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Archäologischer Pfad? Forchheims Geschichte soll sichtbarer werden

Was soll aus den Grabungs-Funden zwischen Luitpoldstraße und Wallstraße werden? - 18.04.2021 08:00 Uhr

Die archäologischen Grabungen zur mittelalterlichen Festungsmauer zwischen Luitpoldstraße und Wallstraße vor dem ehemaligen C&A in Forchheim: Hier könnte ein Archäologischer Pfad mit Sichtfenstern in die Vergangenheit entstehen. 

16.04.2021 © Ralf Rödel


Einige Möglichkeiten stellte Christina König, Archäologin und stellvertretende Museumsleiterin der Kaiserpfalz Forchheim, im Haupt-, Personal- und Kulturausschuss des Forchheimer Stadtrats vor.
Im Herbst haben Archäologen bei Ausgrabungen an der Ecke zwischen Luitpoldstraße und Wallstraße fleißig gekehrt, geputzt, geschaufelt und abgetragen.

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Während der Erneuerung des Asphalts waren Überreste der spätmittelalterlichen Stadtmauer aufgetaucht. „Und das sogar nur etwa 1,50 Meter unterhalb des Teers“, erläutert König. Ähnlich wie am Pfalzmuseum blieb der neue Fund hervorragend konserviert, weil das Mauerwerk als Fundament für spätere Bauten an dieser Stelle diente.

Teil der Stadtmauer hat schon 1250 und nicht erst 1310 existiert

Die Archäologen vermuteten, Überreste eines großen Stadtmauerturms oder Wehrturms gefunden zu haben. Fest steht, dass ein Teil der Stadtmauer spätestens gegen 1250 schon existiert hat. „Dieses Stück ist damit um einiges älter als bislang angenommen“, erklärt König. Bislang hatten Forscher das Alter der spätmittelalterlichen Mauer in etwa auf das Jahr 1310 datiert, als sie das erste Mal urkundlich erwähnt wurde.

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Forchheim umtreibt nun die Frage, wie man die Geschichte aufarbeitet, auch für spätere Generationen, und als zusätzlichen Magnet für die Innenstadt. „Erfahrungen aus anderen Städten haben gezeigt, dass Tafeln oder Markierungen im Boden kaum wahrgenommen werden“, erklärt König.

Verschiedene Varianten, mit oder ohne Schutzbau

Wichtig sei, Teile der Stadtmauer zu zeigen und neugierig auf die Geschichte zu machen. Anhand von Beispielen aus Regensburg, Kempten und Bern zeigte sie verschiedene Varianten. Es sei möglich, einen Schutzbau um die Steinmauer zu errichten, man könne aber auch darauf verzichten. Die Mauerreste in Forchheim seien dafür geeignet.

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„Das ist ein toller Weg, Geschichte sichtbar und erlebbar zu machen. Das ist identitätsstiftend für die Bürger und wir erschließen damit neue touristische Zielgruppen“, findet Stadtrat Thomas Werner (CSU).

In 3D mit VR-Brille

„Das macht Forchheim attraktiver und erlebbar. Das muss kein Riesenpalazzo werden. Aber ich bin jetzt schon gespannt, wie das weiter Gestalt annimmt“, sagt Lisa Hoffmann (SPD). Martina Hebendanz (CSU) wünscht sich, dass gleich digitale Formate mitgedacht werden, wie 3D-Aufnahmen und ein Rundgang mit VR-Brille: „Diesen Weg sollten wir nicht verpassen.“

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„Ich finde das sehr charmant. Das könnte die erste Perle auf einer langen Kette sein“, glaubt Manfred Hümmer (FW). Er hält den Pfad für sinnvoll und zielführend und hat schon etwas vor Augen: „Keine opulente Überdachung, sondern etwas Filigranes, Zierliches, das vor der Witterung schützt.“ Er merkte aber an, dass die Kosten noch nicht abschätzbar seien. „Am Schluss fällt uns das noch auf die Füße.“ Die fehlende Schätzung sprach auch Ute Samel (SPD) an.

Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) präzisiert, dass es zunächst nur um einen groben Überblick und Grundsatzbeschluss des Stadtrates ging: „Es soll ja nicht Zeit investiert und weiter geplant werden, wenn das gar nicht erwünscht ist“, sagt sie. Im nächsten Schritt solle es um Details des Pfades und auch die Kosten gehen sowie Kontakt zu Planungsbüros aufgenommen werden. Der Beschluss dazu fiel einstimmig.

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