Wertstoffhöfe

Akkus und Batterien: Müll-Abgabe im Kreis Forchheim wird komplizierter

16.6.2021, 11:59 Uhr
Wegen der Gefahr durch Akkus konnte Bernd Brütting unlängst seinen Müll im Hiltpoltsteiner Wertstoffhof nicht abgeben. Seit Januar gibt es neue Vorgaben in Sachen Elektro-Kleinschrott.

Wegen der Gefahr durch Akkus konnte Bernd Brütting unlängst seinen Müll im Hiltpoltsteiner Wertstoffhof nicht abgeben. Seit Januar gibt es neue Vorgaben in Sachen Elektro-Kleinschrott. © Petra Malbrich

Wie Bernd Brütting und Dieter Hinterberger aus Hiltpoltstein ging es in den vergangenen Wochen vielen Bürgern: Hinterberger wollte eine Bohrmaschine und einen Drucker am Wertstoffhof entsorgen, Brütting stand mit einem Karton voll Kinderspielzeug da. Die Batterien hatte er bereits entfernt. Trotzdem erhielten beide Männer eine Absage. „Ich konnte das nicht abgeben. Diese Teile dürfen in Hiltpoltstein nicht mehr entsorgt werden, wegen der Gefahr durch die Akkus“, sagt Brütting.

Obwohl in seinen Elektro-Kleinteilen weder Akkus noch Batterien mehr enthalten waren, konnte er den Müll nicht am Wertstoffhof entsorgen. Beide mussten unverrichteter Dinge nach Hause fahren. „Die Akkus können sich selbst entzünden“, erklärt Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt, weshalb es deutschlandweit neue Richtlinien gibt, die seit Januar greifen. Elektro-Kleinschrott darf deshalb nur noch an Wertstoffhöfen mit dafür geschultem Personal abgegeben werden.

Im Landkreis Forchheim sei durch die Akkus – gerade bei den Lithium-Ionen-Akkus – noch nichts passiert, wohl aber gab es deutschlandweit durchaus kritische Situationen, durch die Selbstentzündung der Geräte. Die geschulten Wertstoffhofmitarbeiter wissen, in welchen Kleingeräten Akkus verbaut sind, müssen diese entfernen, die Kontakte abkleben und gesondert aufbewahren.

Nur an 13 von 30

Im Landkreis können aufgrund der neuen Richtlinie nur noch an 13 von den 30 Wertstoffhöfen Kleinelektroschrott und Batterien abgegeben werden. Welche das sind, verrät der Abfallkalender. „Es steht ein ,E‘ dabei“, verrät Strehl. Ausgewählt wurden Wertstoffhöfe, die relativ zentral liegen. Was die Gefahr durch Akkus betrifft, dafür haben Brütting, Hinterberger und andere Bürger durchaus Verständnis. „Doch von der normalen Batterie geht keine Gefahr aus“, meint Hinterberger. Trotzdem kann das oder akkufreier Schrott nicht mehr im Wertstoffhof abgegeben werden. Das stimmt, meint das Landratsamt.

Doch mit der Lösung, nur noch an Wertstoffhöfen mit geschultem Personal diese Sammelbehälter für E-Kleinteile und Batterien anzubieten, werde zum einen verhindert, dass sich der Elektroschrott mit den gefährlichen Akkus unbemerkt unter den anderen Elektroschrott mischt, zum anderen gibt es genug Elektroschrott, bei dem durch die Vermischungen der Stoffe keine Trennung vorgenommen werden könne. Diese Vermischungen, wie sie vor allem auch bei Spielgeräten vorkommen, machen eine saubere Trennung kompliziert. Was „normale“ Batterien betreffe, sei der Handel verpflichtet, diese zurückzunehmen. Das allerdings verkompliziert die Müllentsorgung, finden die Bürger.

Brütting und Hinterberger sammeln deshalb zu Hause weiterhin den Elektroschrott, um ihn bei Gelegenheit an den erlaubten Wertstoffhöfen entsorgen zu können. Allerdings fürchten sie, dass viele den Müll einfach in die schwarzen Tonnen werfen. Wenn sich dann ein Akku entzündet...

„Es ist gefährlicher Abfall“, stimmt Strehl zu. Allerdings sei die Gefahr noch mehr gegeben, wenn diese Akkus in den Behältnissen am Wertstoffhof bei den normalen Batterien landen oder in der Anlage geschreddert werden. Doch nicht nur Elektroschrott, auch Bauschutt kann nicht mehr in allen Wertstoffhöfen entsorgt werden. „Es darf nur Bauschutt ohne Störstoffe entsorgt werden“, erklärt Strehl. Denn Störstoffe wie Bauschaum oder Glaswolle sind schnell in die Mulde gerutscht. „Das kann man dann nicht mehr recyceln“, so das Landratsamt. Diese Regelung gibt es schon seit 2020, führt aber noch immer zu Unmut bei den Bürgern, weil für jeden Müll ein anderer Wertstoffhof zuständig ist und, wie in Hiltpoltstein, nur noch der gängige Abfall wie Glas, oder Papier abgegeben werden darf.

Für einfachen Abfall brauche man keinen Wertstoffhof, meinen manche. Die Abfallgebühren wären jedoch noch höher, wenn an allen Wertstoffhöfen Müll mit Störstoffen oder gefährlicher Elektroschrott abgegeben werden könnte. Die Gefahr, dass dieser Schrott dann im Hausmüll landet, ist dem Landratsamt bewusst. „Diese Gefahr ist immer gegeben“, meint Strehl. Wenn es nur der Hausmüll wäre. Hiltpoltsteins Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer hat sich bereits dafür eingesetzt, in ihrer Gemeinde sowohl Elektroschrott als auch Bauschutt wieder abgeben zu dürfen. „Sonst landet der Müll dort, wo er nicht hin soll: In der Landschaft“, sagt Schulze-Bauer. Ihre Bauhofmitarbeiter haben neben Bauschutt durchaus schon Kühlschränke vom Feldrand eingesammelt und in Gosberg entsorgt.

Wertstoffhöfe mit dem „E“ im Landkreis: Eggolsheim, Egloffstein, Forchheim-Nord, Gößweinstein, Gräfenberg, Heroldsbach, Igensdorf, Kunreuth, Langensendelbach, Neunkirchen, Pretzfeld, Streitberg und Willersdorf.

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