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Mittwoch, 11.12.2019

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Amazon reagiert auf Fäkalien und Müll von Lkw-Fahrern

Rund um das Sortierzentrum bei Eggolsheim soll es künftig sauberer zugehen - 02.12.2019 16:00 Uhr

Das Weihnachtsgeschäft bei Amazon brummt: Tiefe Rillen im Gras neben dem Gehweg zeugen vom Lkw-Aufkommen in der Fährstraße. © Hubert Bösl


„Dass sich hier manchmal die Lastwagen stauen, ist ja nicht so schlimm“, sagt der Firmensprecher eines Betriebes im Gewerbegebiet von Neuses. Wartende Lkw habe es hier schon gegeben als noch Lidl in den riesigen Hallen an der Fährstraße sein Logistikzentrum hatte.

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Pakete ohne Ende: So läuft's im Amazon-Sortierzentrum bei Eggolsheim

Im September 2019 ist im Gewerbegebiet von Eggolsheim (Kreis Forcheim) das bayernweit erste Sortierzentrum von Amazon in Betrieb gegangen. Auf 20.000 Quadratmetern werden hier täglich Zehntausende Pakete aus ganz Europa nach Postleitzahl-Regionen sortiert und an die enstprechenden Verteilerzentren weitergeleitet. Wir haben einen exklusiven Einblick bekommen.


Seit im September aber Amazon den Standort als bayernweit erstes Sortierzentrum in Betrieb genommen hat, ist ein neues Problem entstanden: Fäkalien und Müll entlang der Straßenränder und Gehwege – verursacht von Brummifahrern, die bisweilen stundenlang warten müssen, um überhaupt auf das Amazon-Gelände zu kommen. Diese unschöne Entwicklung war bereits im Eggolsheimer Gemeinderat ein Thema.

 

Der Sprecher des Nachbarbetriebes von Amazon erzählt gegenüber nordbayern.de: „Die Lkw-Fahrer gehen bei uns aufs Grundstück und verrichten ihre Notdurft hinter unserer Halle. Die ,kleinen‘ Hinterlassenschaften fallen ja nicht so auf, die ,großen Geschäfte‘ leider aber schon.“ Auch auf den Grünflächen neben der Straße häuften sich die Abfälle. Zudem „wird unsere Laderampe teilweise von Amazon-Lastern zugestellt, manchmal stehen die Zugmaschinen ihrer Sattelschlepper auf unserem Gelände.“

Video: Amazons Sortieranlage bei Forchheim

In den ersten Wochen nachdem das Sortierzentrum an den Start ging, sei es besonders schlimm gewesen. „Da sind wir nicht mal mehr aus unserem Grundstück raus-, geschweige denn, unsere Zulieferer reingekommen.“ Inzwischen habe sich die Verkehrslage rund um die Fährstraße etwas entspannt.

„Im ganzen Gewerbegebiet gilt ein Parkverbot“, sagt Eggolsheims Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB). Bislang habe die Gemeindeverwaltung die Problematik als „Anlaufschwierigkeiten“ des neuen Sortierzentrums verbucht, so der Rathaus-Chef. „Gerade jetzt zum brummenden Weihnachtsgeschäft.“

Hintergrund: Täglich steuern rund 50 Lkw das Zentrum an, beladen mit Zehntausenden Paketen und Päckchen. Sie werden hier im Dreischichtbetrieb nach Postleitzahlgebieten vorsortiert und von wiederum rund 50 Lkw abgeholt, die sie zu Verteilerzentren in ganz Europa bringen – von wo aus sie schließlich an die Kunden des Internetversand-Giganten geliefert werden.

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Auf dem Amazon-Firmengelände sind zwar extra neue Toilettenanlagen für ein- und ausfahrende Lkw-Fahrer errichtet worden. „Doch das Problem wurde mir vom Standortleiter so geschildert, dass die Lkw oft viel zu früh ankommen und wegen besonderen Firmenvorgaben nicht gleich aufs Betriebsgelände dürfen“, erklärt der Bürgermeister. „Dann stehen die Laster wild herum und manche Fahrer verrichten auch ihre Geschäfte wild. Das ist ein Ärgernis ohne Ende. Das geht gar nicht!“

Doch es geht – und das nicht nur auf Eggolsheimer Gebiet: Laut Schwarzmann habe es auch schon Beschwerden aus der Nachbargemeinde Hallerndorf gegeben, dass Amazon-Laster auf der anderen Seite des Main-Donau-Kanals (am Liapor-Gelände) verkehrswidrig parkten. „Wir werden diese Stellfläche an der alten Schleuse in allerkürzester Zeit so limitieren, dass wir jeden Lkw, der dort parkt, durch die Kommunale Verkehrsüberwachung mit einem Bußgeld belangen können“, sagt Schwarzmann.

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Wenn die Weihnachtszeit vorbei ist, wolle man im Rahmen der Verkehrsüberwachung auch „rigoros“ gegen das Wildparken vorgehen. „Ich habe dem Standortleiter sehr deutlich gesagt, dass Amazon hier für schnelle Abhilfe und eine komplette Verbesserung sorgen soll. Und wenn sie notfalls eine Extra-Fläche für parkende Lkw anmieten müssen“, meint der Bürgermeister – der sich kurz nach dem Gespräch wieder in der Redaktion meldet. Mit guten Nachrichten.

Beziehungsweise einer „zufriedenstellenden Reaktion“ Amazons, wie es der Leiter des Eggolsheimer Ordnungsamts, Oliver Eppenauer, formuliert. Er sei am Montagmorgen mit der Polizei im Neuseser Gewerbegebiet unterwegs gewesen – und konnte „keine Müllverschmutzung“ mehr feststellen. Amazon habe die Hinterlassenschaften entfernt. „Außerdem hat das Unternehmen angekündigt, einen Pkw-Bereich auf dem Firmengelände in Lkw-Parkplätze umzuwandeln“, so Eppenauer. Dafür sei zwar noch eine entsprechende „Beschilderung und Linierung“ der Parkflächen nötig, „aber bereits jetzt lassen sie die Laster dort parken“. Zumindest gelte das für jene Lkw, die „zwei bis fünf Stunden zu früh ankommen“.

Und Fahrer, die noch früher dran sind? An die verteilen die Amazon-Mitarbeiter an der Pforte künftig Zettel mit den ausgewiesenen legalen Parkplätze in der Umgebung, so der Ordnungsamtsleiter. „Wir konnten aktuell keinen Verstoß feststellen. Ob die Maßnahmen langfristig greifen, muss man sehen. Aber wir bleiben dran.“

In einer Stellungnahme von Amazon heißt es auf Nachfrage: „Wir möchten ein guter Nachbar sein und haben schon viel unternommen und investiert. Wir haben den Hof angepasst, damit Lkw auf unserem Parkplatz warten können. Unser Gebäude verfügt über zwei Lounge-Räumen für Lkw-Fahrer mit Toiletten, Duschen und kostenlosen warmen Getränken. Wir reinigen regelmäßig das Gelände und schicken Personal, um Müll auch außerhalb unseres Geländes zu entfernen. Darüber hinaus stehen wir im Kontakt mit der Gemeinde und haben für Fragen und Anregungen unserer Nachbarn immer ein offenes Ohr.“

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