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Der dienstälteste NN-Fußballfotograf hört auf

Rudolf "Randy" Maxbauer legt nach 41 Jahren im NN-Dienst die Kamera schweren Herzens zur Seite - 08.11.2020 13:42 Uhr

So kannten ihn die Fans auf den Fußballplätzen des Landkreises: Doch nun hat Rudolf „Randy“ Maxbauer die Kamera zur Seite gelegt und seinem Sohn vermacht.

08.11.2020 © privat


Es war im Jahr 1979, da hat "Randy" Maxbauer seine ersten Fotos für den Sportteil der Nordbayerischen Nachrichten geschossen (ohne eine Ahnung zu haben, wie das geht). Jetzt hat er die Kamera endgültig zur Seite gelegt – nicht, weil er nicht mehr will, sondern weil er nicht mehr kann. Herz und Lunge bringen nach mehreren Operationen nur noch wenig Leistung, selbst ein paar Meter vom Auto zum Platz wären zu viel.

Herr Maxbauer, fangen wir von vorne an: Wie sind Sie zur Sportfotografie gekommen?

Maxbauer: Das war wirklich reiner Zufall. Zu der Zeit war ich Jugendtrainer beim TSV Gräfenberg. Ihre Zeitung brauchte einen Artikel, und weil unser Berichterstatter so eine schlechte Handschrift hatte, bin ich eben eingesprungen. Der damalige Sportredakteur Leo Hildel hat mir dabei gesagt, dass er eigentlich noch viel dringender einen Fotografen benötige.

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Rudolf "Randy" Maxbauer aus Sollenberg: Drei Leben in einem

Rudolf "Randy" Maxbauer steht seit 60 Jahren auf der Bühne. Als Rock'n'Roll Legende ausgezeichnet mit der goldenen Schallplatte, als Sportler ausgezeichnet mit zahlreichen Medaillen und als Familienmensch ausgezeichnet als bester Opa. Über einen der viel erlebt hat.


Und das wurden dann Sie?

Maxbauer:  Obwohl ich bis dahin noch nie fotografiert hatte. Meine Frau Margarete hat mir zeigen müssen, wie ein Fotoapparat funktioniert. Am Anfang war das eine gebrauchte einfache Revue, eine Marke der Foto Quelle, die mir Leo Hildel für 30 Mark besorgt hatte. Später bin ich dann auf Canon umgestiegen.

Wie waren denn die ersten Resultate?

Maxbauer:  (Lächelt) Die Zeitung hat eigentlich immer welche abgedruckt. Aber am Anfang war es natürlich nicht so toll. Aber wie im eigenen Sportlerleben und bei der Musik hatte ich schon den Ehrgeiz, immer besser zu werden. Ich habe mich auch bei den Profis der NN erkundigt, welche Tricks sie denn verwenden. Aber es war schon immer wieder ein Abenteuer, wenn es stark geregnet hatte oder neblig war. Da bin ich manchmal ganz nah ran an die Spieler und habe auch mal einen fotografiert, der gerade eine Ecke getreten hat.

Ohne seine Margarete hätte „Randy“ Maxbauer vermutlich nicht so viele Ordner mit Sportfotos füllen können: Sie erklärte ihm die Kamera und bediente später den PC.

08.11.2020 © Holger Peter


Sie haben ja in den Anfangsjahren nie für die aktuelle Montagsausgabe gearbeitet.

Maxbauer: Ja, ich habe die sogenannten Nachdreher-Fotos für Dienstag gemacht. Ich habe in Nürnberg direkt gegenüber des Verlagshauses bei der Post gearbeitet. Ich habe immer montags meine Filme in der Redaktion abgeliefert (das Entwickeln habe ich nie gelernt), dann wurden die besten Motive ausgesucht.

Das hat sich geändert, als die digitale Fotografie aufkam . . .

Maxbauer: Da wäre ich wieder ohne meine Margarete aufgeschmissen gewesen. (Sie wirft ein: "Er weiß bis heute nicht, wie ein Computer funktioniert"). Ich habe weiterhin nur fotografiert, sie hat die Karten im PC eingelesen und per Mail verschickt. Dann konnte sie die Redaktion umgehend und auch schon für die Montagsausgabe verarbeiten.

Als "Randy" kennt ihn die Rock'n-Roll-Fans ihn weiter über die Grenzen der Region hinaus.

