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Annette Prechtel: Eine Frau auf dem Weg zum Gipfel

Sie betrachtet den OB-Wahlkampf als Bergtour: Grüne Fraktionschefin einstimmig nominiert - 20.09.2019 20:00 Uhr

Annette Prechtel legte bei ihrer Bewerbungsrede vor allem Wert darauf, die grünen Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die anstrengende Zeit bis zur Wahl am 15. März zu motivieren. © Foto: Ulrich Graser


Es ist natürlich keine Überraschung, dass die Grünen ihre Frontfrau Annette Prechtel zur Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin bestimmt haben. Überraschung erzeugten vielmehr die Begleitumstände: "So viele Leute hatten wir noch nie", staunte Ortssprecher Emmerich Huber, als er seinen Blick durch das Tagungslokal schweifen ließ. Über die 42 Stimmberechtigten hinaus hatten sich weitere Grüne und Interessierte aus Stadt und Land eingefunden. Die Stimmung war entsprechend gut.

Ihre eigenen Leute musste Annette Prechtel nicht davon überzeugen, dass sie die richtige fürs Amt ist. Die Bewerbungsrede geriet daher auch weniger zu dem Versuch, jemanden von ihren politischen Vorstellungen zu überzeugen. Natürlich braucht es mehr Raum für Radler auf Forchheims Straßen, natürlich soll im Sinne des Klimaschutzes der Öffentliche Personennahverkehr gestärkt werden. Vor allem auch im Stadt-Osten, nördlich der Bayreuther Straße, vielleicht auch mit kleineren, den Straßen angepassten Bussen. Weil die ÖPNV-Linien bald neu ausgeschrieben werden, müssten heute die Anforderungen formuliert werden, meinte Prechtel unter Applaus.

Sie will "für die schnelle Abarbeitung der Missstände" sorgen und Oberbürgermeisterin für alle Forchheimerinnen und Forchheimer werden. Das ist so oder so ähnlich auch bei anderen Kandidaten zu hören.

Prechtels Rede richtete sich aber nicht in erster Linie nach außen, sondern vor allem nach innen, wie sie später auch im Gespräch sagte: "Das war keine Wahlkampfrede vor der Öffentlichkeit, dazu werde ich ab sofort noch genug Gelegenheit bekommen." Statt dessen hatte der Auftritt vor allem das Ziel, das grüne Forchheim auf den Wahlkampf einzustimmen, die Mitglieder zu motivieren.

Sie konnten von der Bundestagsabgeordneten Lisa Badum hören, dass Prechtel "als Mutter, als Unternehmerin mitten im Leben steht". Mit ihr erscheine es zum ersten Mal "wahrscheinlich, dass Forchheim grün regiert werden könnte". Die Vorsitzende des neuen Ebermannstädter Ortsvereins Elisabeth Krause (27) bescheinigte der Kandidatin "Herz und Hirn". Als "Teil einer Generation, die sich Sorgen um die Zukunft macht", setze sie in Annette Prechtel große Hoffnungen.

Selbst Gerhard Meixner, Urgestein des grünen Forchheims, der seit 1996 mit Annette Prechtel im Stadtrat zusammenarbeitet, wurde für seine Verhältnisse extrem sentimental: "Du bist einfach ein angenehmer Mensch, sehr fleißig, durchsetzungsfähig, hast Humor und emotionale Intelligenz." Und ein anderer Mann fortgeschrittenen Alters, Kreisrat Karl Waldmann aus Heroldsbach, versicherte ihr: "Wir unterstützen dich vom Landkreis her so gut es geht."

Die Erwartungshaltung erreichte damit einen Gipfel. Aber dort scheint sich Prechtel eh am wohlsten zu fühlen. Den Weg bis zum Amt der OB verglich sie in ihrer Rede mit einer Bergtour: Man brauche ein Ziel, eine Gruppe ("ist sicherer und macht mehr Spaß"), müsse die richtige Zeit festlegen und dann die Tour ausarbeiten: Route, Etappenziele, Karte, Training für Fitness und Ausdauer: "Um es klar zu sagen: Was wir vorhaben wird kein Spaziergang, sondern eine echte Herausforderung, eine anstrengende Tour." Die "Verantwortung für das Ganze" sei ihr Antrieb, ihre Motivation.

Annette Prechtel ist 1974 in Forchheim in eine bekannte Einzelhandelsfamilie hineingeboren, deren Immobilienverwaltung sie heute hauptberuflich leitet. Sie hat im Fach Geoökologie einen Doktortitel und nimmt daher für sich in Anspruch, in Zusammenhängen denken zu können: "Wenn eine Fläche für eine umsiedlungswillige Firma gesucht wird, und der Stadt eine Fläche angeboten wird, heißt das eben nicht, einfach zuzuschlagen." Denn: "Nicht jede Fläche, die da so schön liegt, gilt es ,wirtschaftlich zu bespielen‘." Ökologisch wertvolle Flächen müssten geschützt und erhalten werden.

Der Themenkatalog befasste sich außerdem mit Wohnungsmangel, demokratischer Teilhabe der Bürger, Kitas und Schulen, der Entwicklung der Stadtteile, den Großprojekten in der Innenstadt, die angepackt werden müssten (vom Paradeplatz bis zur Hornschuchallee) bis zu den Leerständen. Die Veranstaltung fand in einem leer stehenden Laden statt, der der Familie Prechtel gehört. "Die Gespräche laufen noch", sagte die Kandidatin, "aber hoffentlich wird der Laden bald wieder belebt sein."

Was fehlte in der Rede? Der Angriff auf den politischen Gegner, die Spitzen, die Vorwürfe. "Das wird auch so bleiben", erklärt Prechtel, "es geht um die Sache, nicht darum, jemanden vor den Kopf zu stoßen, das haben wir lange genug erlebt." Fraktionsübergreifend im Stadtrat nach der besten Lösung zu suchen sei "das Markenzeichen der Demokratie".

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