichtregierungs-Organisationen, internationalen Anwaltskanzleien und Rating-Agenturen bestimmten sie die Politik und kassierten im Gegensatz zu kleinen Unternehmern Privilegien und Gelder.

Auf nur sechs Präsentationsfolien erklärte er, was es für "die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme" brauche. Freihandel ohne Freihandelsabkommen, möglichst ohne Amerikaner – bis auf Donald Trump, der es richtig vormache und deshalb diffamiert werde. Grenzen seien nach Müller die Lösung.

Kein Platz für AfD-Positionen

Jedenfalls fühlt sich der 2013 eingetretene Diplom-Volkswirt als "Böser", seit er 2015 die Erfurter Resolution des völkischen Flügels der AfD unterschrieben habe. Er, der ehemals "gute Wirtschaftsliberale", der durch einen "Dexit" den Fallstricken des Euro entgehen möchte.

Er bekennt sich zu Björn Höcke, betont aber, dass dieser nicht einen Punkt in seinem Wirtschaftskonzept gesetzt hätte. Sein Manuskript hätten aber ehemalige Wallstreet-Banker und alternative Wirtschaftswissenschaftler gegengelesen, die sich nicht in "Schwätzenschaften", seiner Meinung nach unnütze Wissenschaften, tummelten. Dass für solche AfD-Positionen kein Platz in Ebermannstadt ist, wollten die Gegendemo-Teilnehmer in bunten Halloween-Kostümen zeigen.

PAULINE LINDNER

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