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Die Forchheimer Innenstadt als Surf-Paradies?

Öffentliches WLAN: Stadt reagiert auf Kritik - Junge Liberale äußern Unmut - 20.11.2017 06:00 Uhr

Noch in diesem Monat, so der Plan, soll das "public WLAN" kommen. © Roland Huber


FORCHHEIM — "Forchheim wirft das Kirschsteinnetz über seiner City aus", heißt es in einer Mitteilung des Kreisverbandes der Jungen Liberalen (JuLis). Für die Verwaltung scheine das "ein großer Wurf" zu sein. Fakt sei allerdings, so die Julis, dass der Entschluss für diese öffentlichen Hotspots im Stadtrat bereits vor einem Jahr beschlossen wurde – und seither (beziehungsweise bis jetzt) nichts passiert sei. "Mit mehr als einem Jahr dürfte die Dauer für die Einrichtung eines WLAN-Routers jedenfalls rekordverdächtig sein", meinen die Jungen Liberalen.

Deren Kreisvorsitzender, Tobias Lukoschek, kritisiert, dass sich die Stadtverwaltung mit ihrem vermeintlichen Vorstoß "nur um die City sorgt", während Randregionen außen vor blieben. Lukoschek verweist dabei auf einen Gegenentwurf zum städtischen WLAN-Modell oder kommerziellen Anbietern: den "Freifunk Franken". Dieser Verein ist Teil der globalen "freikunk.net"-Community, die es sich zum Ziel gemacht hat, in Eigenregie freie Netze zu organisieren.

Das bedeutet, dass jedermann – ob Privatpersonen oder Geschäftsleute – seinen WLAN-Router auch anderen Teilnehmern zur Verfügung stellen kann. Das Ganze funktioniert also nur durch das Engagement einzelner Bürger, die "ihr" Netz mit anderen teilen. Dadurch aber, so Lukoschek, habe der Verein die Möglichkeit, auch "mobilfunkschwache Regionen wie Serlbach und Drügendorf" ins digitale Boot zu holen. Und mit Dobenreuth sei Freifunk ebenfalls bereits im Gespräch – eben ganz im Gegensatz zum auf die City beschränkten "Kirschsteinnetz".

Im Rathaus sei man mit dieser Kritik auf taube Ohren gestoßen, jahrelanges ehrenamtliches Engagement der Freifunker im Landkreis werde von der Stadt Forchheim "weder honoriert noch gefördert", ärgert sich der JuLis-Kreisvorsitzende. Sein Stellvertreter Philipp Schmalz geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er fragt, ob sich Stadt und Stadtwerke mit der Installation ihrer Hotspots "extra Zeit lassen", um ihr neues Telekommunikationsangebot "foOne" (wir berichteten) besser vermarkten zu können.

Auch in dem Umstand, dass der kostenfreie Internet-Zugang zwischen Paradeplatz und Rathaus nur jeweils für 30 Minuten besteht, bevor die Verbindung automatisch getrennt wird, sehen die JuLis ein "Gnadenbrot" – und keinen echten Fortschritt in Zeiten der Digitalisierung.

Diese Kritik lässt die Stadtverwaltung nicht auf sich sitzen. "Zunächst verwechselt da jemand Äpfel mit Birnen", sagt Viktor Naumann, Referatsleiter Wirtschaft und Stadtmarketing. Drügendorf (Ortsteil von Eggolsheim) und Dobenreuth (Ortsteil von Pinzberg) gehörten schlichtweg nicht zu Forchheim. "Es ist sehr schön, wenn die Freifunker diese Gemeinden miteinbeziehen, aber das liegt nun mal nicht im Verantwortungsbereich der Stadt Forchheim", so Naumann. Mit den Hotspots im Stadtzentrum wolle man selbige attraktiver machen – für Einheimische wie Touristen.

Zudem betont er: Der Beschluss zum öffentlichen WLAN in der Innenstadt sei im Finanzausschuss des Stadtrates einstimmig getroffen worden – "alle Parteien, auch die FDP, waren dafür".

Auch habe man die Aufstellung der Hotspots den Stadtwerken nicht aus Marketing-Gründen "zugeschustert". Es habe sich einfach gezeigt, dass das Angebot der Forchheimer Stadtwerke das attraktivste war. "Die Stadtwerke sind ein zuverlässiger Partner, der schnell reagiert und vor allem die neueste Technik verwendet", sagt Naumann und verweist auf leistungsfähige Hotspots mit Glasfasertechnik.

Was die maximale halbe Stunde betrifft, die man künftig im städtischen WLAN-Netz verbringen darf: "Das haben wir bewusst so entschieden, um Missbrauch zu vermeiden", erklärt Naumann. Man wolle keine Dauernutzer, die stundenlang gratis Filme streamen, sondern den Menschen die Möglichkeit geben, sich "im Bedarfsfall" ins freie Netz einzuwählen – um sich bestenfalls über Forchheim zu informieren. "Aber im Grunde können die Leute unser WLAN so viel und so lange nutzen wie sie wollen", sagt Viktor Naumann. Denn: Nach einer halbe Stunde wird der User zwar vom Netz getrennt – "aber dann kann er sich nach 30 Sekunden wieder einloggen".

Am heutigen Montag will die Stadt nochmals Stellung nehmen und in einem Pressegespräch den ersten Umsetzungsschritt zum Projekt "Öffentliches WLAN" in der Innenstadt vorstellen. 

PHILIPP ROTHENBACHER

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