Amazon in Eggolsheim: Der Ärger reißt nicht ab

Martin Regner
Martin Regner

Nordbayerische Nachrichten

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28.1.2021, 09:00 Uhr
Mit massiven Betonklötzen und Natursteinblöcken wird versucht, das Falschparken im Eggolsheimer Gewerbegebiet zu verhindern.

Mit massiven Betonklötzen und Natursteinblöcken wird versucht, das Falschparken im Eggolsheimer Gewerbegebiet zu verhindern. © Foto: Edgar Pfrogner

Davon, wie es dort jeden Tag zugeht, kann Roland Distler aus Neuses ein Lied singen. Distler wohnt auf dem Betriebsgelände seines Entsorgungs- und Straßenreinigungsunternehmens in der Nachbarschaft der Amazon–Hallen. Dorthin fahren täglich hunderte Lastwagen, deren Fahrer nach Distlers Angaben in der Umgebung allerhand Unschönes hinterlassen. Das fange mit aus dem Lkw geworfenem Müll wie Flaschen und Konservendosen an. Und höre bei Fäkalien und mit Urin gefüllten PET-Flaschen auf, die auf Straßen, auf Plätzen und auf Gehwegen herumliegen.

Der Parkdruck ist enorm

Woher diese Hinterlassenschaften kommen, ist offenkundig: Die Lkw-Fahrer, die Waren zu Amazon liefern oder von dort abholen, machen rund um das Lager Pause und übernachten auch in ihrem Fahrzeug – da sind der nächste Mülleimer und das nächste WC oft weit.

Distler hat vor seinem Betrieb Absperrkegel aufgestellt. Denn es sei schon oft vorgekommen, dass seine Einfahrt über das Wochenende von fremden Sattelzügen zugeparkt worden ist: "Da komme ich dann am Montagfrüh hin und meine Kehrmaschinen und Lkw kommen nicht mehr raus." Auch Schäden an seinem Zaun und am Tor zu seinem Betrieb hätten rangierende Sattelzüge bereits mehrfach angerichtet. Wenn die verursachenden Fahrer – wie ebenfalls schon vorgekommen – bis zur Entdeckung des Malheurs unerkannt das Weite gesucht haben, bleibt Distler auf den Kosten für die Instandsetzung sitzen.


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Der Parkdruck in der Umgebung des Sortierzentrums ist enorm: Nach Angaben von Bürgermeister Schwarzmann weichen die Lkw-Fahrer in Ermangelung von ausreichend Stellplätzen auf dem Amazon-Gelände und im Gewerbegebiet selbst auf alle möglichen Flächen in den umliegenden Gemeinden wie etwa Buttenheim und Hallerndorf aus – egal ob das Abstellen eines Lkw dort erlaubt ist oder nicht.

Eine Beobachtung, die der Buttenheimer Bürgermeister Michael Karmann bestätigt: Im Buttenheimer Gewerbepark werden demnach Grünstreifen und Gehsteige zugestellt. Die Gemeinde werde hier, sobald es die Witterung wieder zulasse, baulich eingreifen, um die Grünflächen und Fußwege freizuhalten, so Karmann. Beim in Buttenheim ansässigen Rewe-Zentrallager – ebenfalls ein Betrieb mit viel Lkw-Verkehr – gebe es hingegen ausreichend Stellplätze und "das erwarte ich auch von Amazon", fordert Karmann.

Wildes Parken und Müll sind derweil nicht die einzigen Probleme rund um das Eggolsheimer Amazon-Gelände: Roland Distler etwa wird des Öfteren nachts davon aus dem Schlaf gerissen, dass sich ein Sattelzug auf der Suche nach Amazon auf einen schmalen Feldweg verirrt hat, der hinter seinem Betrieb am Main-Donau-Kanal entlang führt: "Nach 500 Metern merken die Fahrer, dass es da nicht mehr weitergeht, und schaffen es dann nicht mehr, ihren Zug rückwärts raus zu rangieren." Mitunter würden sich die ebenso verzweifelten wie geräuschvollen Fahrmanöver auf dem Feldweg nachts über eine halbe Stunde hinziehen, so Distler.

Gefährliches Fahrverhalten

Das Verhalten, das manche Lastwagenfahrer im Straßenverkehr an den Tag legen würden, sei außerdem gefährlich: Distler hat es schon öfter beobachtet, dass Sattelzüge rückwärts und ohne einen für solche Fahrmanöver vorgeschriebenen Einweiser von Nebenstraßen und Parkflächen auf eine Hauptstraße stoßen – ohne den dortigen Verkehr sehen zu können.

Der Neuseser Nachbar kommt in Summe zu einem bitteren Fazit: Der von Amazon gewählte Standort im früheren Lidl-Lager "ist dafür nicht geeignet", weil insbesondere die vorgehaltenen Stellflächen auf dem Gelände nicht ausreichen würden. Die Konsequenzen ausbaden müssten jetzt die geplagten Nachbarn.

Aus Sicht von Bürgermeister Schwarzmann hat sich die Situation zumindest innerhalb des Gewerbegebiets im Vergleich zum Dezember gebessert: Die Gemeinde habe bei Amazon schriftlich Verbesserungen angemahnt und das Unternehmen habe reagiert. Etwa mit einem Sicherheitsdienst, der falsch parkende Lkw-Lenker zum Weiterfahren auffordert. Was allerdings zu dem beschriebenen Problem führt, dass die Lkw nun eben in die Dörfer in der Umgebung ausweichen, was auch Schwarzmann einräumt: "Alle Flächen werden von den Fahrern ausgenutzt, ob sie nun als Parkplatz gekennzeichnet sind oder nicht."


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Das Lager des Online-Versandriesen ist für den Bürgermeister ein Dauerthema: "Seit Amazon da ist, sind wir ständig an Verbesserungen dran." Die Ansiedlung des Unternehmens in den ehemaligen Lidl-Gebäuden hält Schwarzmann dennoch nach wie vor für richtig: "Es ist besser, die vorhandene Halle weiter zu nutzen, als hier Leerstand zu haben und anderswo neu zu bauen."

Amazon verweist in einer Stellungnahme auf die bereits ergriffenen Maßnahmen: "Als verantwortliches Unternehmen und guter Nachbar haben wir einiges unternommen und investiert." So habe man etwa "Personal eingestellt, um falschgeparkte Fahrer darauf hinzuweisen" und auch "unseren Hof erweitert und mehr Lkw-Parkplätze sowie zusätzliche Sanitäranlagen geschaffen."

Darüber hinaus habe das Unternehmen Betonblöcke im Gewerbegebiet installiert, um das Falschparken zu verhindern. Man spreche auch die beauftragten Speditionen an, damit die Lkw-Fahrer auf das richtige Fahr- und Parkverhalten hingewiesen werden.

Für Donnerstag ist eine Videokonferenz mit Vertretern der Gemeinde Eggolsheim und von Amazon anberaumt. Es sollen weitere Maßnahmen besprochen werden.

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