Tag der offenen Tür

200 Jahre Gemeindehaus Gräfenberg: Jetzt geht's erst richtig los

23.10.2021, 18:00 Uhr
Der heutige Dekan Reiner Redlingshöfer kennt die lange Geschichte des Gemeindehauses.

Der heutige Dekan Reiner Redlingshöfer kennt die lange Geschichte des Gemeindehauses. © Petra Malbrich

Ein wenig schaurig begannen die Arbeiten am evangelischen Gemeindehaus in Gräfenberg, das ursprünglich als Pfarrhaus gebaut wurde. Das war vor 200 Jahren. Das damalige Pfarrhaus, hinter dem jetzigen Gemeindehaus, war derart baufällig, dass Dekan Witschel schon vor Ende seiner Amtszeit Gräfenberg verließ und damit im ganzen Land Bekanntheit erlangte.

„Dessen Nachfolger Georg Leonhard Tretzel hat die Stelle nie angetreten. Er hat sich geweigert“, erzählt der heutige Dekan Reiner Redlingshöfer, warum ein neues Pfarrhaus gebaut werden musste. Doch wer sollte das bezahlen? Vier Jahre lang wurde deshalb mit der bayerischen Staatsregierung gestritten. 1819 kaufte man für 1000 Gulden das alte Haus neben dem Pfarrhaus. Es gehörte dem Taglöhner Müller. Im März 1821 konnte dann der Grundstein gelegt werden.

Damals sah Gräfenberg natürlich noch anders aus. Um den Kirchplatz herum war früher Friedhof. Als sich die Arbeiter dann auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs mit den Spaten an die Arbeit machten, erlebten sie zunächst eine weniger schöne Überraschung: Sie gruben zwei noch nicht ganz verweste Leichen aus. Von weiteren Ereignissen ist nichts bekannt, sodass offensichtlich alles andere nach Plan lief, im Oktober 1821 der Dachstuhl angebracht wurde und dann Pfarrer David Billmann mit seiner Frau und den neun Kindern einziehen konnte. Unten waren die Arbeitsräume und ein Gemeinderaum, oben die Räume für die Familie. Dekan Ackermann war 1946 der letzte Dekan, der in dem Pfarrhaus lebte.

Mehr Räume wurden nötig

Eine neue Lösung musste gefunden werden, denn die Gemeinde war gewachsen und benötigte mehr Räume. "Das Pfarrhaus wurde komplett zum Gemeindehaus, ein neues Pfarrhaus wurde errichtet. Das war 1960 und wurde 1962 eingeweiht“, erzählt Redlingshöfer. Das Pfarrhaus ist hinter der Kirche, beim Friedhof. Das große gelbe Sandsteinhaus wurde hingegen komplett zum Gemeindehaus umgebaut und bietet heute vielen Gruppen Platz. „Jetzt geht der Betrieb langsam wieder los“, sagt Dekan Redlingshöfer. Neben den Amtsräumen ist im Erdgeschoss ein großer Aufenthaltsraum, im oberen Stockwerk sind die Verwaltung, das Büro für das evangelische Bildungswerk oder die KASA – die kirchliche Sozialarbeit. Wer Probleme hat, sei es finanzieller Art, bei der Erziehung oder persönliche Probleme, der findet dort eine erste Anlaufstelle.

Auch der Konfirmandenunterricht findet im Gemeindehaus statt, eine Krabbelgruppe trifft sich und oben ist ein Mehrzweckraum mit Sofa und Billard, in der die Jugendgruppe ihre Zeit verbringen kann. Auch das Pilgerzimmer war oft besetzt. „Wir haben Pilger aufgenommen, die auf dem Jakobsweg unterwegs waren“, sagt Redlingshöfer. Auch Menschen im Kirchenasyl haben das Zimmer bewohnt. Mit dem Tag der offenen Tür soll nicht nur die Geschichte des Gemeindehauses aufgezeigt werden, sondern vor allem die bestehenden Gruppen wieder in den Betrieb gehen und neu geplante Gruppen an den Start. Da ist einiges geplant, was dem Gemeindehaus künftig noch mehr Leben beschenkt. Damit sich alle Gruppen heimelig fühlen, wurde zunächst die Corona Pause genutzt.

Die Firma Datev hatte zwei gut erhaltene Teeküchen ausrangiert, die kostenlos an die Kirchengemeinde gingen. „Aus den zwei Küchen haben Ehrenamtliche unter der Federführung von Horst Weber, Siegfried Krieger und Uwe Ingrisch eine tolle Küche gezimmert“, lobt Dekan Redlingshöfer. In dieser Küche können die Mütter der Krabbelgruppe einen Kaffee trinken, auch die Männer des Männerkreises, der im Januar an den Start gehen soll, könnten dort beispielsweise kochen oder Schafkopf spielen. Und auch die Besucher des Eine-Welt-Laden, der dort im neuen Jahr fair gehandelte Ware anbietet, können gleich eine Tasse dieses Kaffees trinken und dazu eine Tafel Schokolade genießen. Einen Einblick in den neuen Fair Trade Laden oder einen Ohrengenuss durch den eigenen Gospelchor erhalten die Besucher ebenfalls am Tag der offenen Tür.

„Wir wollen, dass das Gemeindehaus lebt. Es ist nicht nur für die Klassischen Gruppen“, sagt Redlingshöfer. Dafür wurden die äußeren Voraussetzungen getroffen. Mit der Küche beispielsweise, die am Tag der offenen Tür eingeweiht wird.

PROGRAMM:

Tag der offenen Tür am 24. Oktober 2021 von 14 Uhr bis 17 Uhr.

- Einweihung der Küche um 14 Uhr

- Auftritt Gospelchor 15 Uhr

- Kaffee und Kuchen, Offene Büros von Dekanat und Pfarramt, KASA und Bildungswerk Fränkische Schweiz von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr

- Es gilt die 3G-Regel

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