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Biber machen seit Jahren Ärger: Poxdorf will die Tiere umsiedeln

Nager sorgen für Überschwemmungen an der ICE-Strecke und umgestürzte Bäume - 20.05.2020 16:26 Uhr

Der Biber sorgt für Probleme in Poxdorf, zum Beispiel an der angrenzenden ICE-Strecke. Bei Starkregen werden die Dämme, die der Biber baut, weggeschwemmt und verstopfen den ICE-Durchlass. Es gab bereits Überschwemmungen, bei denen die Signalanlage überspült wurde und die Strecke gesperrt werden musste. © Foto: Gemeinde Poxdorf


"Bob, der Biber", wie ihn die Poxdorfer nennen, treibt seit sechs Jahren in dem Ort sein Unwesen. Er baut im Kreuzbach Dämme, beißt sich durch die Zäune der Baumschulen und hat bereits eine Streuobstwiese in der Ortsmitte "niedergemäht", wie Bürgermeister Paul Steins (CSU) berichtet. Er kostet die Gemeinde jährlich um die 20.000 Euro. Privatbesitzer bleiben auf dem Biber-Schaden sitzen.

Signalanlage überspült

"Mein größtes Problem ist die angrenzende ICE-Strecke", sagt Steins. Die Dämme, die der Biber baut, werden bei Starkregen weggeschwemmt und verstopfen den ICE-Durchlass. Es gab bereits Überschwemmungen, bei denen die Signalanlage überspült wurde und dann die ICE-Strecke gesperrt werden musste.

"Als Gemeinde sind wir für den Kreuzbach verantwortlich und ich habe Sorge, dass die Bahn uns irgendwann auf Schadensersatz verklagt. Wir sind schon miteinander im Gespräch, aber haben bisher noch keine gute Lösung gefunden", erklärt Bürgermeister Steins.

Der Biber beißt sich durch die Zäune der Baumschulen und hat schon eine Streuobstwiese in der Ortsmitte niedergemäht. Er soll nun umgesiedelt werden. © Foto: Gemeinde Poxdorf


Drei Wochen benötige der Biber ungefähr, um seine Dämme zu bauen. Dann rückt Steins mit den Leuten vom Bauhof an, um die Dämme wieder zu beseitigen. Hinzu komme, dass der Biber Bäume untergrabe, die dann umfallen und Privathäuser beschädigen könnten.

Seit sechs Jahren beschäftigt Paul Steins dieses Biber-Problem nun schon. Gemeinsam mit dem Landratsamt, der unteren Naturschutzbehörde und dem zuständigen Biberbeauftragten Wilfried Schwarz hat er beschlossen, den Biber aus dem Kreuzbach zu entnehmen.

"Woanders aussetzen"

"Wir haben vom Landratsamt eine Lebendfalle bekommen, mit der wir den Biber nun fangen wollen", sagt er und betont: "Es ist nicht der Fall, dass hier Jäger mit Gewehren herumlaufen und versuchen den Biber zu erschießen. Wir wollen ihn einfangen, um ihn am liebsten woanders aussetzen zu können, wo er Dämme bauen kann wie er möchte".

Bislang sei in die Lebendfalle allerdings nur eine Katze getappt. "Das ist schon ein schlaues Kerlchen, unser Biber", so Steins. Kürzlich richtete sich die Tierschutzorganisation Peta an den Bürgermeister und ans Landratsamt, um vor einem Abschuss des Tieres zu warnen. Auch der Bund Naturschutz (BN) in Forchheim rät von einer Tötung ab.

Biber tragen zu einer Selbstreinigung der Gewässer bei und bauen naturferne zu naturnahen Gewässern um, betont der Bund Naturschutz. Durch diese Renaturierung würden viele weitere Tiere und Pflanzen angezogen.

"Eine Genehmigung für den Fang"

"Wir als Bund Naturschutz sind der Ansicht, dass die Umsiedelung die beste Möglichkeit ist und ein Abschuss wirklich nur die allerletzte Möglichkeit darstellt, da es sich um eine geschützte Art handelt", erklärt Ulrich Buchholz, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Forchheim.

Die Tötung des Bibers ist nicht sein Ziel, sagt Bürgermeister Steins: "Wir haben eine Genehmigung für den Fang erhalten, aber nicht zum Abschuss." Bis August soll die Falle stehen bleiben. Wird der Biber gefangen, muss unter anderem kontrolliert werden, ob es sich um ein Muttertier handelt - in diesem Fall wäre eine Tötung ausgeschlossen. Über das weitere Vorgehen nach dem Fang entscheide der Biberbeauftragte des Landkreises, so Steins.

"Der Biber stört uns ja sonst nicht weiter, aber ich möchte nicht verantwortlich sein, wenn dadurch ein Schaden entsteht", sagt der Bürgermeister. Außerdem sei es für die Gemeinde finanziell nicht mehr zu stemmen. "Wenn ich könnte, würde ich ihn selbst irgendwo hinbringen, wo er schön ungestört bauen kann", so Steins.

NINA EICHENMÜLLER

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