08.11.2020 © privat


Gab es denn auch negative Erlebnisse? Andere Kollegen haben berichtet, wie sie von den Zuschauerrängen mit Bier und blöden Sprüchen überschüttet wurden.

Maxbauer: Nein, so etwas ist mir zum Glück nie passiert. Ich hatte schon einen Draht zu den Menschen – und im Gegenteil wurde ich ganz oft freudig begrüßt, weil mich die meisten als den Musiker "Randy" kannten. Und am Anfang hat es mir sicherlich geholfen, dass Leo Hildel mich den Lesern als den Rock‘n‘Roller und ehemaligen Bayerischen Ringermeister vorgestellt hatte.

Wurden Sie oft auf ein Freibier eingeladen?

Maxbauer: Freilich, aber das habe ich immer abgelehnt. Ich wollte nicht Sprüche über mich hören wie diejenigen, die über andere Kollegen im Umlauf waren: "Der säuft sich bei uns jedes Mal durch." Außerdem wollte ich da keinen Verein bevorzugen oder benachteiligen. Letztlich bin ich überall gut behandelt worden.

Was sind denn die lustigsten Anekdoten aus diesen vier Jahrzehnten?

Maxbauer: Für die Redaktion war das wohl eher nicht lustig, aber in den Anfangszeiten hatte sich mal ein Film in der Kamera verklemmt und war damit unbrauchbar geworden. Ersatz hatte ich nicht dabei – aber das ist mir danach natürlich nie mehr passiert. Und bei der DJK Weingarts hatte ich mal einen kleinen Unfall. Weil ich es eilig hatte, zum nächsten Fußballplatz zu kommen, bin ich etwas zu flott von meinem Parkplatz zurückgestoßen. Da standen ein paar Farbeimer, die umgekippt und ausgelaufen sind. Aber als ich mich entschuldigt, den Schaden bezahlt und auch noch ein paar Fotos extra für den Verein geschossen hatte, war mir niemand mehr böse.

Sie waren ja selbst ein erfolgreicher Sportler.

Maxbauer: Ja, ich habe in meiner Jugend geboxt, war als Ringer für den SC 04 Nürnberg Maxvorstadt Bayerischer Meister im Bantamgewicht und später ein ambitionierter Langstreckenläufer.

Aber da gab es diese gesundheitlichen Rückschläge.

Maxbauer: Ich hatte schon mit 23 meinen ersten starken Rheumaschub. Ich habe mich immer wieder zurückgekämpft. Bis Anfang 30 habe ich weiter gerungen. Aber die Krankheit und vor allem die Medikamente hatten Langzeitfolgen. Ich musste wegen meines Herzens mehrfach unters Messer. Auch als Fotograf musste ich dann aussetzen – in diesen Zeiten dann ist Margarete für mich eingesprungen und hat auf dem Fußballplatz die Fotos gemacht. Ich bin aber immer wieder gerne zurückgekommen, aber jetzt geht es nicht mehr.

Was passiert mit der Kamera?

Maxbauer: Die habe ich meinem Sohn Peter vermacht. Der kennt sich mit dem Fußball aus, hat selbst mit dem ASV Forth in der Bezirksliga gekickt und jetzt nach der Corona-Pause schon seine ersten Foto-Einsätze für die "Nordbayerischen" gehabt.

Eigentlich sollte es in diesem Interview auf der Sportseite nicht um die Musik gehen, für die Sie ja noch bekannter sind. Aber die Frage muss erlaubt sein: Haben sich diese beiden Leidenschaften zeitlich denn vereinbaren lassen?

Maxbauer: Das war eigentlich nie ein Problem. Der Sonntagnachmittag gehörte halt den NN. Und einmal konnte ich Sport und Musik sogar verbinden. Da wurde der "Randy" bei einer Aufstiegsfeier auf die Bühne gebeten und musste ein paar Lieder singen.

Die Fotografenkarriere ist nun also vorbei, was ist mit der Sängerlaufbahn?

Maxbauer: Wegen Corona hatte ich zuletzt keine Auftritte, aber mein Management bringt mich schon immer wieder mal bei Shows unter. Aber für mehr als zwei, drei Lieder reicht auch da die Luft nicht mehr.

INTERVIEW: HOLGER PETER

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