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Andreas Liebert: Forchheimer Songwriter gab Konzerte auf den Färöer Inseln

Andreas Liebert verarbeitet seine Erlebnisse in seinen Songs - 11.11.2019 06:00 Uhr

Andreas Liebert zu Gast in seiner alten Heimat Forchheim. Der Musiker war vor kurzem auf Tournee auf den Färöer Inseln. © Foto: Athina Tsimplostefanaki


Andreas Liebert kommt ursprünglich aus Kersbach und lebt mittlerweile in Lübeck. Durchs Studium ist er schon vor einiger Zeit in die Ostseestadt gekommen. Dort fühlt er sich wohl: "Man braucht nicht lange nach Travemünde, man hat immer irgendwo Marzipantorte in einem Geschäft zu kaufen, man kann gut seine Zeit verbringen – das ist schön und viel wert." Der 32-Jährige ist hauptberuflich Eventmanager und organisiert Konzerte sowie Kongresse. Nebenbei unterstützt er mit seiner kleinen Plattenfirma noch ein paar Musiker.

Musik ist seine Leidenschaft, die er nutzt, um gescheiterte Beziehungen zu verarbeiten – in seiner Muttersprache Deutsch. Mit 13 Jahren hat er begonnen, Gitarre zu spielen. Mit 15 oder 16 Jahren schrieb er seine ersten Lieder. Auslöser war eine Trennung: "Wo andere sagen, ich vergess‘ die, will ich mich damit eher auseinander setzen." Die Songs geben ihm Antworten. "Jeder reflektiert auf seine Art und Weise. Ich nutze die Songs dafür", so Liebert. In seinem ersten Song "Tümmler" erzählt der Musiker, wie er seine damalige Freundin kennengelernt hat. Auf der neuen EP – zu wenig für ein Album, zu viel für eine Single – geht es wieder um eine gescheiterte Beziehung. Seine Lieder sind eine Art Tagebuch – "was natürlich nur Momentaufnahmen skizziert" – in dem er einen seiner Lebensabschnitte aufarbeitet.

"Duburg": Stadtbezirk und Liedtitel

"Duburg" heißt das gute Stück und ist nach einem Flensburger Stadtbezirk benannt. Wieso Liebert diesen Namen gewählt hat, ist relativ simpel – er lebte dort mit der Freundin, von der das Lied handelt. Die Orte, um die es sich dreht, kann man sich im Musikvideo dazu ansehen.

Die gleichnamige EP umfasst drei Lieder, auf der Liebert "eine weitere Beziehung in Musik gepackt" hat. Davon wird es eine limitierte Auflage als Musikkassette geben, was zu ihm passt – etwas aus der Zeit gefallen. Zusätzlich gibt es die EP auf allen bekannten Plattformen.

Dass sein Musikstil – den er selbst als Indie-Singer-Songwriter beschreibt – nicht die Massen bewegt, weiß er: "Ich glaube, da bin ich ehrlich zu mir selbst. Das was ich mache, ist eine Nische, die immer eine bleiben wird", so Liebert, der "lieber vor weniger Leuten spielt, die aufmerksam zuhören, als vor vielen Leuten, die den Fokus ganz wo anders haben."

Tournee über die Färöer Inseln

Diese Möglichkeit hatte der Forchheimer Musiker bei seiner Auslandstournee im Oktober. Die ging nämlich über die Färöer, eine zu Dänemark gehörende Inselgruppe im Nordatlantik mit gerade einmal etwas mehr als 51 000 Einwohnern. Böse Zungen spotten, dass dort mehr Schafe als Menschen leben. Auf die Inseln ist der Skandinavien-Fan durch Zufall gestoßen: "Ich hatte die Null auf dem Zettel", so Liebert. Entdeckt hat er die Färöer auf einem Onlinekartendienst und sich an einen Musiker von dort erinnert, der in Lübeck einen Auftritt hatte.

Bei einem Urlaub hat er die Färöer kennengelernt. "Da kommt man hin und muss erst einmal zweieinhalb Stunden auf einen Bus in die Hauptstadt warten", berichtet er. Nach einem Clubbesuch entwickelte sich die Idee von der Konzerttour über die Färöer. Der Forchheimer dachte sich: "Wie cool das wäre, wenn ich hier ein paar Konzerte spielen würde."

Große Erwartungen, ob Leute kommen würden, hatte er nicht. Er probierte es einfach aus. Zwei Auftritte organisierte sich der Musiker selbst, drei hat er von einer Plattenfirma vermittelt bekommen. Seine Konzerte wurden "echt gut aufgenommen", freut er sich.

"Verstehen konnten die das alle"

Zehn bis 25 Leute kamen pro Konzert, was "nicht die Welt ist", wie der Künstler selbst sagt, was aber bei Dörfern mit teilweise nur 300 Einwohnern einen respektablen Durchschnitt darstellt. Liebert berichtet, dass bei einem Konzert in einem Museum die Veranstalterin total aus dem Häuschen war, weil Leute kamen, die sonst noch nie dort waren. Begeistert war auch ein Deutschlehrer, der sich nach dem Konzert mit Andreas Liebert austauschte und ihm erzählte, welche deutschen Podcasts er höre. Praktisch war für den Musiker, dass die Färöer in der Schule Deutsch lernen. "Ich wusste das vorher nicht. Verstehen konnten die alle, was ich singe", so Liebert.

Er hatte Spaß daran, "1500 Kilometer weg von zu Hause" seine Songs zu performen. Beim Publikum kam zudem gut an, dass er seine Songs in seiner Landessprache zum Besten gab. Ein Rockstarleben will Liebert dennoch nicht führen.

MICHAEL ENDRES

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